• vom 27.07.2017, 17:12 Uhr

Politik

Update: 27.07.2017, 17:34 Uhr

Bericht des Innenministeriums

Schlepperei boomt weiter




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  • Schlepperbericht des Innenministeriums: auch künftig hoher Zustrom zu erwarten.


© apa/dpa/Matthias Balk © apa/dpa/Matthias Balk

Wien. Nach der Migrationswelle 2015 und der Schließung der Westbalkanroute ist die Zahl der nach Österreich geschleppten Personen und der Schlepper 2016 zurückgegangen. Das geht aus dem am Donnerstag vom Innenministerium vorgelegten Schlepperbericht hervor. Dennoch liegen die Zahlen deutlich über jenen von 2014. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 50.848 Personen aufgegriffen - ein Rückgang von 46 Prozent gegenüber 2015 (94.262).

Zum längerfristigen Vergleich: 2014 wurden 34.070 Menschen aufgegriffen, die unberechtigt nach Österreich eingereist waren oder sich hier unberechtigt aufhielten. 2008 waren es 15.367.

27.850 der 2016 aufgegriffenen Personen waren mit Schleppern über die Grenze gekommen (2014: 20.768, 2015: 72.179), 22.749 reisten selbständig illegal ein oder hielten sich in Österreich illegal auf. Die Zahl der Schlepper sank von 1108 im Jahr 2015 auf 249 im vergangenen Jahr. 2014 waren 511 Schlepper identifiziert worden.

Schwerpunktkontrollen zeigen Wirkung

Innenminister Wolfgang Sobotka kündigte indes weitere Schwerpunktaktionen an. "Wir sehen ganz deutlich, dass die Schwerpunktkontrollen im grenznahen Bereich Wirkung zeigen", sagte Sobotka. Man wolle den Kontrolldruck entsprechend erhöhen. Grenzüberschreitende Ermittlungen und der Aufbau einer internationalen Ermittlungseinheit standen zuletzt im Mittelpunkt der kriminalpolizeilichen Arbeit.

Gut drei Viertel der aufgegriffenen, geschleppten Personen waren 2016 Männer, von denen wiederum 40 Prozent zwischen 19 und 30 Jahre alt waren. Neun Prozent waren bis sieben Jahre alt. Die Schlepper waren fast ausschließlich Männer (93 Prozent). Die meisten von ihnen - fast zwei Drittel - stammten aus Rumänien oder aus Ungarn. Auch serbische und pakistanische Schlepper wurden aufgegriffen.

Die meisten geschleppten Personen kamen bisher aus Afghanistan, Syrien, Pakistan und dem Irak. Bereits seit Mitte 2016 verzeichnen die Behörden allerdings einen starken Anstieg verschiedener afrikanischer Nationen wie etwa Gambia oder Nigeria. Die meisten Aufgriffe gab es im vergangenen Jahr in den Bezirken Baden (6475) und Neusiedl am See (5502), gefolgt vom Stadtpolizeikommando Kufstein, dem Bezirk Innsbruck-Land, dem Stadtpolizeikommando Salzburg sowie im Bereich der Landespolizeidirektion Wien in den Bezirken Favoriten und Josefstadt. Die meisten Grenzübertritte erfolgten aus Ungarn (11.122), Italien (9384) und Slowenien (4457). Für 2017 ist Migration aus Afghanistan auf hohem Niveau zu erwarten. Sollte sich die Situation im Irak, aber insbesondere in Syrien nicht deutlich verbessern, müsse man von einem gleichbleibend hohen Niveau des Zustroms ausgehen, ebenso aus Libyen.

Mittelmeerroute rückt in den Vordergrund

Für die Schlepperkriminalität in Österreich sind die Westbalkanroute und die zentrale Mittelmeerroute von wesentlicher Bedeutung. Laut den Analysen der Entwicklung bis zum Halbjahr 2017 rückt Letztere verstärkt in den Vordergrund. Derzeit würden mehr als eine Million Menschen in Libyen auf ihre Überfahrt nach Europa warten. Der "failed state" wirke "wie ein Magnet" für viele Migranten aus dem zentralafrikanischen Raum, heißt es im Bericht. Die Westbalkanroute wird vor allem von Menschen aus Afghanistan, Pakistan und Syrien genutzt. Sie führt von Pakistan und Afghanistan durch den Iran in die Türkei, weiter über Bulgarien. Über die zentrale Mittelmeerroute laufen vor allem Schleppungen von Menschen aus Gambia, Nigeria, Somalia und Eritrea.

Im Mai 2016 wurde, nicht zuletzt als Reaktion auf das Flüchtlingsdrama bei Parndorf mit 71 Toten, das "Joint Operational Office against Human Smuggling Networks" (JOO) im Bundeskriminalamt gegründet. Die Einrichtung versteht sich als verlängerter Arm von Europol und war 2016 an zahlreichen internationalen Ermittlungsverfahren beteiligt. Bei der Operation "Lungo/Nockel" etwa wurden Erhebungen gegen eine syrisch-irakische Organisation geführt, die Schleppungen von syrischen, irakischen und türkischen Staatsangehörigen nach Österreich und Deutschland organisierte. Allein in Österreich wurden neun Hausdurchsuchungen durchgeführt und neun Schlepper festgenommen. Insgesamt wurden 63 Verdächtige identifiziert.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-27 17:18:06
Letzte nderung am 2017-07-27 17:34:53



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