• vom 22.08.2017, 17:54 Uhr

Politik


Sektenbericht

Vom "Staate Burgenland" und "spirituellen Meistern"




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  • "Freeman" bilden Schwerpunkt des Sektenberichts 2015. Generell zersplittert demnach die religiöse und weltanschauliche Szene zunehmend.

Wien. (dab) Herr X. hat mehr als 150.000 Euro Schulden. Bald schon könnte sein Haus gepfändet werden. Er wird auf die Idee des "Staates Burgenland" aufmerksam. Dieser wurde von Menschen ausgerufen, die Banken als Teil einer weltumfassenden Verschwörung sehen. Der Staat Österreich existiert für sie nicht. Deshalb müsse man seine Schulden auch nicht bezahlen.

X. ist begeistert. Er schickt an seine Heimatgemeinde und andere Behörden eine Austrittserklärung. Als Bürger des neuen "Staates Burgenlands" werde er als "Souveräner Mensch" schon neue Dokumente erhalten. Fanatisch wirkend, wirbt er in seiner Familie für seine Ideen. Der Bruder von X. will seine Kinder vor dessen Verschwörungstheorien und aggressiven Anwerbungen schützen. Er überlegt, ob er den Kontakt zu X. abbrechen soll.


Die Geschichte von X. ist ein Fallbeispiel im gestern veröffentlichten Sektenbericht 2015. Der diesjährige Bericht der Bundesstelle für Sektenfragen beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der sogenannten "Freeman"-Bewegung. Sie umfasst Gruppen wie die Staatsverweigerer oder Reichsbürger. Im Sommer 2014 waren die Behörden erstmals mit diesem Phänomen konfrontiert. Damals hielten Anhänger des "One People’s Public Trust" im niederösterreichischen Hollenbach ein "Gerichtsverfahren" gegen eine Sachwalterin ab.

In dieser Szene gebe es eine Vielfalt von Themen und Verschwörungstheorien, heißt es in dem Bericht. Einig seien sich die Gruppen aber, dass das "herkömmliche wirtschaftliche und politische System korrupt und grundlegend falsch" sei und "seine Legitimität verloren" habe.

Strafrechtlich will man diesen Bewegungen künftig mit dem neuen Tatbestand der "Staatsfeindlichen Bewegungen" beikommen. Er tritt mit 1. September 2017 in Kraft. Einige Szenenmitglieder wurden bereits nach herkömmlichen Tatbeständen verurteilt. Laut Berichten sollen die Aktivitäten dieser Gruppen seitdem etwas abgenommen haben. "Wir sehen erste Personen, die realisieren, dass das vielleicht gar keine so gute Idee war. Es ist noch zu früh zu sagen, ob eine generelle Trendumkehr eingeleitet ist", meinte dazu jüngst Peter Gridling, Direktor des Verfassungsschutzes, zur "Wiener Zeitung".

Kleinere Organisationen
Der Sektenbericht beschäftigt sich neben den "Freeman" etwa auch mit Wunderheilern und Gurus. Ein weiteres Fallbeispiel handelt von einer Anhängerin des "spirituellen Meisters" Y. Die Ex-Ärztin reist mit ihm durch Europa. Bei Vorträgen sitzt sie zu Füßen von Y. und wird von ihm gestreichelt. Ihre Familie ist besorgt: Die Frau verwahrlose zunehmend, sei psychisch verwirrt und wolle keine Hilfe annehmen. Eine mögliche Behandlung der Frau wird durch Y. erschwert: Er hat eine ablehnende Haltung zur Medizin und Psychiatrie.

2015 wandten sich insgesamt 978 Menschen an die Bundesstelle für Sektenanfragen, die dem Familienministerium unterstellt ist. Generell hält der Bericht fest, dass sich die weltanschauliche und religiöse Szene in kleinere Organisationen und Bewegungen zersplittere. Dieser Trend sei seit einigen Jahren zu beobachten.




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Dokument erstellt am 2017-08-22 18:00:03



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