• vom 18.05.2017, 07:03 Uhr

Politik

Update: 18.05.2017, 15:21 Uhr

Grüne

Eva Glawischnig legt alle politischen Funktionen zurück




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Von WZ Online, APA

  • "Es ist eine zutiefst persönliche Entscheidung". Wer ihr im Amt nachfolgt, steht noch nicht fest.

Eva Glawischnig verabschiedete sich.

Eva Glawischnig verabschiedete sich.© Reuters Eva Glawischnig verabschiedete sich.© Reuters

Wien. "Jetzt ist der Zeitpunkt, um die Führung abzugeben", sagte Eva Glawischnig heute bei einer persönliche Erklärung im Medienzentrum. "Es ist eine zutiefst persönliche Entscheidung", sagte Glawischnig, die mehrfach mit den Tränen kämpfte. Sie legt alle Funktionen zurück, jene als Bundessprecherin, als Klubobfrau und ihr Nationalratsmandat.

Getroffen habe sie ihre Entscheidung, als klar war, dass es bald Neuwahlen geben werde. Einen sonstigen unmittelbaren politischen Anlass bestritt sie. Sie wolle ihren Kindern weiter in Gesundheit zur Verfügung stehen.

Glawischnig war bereits nach dem ausbleibenden Aufschwung nach der Bundespräsidentenwahl, aber auch nach dem Rausschmiss der Jungen Grünen aus der Bundespartei parteiintern unter Druck geraten.

Nach ihrem Rückzug übernehmen ihre Stellvertreter Ingrid Felipe und Werner Kogler ab sofort interimistisch die Leitung der Grünen. Wie es personell weitergehen soll, berät morgen, Freitag, der Erweiterte Bundesvorstand in Salzburg. Ob es da schon eine Empfehlung für die Parteichef-Kür am Bundeskongress voraussichtlich im Juni gibt, war am Donnerstag noch offen.



Lockl will nicht nachfolgen

Lothar Lockl, langjähriger Grüner und zuletzt Kampagnenleiter im Wahlkampf von Alexander Van der Bellen, will nicht die Nachfolge der scheidenden Bundessprecherin Eva Glawischnig antreten. "Ich stehe bis auf weiteres nicht zur Verfügung", bekräftigte er am Donnerstag auf APA-Anfrage. Er wolle sein Unternehmen nicht aufgeben und lasse seiner Frau Claudia Reiterer beruflich den Vortritt.

Die Tiroler LHStv. Ingrid Felipe hat sich nach dem Rückzug von Eva Glawischnig vorerst nicht dazu geäußert, ob sie deren Nachfolgerin an der Parteispitze werden will. Man habe "eine Reihe geeigneter NachfolgerInnen", postete Felipe auf Facebook. Sie verwies auf den am Freitag stattfindenden Bundesvorstand der Grünen.

Video: Eva Glawischnig tritt als Bundessprecherin der Grünen zurück.

"Wir werden gemeinsam entscheiden, wer am geeignetsten ist, im Herbst ein starkes Gegenstück zu den nach rechts driftenden Parteien zu sein", meinte die 38-Jährige, die auch stellvertretende Bundessprecherin ist. An "Spekulationen und Gerüchten" werden sich die Tiroler Grünen nicht beteiligen, hieß es indes in einer Aussendung der Landespartei.

Appell von Glawischnig

Glawischnig appellierte bei ihrer Abschieds-Pressekonferenz an die Parteien, sich darauf zu besinnen, "was wirklich relevant ist" und sich nicht darauf zu konzentrieren, wie man Wählerängste mobilisiere. Als "überzeugte Parlamentarierin" warnte sie auch vor dem "Wunsch und Konzept des sogenannten starken Mannes".

Sie selbst, die "Kärntner Wirtshaustochter", habe als Umweltaktivistin und Juristin begonnen und als Quereinsteigerin bei den Grünen ihre politische Heimat gefunden. Lange sei sie Nummer zwei hinter Alexander Van der Bellen gewesen, und 2008 habe sie die Parteispitze übernommen. "Jetzt ist für mich der Zeitpunkt gekommen, diese Führung abzugeben."

Van der Bellen bedankt sich

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sich am Donnerstag im Namen der Republik bei der scheidenden Grünen Bundessprecherin Eva Glawischnig für ihre langjährige politische Tätigkeit bedankt. Seine Zusammenarbeit mit ihr sei "immer von Vertrauen und tiefem Respekt geprägt" gewesen, sagte ihr Vorgänger an der Grünen Parteispitze in einer Aussendung.

Van der Bellen betonte, dass er Glawischnig außerordentlich schätze. Er würdigte sie als "eine engagierte Kämpferin für die Umwelt, für den Klimaschutz, für die Gleichstellung von Frauen, bessere Bildungschancen für Kinder und Jugendliche und für Menschenrechte. Sie hat die österreichische Innenpolitik und die Grünen als langjährige Parteichefin über viele Jahre geprägt. Sie hat als Bundessprecherin maßgeblich zu vielen Erfolgen der Grünen beigetragen: Sie erzielte das beste Ergebnis bei Nationalratswahlen und führte die Grünen in fünf Regierungsbeteiligungen in den Bundesländern", zählte Van der Bellen ihre Erfolge auf.

Der Bundespräsident erinnerte auch daran, dass Glawischnig maßgeblich dazu beigetragen habe, dass die Grünen seine Kandidatur für das Amt des Staatsoberhauptes "mit großem Einsatz unterstützt haben. Für all das möchte ich mich bei ihr persönlich von ganzem Herzen bedanken. Ich wünsche Eva Glawischnig und ihrer Familie alles Gute für die Zukunft", sagte Van der Bellen.


Video: Eva Glawischnig tritt als Bundessprecherin der Grünen zurück.






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Dokument erstellt am 2017-05-18 07:04:53
Letzte nderung am 2017-05-18 15:21:22



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