• vom 31.07.2017, 10:33 Uhr

Politik

Update: 01.08.2017, 09:25 Uhr

Jungpolitiker

Wie der politische Nachwuchs tickt




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Von Jana Petrik

  • Warum gehen junge Menschen in die Politik? Jungpolitiker der fünf größten Parteien sprechen über den Weg in die Politik.

Fünf Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker im Porträt: Christoph Wiederkehr (Neos), Elisabeth Olischar (ÖVP), Marina Hanke (SPÖ), Maximilian Krauss (FPÖ) und Julian Schmid (Die Grünen) - v.l.n.r. - © Diva Shukoor

Fünf Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker im Porträt: Christoph Wiederkehr (Neos), Elisabeth Olischar (ÖVP), Marina Hanke (SPÖ), Maximilian Krauss (FPÖ) und Julian Schmid (Die Grünen) - v.l.n.r. © Diva Shukoor

Wien. Wie kommen junge Menschen eigentlich in die Politik? Manchmal ist es der Bekannte, der einen in die Partei einführt, wie bei der ÖVP-Planungssprecherin Elisabeth Olischar. Oder ein persönliches Gespräch, wie es FPÖ-Bildungssprecher Maximilian Krauss mit Heinz Christian Strache geführt hat. Doch auch Protest-Aktionen können in die Politik führen - so wie es beim Grünen Nationalratsabgeordneten Julian Schmid der Fall war.

Der Weg in die Politik kann sehr unterschiedlich sein. Trotzdem scheint es Parallelen auf der politischen Karriereleiter zu geben – zumindest, wenn man den fünf Jungpolitikern Glauben schenkt, die sich mit der "Wiener Zeitung" zum Gespräch getroffen haben. Meist wurde der Grundstein für die politische Zukunft im jeweiligen Elternhaus gelegt, wo über aktuelle Themen diskutiert wurde.

Beim Wiener FPÖ-Gemeinderat Maximilian Krauss sorgte vor allem die Sozial- und Krankenpolitik für Streitereien in der Familie. SPÖ-Gemeinderätin Marina Hanke erzählt: "Ich habe in meiner Familie gelernt, politisch zu argumentieren und zu diskutieren."

 

Und auch beim Wiener Landtagsabgeordneten Christoph Wiederkehr von den Neos sind die Eltern nicht völlig unschuldig: Er ist in einem konservativ katholischen Elternhaus groß geworden. Vieles habe er kritisiert und mit seinen Eltern und Lehrern diskutiert. Als überzeugter Liberaler und mittlerweile Atheist habe er oft angeeckt – auch in der katholischen Schule, die er besuchte.

Genauso ist er Kritiker des Proporzsystems von Rot und Schwarz. Diese von ihm empfundene Ungerechtigkeit brachte bei Wiederkehr das Fass zum Überlaufen. Für ihn stand fest: Er geht zu den Neos. Doch nicht jeder ist so überzeugt wie der 27-Jährige. Viele Neos-Neueinsteiger befürchten Nachteile bezüglich der Karriere mit einem pinken und nicht roten oder schwarzen Parteibuch. Dies sieht er anders: "Hey, Österreich ist im Umbruch. Dieses Zwei-Parteien-System wird sich nicht mehr ewig halten. Es bröckelt überall."

Das große Angebot an Parteien und Listen, die am 15. Oktober bei der Nationalratswahl antreten werden, könnte die beiden früheren Großparteien endgültig zu Gleichen unter Gleichen machen. Allerdings könnte es genauso gut kommen, dass der zugespitzte Wahlkampf im Duell von SPÖ-Chef Bundeskanzler Christian Kern und ÖVP-Obmann Außenminister Sebastian Kurz für die Neos zum Überlebenskampf wird. Wiederkehr hofft natürlich, dass die Neos für konservative Wähler das bessere Angebot darstellen. Seine Sicht auf die ÖVP? "Ich habe bei der ÖVP bis heute das Problem, dass ich kein klares Profil sehe, außer Machtanspruch."

Koalitionswünsche

Trotz der Kritik nennt der Neos-Landtagsabgeordnete auf die Frage nach seiner Koalitionspräferenz Schwarz-Grün-Pink. Für die ÖVP hat er dafür noch eine Koalitionsbedingung in petto: "Bei Themen wie der Homo-Ehe müsste man der ÖVP noch einen Stoß geben." Ob dieser von Wiederkehr genannte "Stoß" an der Haltung seines potentiellen Koalitionspartners etwas ändern wird, ist mehr als fraglich.

Die Frage, wie ÖVP-Jungpolitikerin Elisabeth Olischar persönlich zu der gleichgeschlechtlichen Ehe steht, will sie nicht beantworten. Sehr offen hingegen erzählt die 29-Jährige, die Wiener Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin ist, von ihrem Hobby, dem Jagen. Noch sei sie in der Minderheit, doch erfährt die Jagd bei Frauen momentan starken Zuspruch. Sogar Freundinnen fragen sie schon um "Jagd-Dates".

 

Genauso wie Maximilian Krauss von der FPÖ und Julian Schmid von den Grünen möchte auch die studierte Landschaftsplanerin Olischar nichts über mögliche Koalitionen für die neue Legislaturperiode sagen. Man müsse abwarten und auf ein möglichst starkes Ergebnis hoffen. Außerdem seien die Überlegungen bezüglich möglicher Koalitionen nicht ihr Aufgabenbereich.

Was hingegen definitiv bald zu ihrem Aufgabenbereich zählen wird, ist der Rathausklub der ÖVP. Denn die 29-Jährige gilt als eine Zukunftshoffnung der Partei. Sie soll Mitte 2018 Ex-Stadtparteichef Manfred Juraczka an der Spitze des Rathausklubs ablösen.

Zur Fotostrecke der porträtierten Jungpolitiker

Der Vorwurf an die Großparteien, der Jugend zu wenig Mitsprache einzuräumen, lässt Olischar für die ÖVP nicht gelten. Dies sei nicht vom Alter, sondern vom Willen und Engagement der Jungen abhängig. Zudem habe Sebastian Kurz in der Volkspartei einige Umstrukturierungen vorgenommen und dadurch die Partei für Junge mehr geöffnet.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-07-31 10:38:06
Letzte nderung am 2017-08-01 09:25:07




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