• vom 28.06.2017, 18:07 Uhr

Politik

Update: 28.06.2017, 22:15 Uhr

Universitäten

Studienplatzfinanzierung gescheitert




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Eva Stanzl

  • Zwölf Jahre lang wurden sie diskutiert, nun kommen sie nicht: Das Uni-Budget wird ohne Zugangsregelungen erhöht.





Wien. Die Vorarbeiten waren im Großen und Ganzen gemacht, und offiziell waren auch alle dafür. Doch der Beschluss spießte sich an den Details, die die einen als gelöst und die anderen als offen bezeichneten. Die Rede ist von der Studienplatzfinanzierung. Die Idee wurde erstmals im Jahr 2005 aufs Tapet gebracht, später von mehreren Gremien abgesegnet und schließlich im Regierungsprogramm verankert. Doch am Mittwoch war die Studienplatzfinanzierung Geschichte - und führte zum Koalitionsbruch.

SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl kündigte am Mittwochnachmittag bei der Nationalratssitzung an, ihre Fraktion werde einem Antrag der Grünen zur Uni-Finanzierung zustimmen, und zwar gegen den Noch-Koalitionspartner ÖVP. Der Antrag beruhte auf einem Vorschlag der Sozialdemokraten, für den keine Einigung mit der Volkspartei erzielt werden konnte. "Wenn die ÖVP zu keiner gemeinsamen Lösung mit der SPÖ bereit ist, können sich auch andere Mehrheiten im Parlament finden", meinte dazu die grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer.


"38 Prozent mehr Studenten
als im Jahr 2008"

Zum Hintergrund: Zwar wurde das Gesamtbudget der Universitäten seit dem Jahr 2008 um 16,5 Prozent erhöht und liegt für die aktuelle Leistungsvereinbarungsperiode 2016 bis 2018 mit 9,7 Milliarden Euro auf einem Höchststand. Jedoch ist im selben Zeitraum die Zahl der Studierenden derart gestiegen, dass weder die Betreuungsrelationen noch das Verhältnis von Forschung und Lehre maßgeblich verbessert werden konnten. "An den öffentlichen Unis studieren derzeit gegenüber 2008 um 38 Prozent junge Menschen mehr, wobei 60 Prozent der Studienanfänger die 20 meistnachgefragten Studienrichtungen inskribieren", erläutert Vera Pürerfellner, Sprecherin im Wissenschaftsministerium. In 47 Prozent oder fast der Hälfte aller belegten Studienrichtungen ist die Zahl der prüfungsaktiven Studierenden unterdurchschnittlich.

Gleichzeitig steht Österreichs Unis im Vergleich zum wissenschaftlichen Europameister Schweiz bei dreimal so vielen Hörern nur ein Drittel des Budgets zur Verfügung. Immer mehr Vertreter der Universitäten traten daher für eine kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung ein.

Der im Mai zurückgetretene Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellte den Unis ein Plus von 1,35 Milliarden Euro in Aussicht, jedoch unter der Bedingung, dass davon 510 Millionen für die Umstellung auf die für Umstrukturierungen im Rahmen der Studienplatzfinanzierung aufgewendet würden. Das Ziel: die Betreuungsverhältnisse zu verbessern und die Zahl der prüfungsaktiven Studierenden zu erhöhen. Eine Umsetzung des Pakets war für die Leistungsvereinbarungen 2019 bis 2021 geplant, die laut Universitätsgesetz bis Ende des Jahres zwischen Wissenschafts- und Finanzminister fixiert sein müssten. Ab dann sollte das Finanzierungssystem in Richtung Studienplatzfinanzierung umgestellt werden, was eine Ausweitung der Zugangsbeschränkungen mit sich gebracht hätte.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-28 18:12:08
Letzte nderung am 2017-06-28 22:15:06



Österreich hat gewählt

Hier finden Sie die Ergebnisse aus allen Bundesländern
Zu den Ergebnissen


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Rollentausch
  2. Explosion im Gaswerk Baumgarten
  3. Ist jedes Kind gleich viel wert?
  4. Republik will 9,8 Millionen von den Angeklagten
  5. Säureaustritt mit mehreren Schwerverletzten
Meistkommentiert
  1. Beschäftigungsbonus vor dem Aus?
  2. Strafende Bildungs(un)gerechtigkeit
  3. Es darf geraucht werden
  4. 12-Stunden-Tag wird kommen
  5. "Spender haben Ziel erreicht"


Werbung


Werbung