• vom 03.07.2017, 17:39 Uhr

Politik

Update: 03.07.2017, 18:07 Uhr

Arbeitsmarkt

Vom positiven Job-Trend profitieren Ältere nur wenig




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  • Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar erneut, doch sie wird auch in Segmenten immer manifester.

Am Montag startete die Aktion 20.000, um ältere Arbeitnehmer, die schon mehr als ein Jahr ohne Beschäftigung sind, wieder einen Job zu vermitteln.

Am Montag startete die Aktion 20.000, um ältere Arbeitnehmer, die schon mehr als ein Jahr ohne Beschäftigung sind, wieder einen Job zu vermitteln.© M. Hirsch Am Montag startete die Aktion 20.000, um ältere Arbeitnehmer, die schon mehr als ein Jahr ohne Beschäftigung sind, wieder einen Job zu vermitteln.© M. Hirsch

Wien. (sir) Die ersten der 20.000 hatten am Montag Dienstbeginn. Mit Juli ist in Österreich nicht nur der Beschäftigungsbonus angelaufen, der zusätzliche Jobs durch großzügige Lohnsubventionen schaffen soll, auch die Aktion 20.000 für Langzeitarbeitslose ist gestartet. Diese Maßnahme richtet sich an ältere Arbeitnehmer, die schon mehr als ein Jahr ohne Beschäftigung und für das Arbeitsmarktservice nur ganz schwer zu vermitteln sind.

In Linz, einer Modellregion, haben 77 Personen nach teilweise vielen Jahren des Wartens einen neuen Job begonnen. Die Palette reicht von Stellen in Pflegeheimen, bei denen die Wiedereinsteiger den Bewohnern vorlesen, über die Buchhaltung bis hin zu einer als Sachbearbeiterin eingestuften Frau, die in ihrer Jugend Kunstgeschichte studiert hat und nun im Stadtmuseum Nordico mitarbeitet. Das Gehalt wird zu 100 Prozent gestützt, wobei sich naturgemäß die öffentliche Hand direkte wie indirekte Kosten der Arbeitslosigkeit spart. Dass sämtliche Jobs dieser Aktion im kommunalen Bereich angesiedelt sind, soll einen gesellschaftlichen Mehrwert bringen.



In ihrer Vollversion wird die Aktion erst im Jänner ausgerollt, bis dahin wird in einigen Modellregionen getestet. In Wien findet dazu am 19. Juli im Rathaus eine eigene Messe statt, zu der 1700 ältere, langfristig Beschäftigungslose eingeladen wurden.


Dass genau diese Gruppe auf dem Arbeitsmarkt besonders benachteiligt ist, offenbaren auch die jüngsten Zahlen. Zwar ist die Arbeitslosigkeit im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat doch deutlich gesunken, konkret um 3,1 Prozent, bei den Arbeitnehmern über 50 war jedoch trotz dieses allgemeinen Trends ein Anstieg zu vermelden. Und zwar ein Plus von immerhin vier Prozent gegenüber Juni 2016.

Blickt man noch weiter zurück, wird dieses für den heimischen Arbeitsmarkt vergleichsweise neue Phänomen noch einmal deutlicher: Im Juni 2011, vor sechs Jahren, waren 46.500 Personen über 50 arbeitslos gemeldet. Heuer waren es im gleichen Monat doppelt so viele: 93.000. In einer anderen Altersgruppe, bei den unter 25-Jähringen, ist die Zahl der Beschäftigungslosen im selben Vergleichszeitraum nahezu unverändert geblieben.

Das hat natürlich in erster Linie demografische Gründe. So ist das durchschnittliche Alter der Beschäftigten durchaus im Gleichklang mit der Gesamtbevölkerung seit 2011 um 1,3 Jahre auf 40,07 Jahre gestiegen. Das Durchschnittsalter der Arbeitslosen aber in diesem Zeitraum sogar um 2,3 Jahre auf 40,89 Jahre.

Seit 2011 ist auch politisch viel passiert. Der Zugang zur Früh- sowie der Invaliditätspension wurde erschwert, die Menschen bleiben somit länger auf dem Arbeitsmarkt.

Dazu kommt, dass sich der Arbeitsmarkt in Österreich noch weiter dynamisiert hat - auch durch dessen Öffnung in Richtung Ost- und Südosteuropa. Der Konkurrenzdruck steigt, Zuwanderer aus dem EU-Ausland sind auch im Durchschnitt jünger.

Schon vor einigen Jahren hat die damalige Regierung Maßnahmen getroffen, um ältere Arbeitnehmer speziell zu fördern, doch wie Johannes Kopf, Vorstand des AMS, im ORF-"Mittagsjournal" erklärte, hilft die Eingliederungshilfe nur bedingt. Heuer konnte das AMS mit dieser Förderung immerhin 18.000 wieder in Beschäftigung bringen, doch sind dies vor allem ältere Arbeitskräfte, die nur kurz arbeitslos waren. Wer zwei oder drei Jahre ohne Beschäftigung ist, kommt auch mit der Eingliederungshilfe kaum unter. Für diese Gruppe wurde die Aktion 20.000 erdacht, auch wenn die Zahl der Langzeitarbeitslosen nicht nur im Alterssegment der 50-Plus zunimmt, sondern eine generelle Entwicklung markiert.

Kopf erwartet, dass durch die Aktion 20.000 sowie den Beschäftigungsbonus die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Monaten noch deutlicher zurückgeht. Dazu kommt, dass sich die konjunkturelle Situation in Österreich signifikant verbessert hat. Für dieses Jahr hat das Wifo ein Wachstum von 2,4 Prozent errechnet, das IHS liegt mit 2,0 Prozent knapp darunter. Laut Wifo-Experte Marcus Scheiblecker stünden die Zeichen gut, dass sich die Wirtschaft weiter beschleunigt und der Aufschwung länger anhält. Und das wären auch gute Nachrichten für den Arbeitsmarkt.




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Dokument erstellt am 2017-07-03 17:45:06
Letzte nderung am 2017-07-03 18:07:54



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