• vom 09.08.2017, 18:11 Uhr

Politik

Update: 10.08.2017, 06:51 Uhr

Todesfall

Staatsanwalt ermittelt




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  • Verteidigungsminister Doskozil fordert "lückenlose Aufklärung".

Berüchtigt: Die Garde-Kaserne in Horn ist wegen der dortigen Ausbildungsmethoden bei Rekruten gefürchtet. - © apa/Herbert Pfarrhofer

Berüchtigt: Die Garde-Kaserne in Horn ist wegen der dortigen Ausbildungsmethoden bei Rekruten gefürchtet. © apa/Herbert Pfarrhofer

Wien. Im Falle des am Donnerstag vergangener Woche während eines Übungsmarschs nahe Horn in Niederösterreich verstorbenen Rekruten gibt es neue Entwicklungen. Wie berichtet, war der 19-Jährige, den seine Kameraden laut einem Interview der Stadtzeitung "Falter" als "sportlich" beschreiben, während eines Marsches bei Temperaturen von über 35 Grad zuerst zusammengebrochen und danach verstorben. Ein am Dienstag von der Staatsanwaltschaft Krems veröffentlichtes, erstes Obduktionsergebnis ergab Herzstillstand aufgrund von Überhitzung als Todesursache. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Krems: und zwar wegen Verdachtes auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Umständen.

Derzeit noch gegen unbekannt, wie es am Mittwoch hieß. Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil wehrt sich gegen "Vorverurteilungen" und verspricht "transparente und lückenlose Aufklärung". Man müsse die Ausbildungsmethoden auch "systemisch hinterfragen", sagte Doskozil im Ö1-"Mittagsjournal" am Mittwoch. Unter der Leitung des Salzburger Landesgerichtshofspräsidenten und Reserveoffiziers Franz Rathgeb arbeitet eine Untersuchungskommission an der Aufklärung des Falles, die Kameraden des verstorbenen jungen Mannes und dessen Gruppenführer wurden bereits befragt. Eine Sonderkommission soll zudem die Ausbildungsvorschriften und -praktiken des Bundesheers untersuchen.

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Unklarer Hergang
Zu klären wird wohl vor allem die Frage sein, ob der Tod des Rekruten vermeidbar gewesen wäre. Die zurzeit vorliegenden Darstellungen des Heers und Berichte von Augenzeugen vor Ort gehen nämlich erheblich auseinander. In einer ersten Meldung am Tag nach dem Vorfall war keine Rede davon, dass der junge Mann während des Marsches zusammengebrochen sei. Er habe über Schwindel geklagt, daraufhin seien "Erste-Hilfe-Maßnahmen" ergriffen und der Rekrut in die Kaserne gebracht worden, wo er von Sanitätern und kurz darauf vom Notarzt betreut worden sei. Verstorben sei er im Krankenhaus Horn.

Auch in einer Pressekonferenz am Dienstagabend blieb das Bundesheer bei der Aussage: Der junge Mann sei nicht während des Marsches zusammengebrochen. Und: Der betreuende Arzt habe den Verdacht einer bakteriellen Infektion gehabt. In einem Interview im "Falter" spricht der Vater eines Rekruten der Garde in Horn, der mit dem Verstorbenen bekannt war. Dessen Kameraden waren beim Marsch dabei. Was die Soldaten erzählen, klingt gänzlich anders: Der junge Mann sei sehr wohl während des Marsches zusammengebrochen, daraufhin hätte ihn ein Vorgesetzter in eine Wiese gelegt. Man habe dem Zusammengebrochenen Wasser ins Gesicht geschüttet. Er sei bereits völlig verwirrt und "kaum noch bei Bewusstsein" gewesen. "Warum spuckst du mich an?", habe der Rekrut gefragt. Statt die Rettung zu verständigen, habe ihn ein Lastwagen in die Kaserne gebracht. Schon der Notarzt habe ihn dann "nicht mehr reanimieren" können. Schon am Tag zuvor hätten die Rekruten bei ärgster Hitze "robben und laufen" müssen, 20 sollen bei der Übung zusammengebrochen sein. Das Bundesheer spricht von anderen, zurückliegenden Vorfällen. Laut Vorschriften muss gesundheitlichen Beschwerden von Rekruten Folge geleistet werden.

Die Grünen haben eine parlamentarische Anfrage an Doskozil angekündigt. Am Mittwoch kondolierte Bundespräsident Alexander Van der Bellen als Oberbefehlshaber des Bundesheeres den Angehörigen, forderte ebenfalls Aufklärung und übte Kritik an den Ausbildungsmethoden.




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Dokument erstellt am 2017-08-09 18:15:07
Letzte nderung am 2017-08-10 06:51:34



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