• vom 19.06.2017, 17:54 Uhr

Politik


Primärversorgung

Doch-noch-Reform mit Abstrichen




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Von Simon Rosner

  • Das Primärversorgungsgesetz kommt, aber Ärzte dürfen auch weiterhin andere Ärzte nicht anstellen. Die Ärztekammer ist verärgert.


© apa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand © apa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Wien. Der Name des Gesetzes, das die Primärversorgung im Gesundheitsbereich auf neue Beine stellen soll, ist ein wahres Ungetüm: Gesundheitsreformumsetzungsgesetz. Man kann aber auch "Grug" zu ihm sagen, so lautet die offizielle Abkürzung. Vertreter der Ärztekammer sehen in diesem Gesetz aber auch inhaltlich ein wahres Ungetüm, sie kampagnisierten heftig dagegen.

"Grug" aber ging dann doch im April im Parlament in Begutachtung, die eingegangenen Stellungnahmen wurden eingearbeitet und zwischen SPÖ und ÖVP eine Einigung erzielt. Doch noch. Am Montag brachten die beiden ehemaligen Regierungspartner einen gemeinsamen Initiativantrag im Nationalrat ein, um das Gesetz noch im Sommer beschließen zu können. Auf einige Kritikpunkte der Ärztekammer wurde in der Letztfassung eingegangen, wie ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger, der selbst Hausarzt ist, sagt. Zufrieden ist die Ärzteschaft aber dennoch nicht. Im Gegenteil. Sie überlegt Gegenmaßnahmen.

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Geänderte Bedürfnisse
Zentraler Kritikpunkt ist und bleibt, dass auch weiterhin Ärzte nicht von Ärzten mit Praxis angestellt werden dürfen. Laut Kammer wäre das aber notwendig. "Es gibt einfach mittlerweile mehr junge Ärztinnen und Ärzte, die sich in einem Anstellungsverhältnis wohler fühlen", sagt Kammeramtsdirektor Johannes Zahrl.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Aufbau oder die Übernahme einer Ordination ist natürlich immer auch mit entsprechenden Investitionen verbunden, die für junge Mediziner ein Hindernis darstellen können. Zumal die zunehmende Mobilität der Menschen sowie auch die häufig spätere Familienplanung bedingen, dass sich Ärzte mit Anfang 30 eben noch nicht beruflich fest verorten wollen oder können.

"Zu bürokratisch"
Dass die Nachfrage nach anderen Modellen als dem klassisch-freiberuflichen - Arzt oder Ärztin mit eigener Ordination - steigt, ist allen Beteiligten klar, ebenso, dass man dieser Entwicklung gerecht werden muss, um auch in Zukunft eine flächendeckende Versorgung mit Allgemeinmedizinern gewährleisten zu können.

Die Einigkeit in der Analyse bedeutet allerdings nicht, dass am Ende auch eine praktikable gemeinsame Lösungen herausschaut. Schon vor sieben Jahren bei der Novelle zum Gesetz für Gruppenpraxen ist ein Kompromiss beschlossen worden, der zu kaum Mehrgründungen geführt hat. Wesentliche Erleichterungen bot das Gesetz nach Ansicht der Kammer nicht.

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Dokument erstellt am 2017-06-19 17:59:06



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