• vom 27.09.2017, 16:26 Uhr

Politik

Update: 28.09.2017, 11:00 Uhr

Volksanwaltschaft

Schauspiel-Training für Menschenrechte




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Die Teilnehmer des Workshops am Montag sind mittlerweile zur Feedback-Runde übergegangen. Eine scheinbar völlig geheilte Patientin mit lässig aufgeknöpfter Weste - die Schauspielerin, die nun keine Rolle mehr spielt - gibt professionell wieder, wie sie sich bei den einzelnen Fragen aus Sicht der Patientin gefühlt hat. Dass sie ihr Problem mit den ständig wechselnden Ärzten schildern konnte, sei ihr ein Anliegen gewesen -dass sie jemand detailliert nach ihrem Tagesablauf gefragt hätte, der in seiner strengen Strukturiertheit eine Belastung für sie darstelle, habe sie jedoch vermisst. Grundsätzlich habe sie sich eine Frau und nicht zwei Männer als Gegenüber gewünscht.

In der Praxis achte man meist im Vorhinein auf gleichgeschlechtliche Gesprächspartner, sagt die Psychiaterin Gabriele Fischer von der Universität Wien, die eine der österreichischen Kommissionen leitet. Beim Workshop begleitet sie eine Gruppe durch die Trainings. Was den Wechsel von Ärzten betreffe, verstoße das gegen Menschenrechtsstandards, falls die fehlende Kontinuität die Patientin belaste. Diese habe auch ein Recht darauf, das Zimmer nicht mit einer unruhigen Person teilen zu müssen.

Im Laufe des Montagnachmittags werden noch weitere Situationen trainiert - unter anderem mit einem traumatisierten Gefängnisinsassen, der ebenfalls ein Schauspieler ist. Dieser geht kaum auf die Fragen von Antonia Kyriakidou von der zypriotischen Ombudsstelle ein, sondern stellt kontinuierlich die Frage: "Wie können Sie mir helfen?" Fixpunkte eines Gesprächs mit Betroffenen in den Einrichtungen seien, seine Funktion und seine Möglichkeiten von Anfang an klarzustellen, sagt dazu Fischer. Freilich müsse man die Bedürfnisse erkennen - gleichzeitig aber die persönliche Distanz wahren.

Livestream zu Ex-Häftlingen
Am Dienstag sind die Teilnehmer beim Besuch zweier Kommissionsmitglieder in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Wien und beim Verein Neustart dabei, wo zwei ehemalige Häftlinge befragt werden. Allerdings nur per Livestream, um das "Do-no-harm"-Prinzip (keinerlei Schaden verursachen) zu wahren und die Besuchten nicht mit einer größeren Delegation zu stören, wie Kräuter sagt.

Die Technik dahinter stamme von den IT-Unternehmen Cisco und X-tension, so Kräuter, die das System eigentlich für ein leukämiekrankes Kind entwickelt hätten, das die Schule nicht besuchen konnte. Via Livestream nahm es dadurch am Unterricht teil. Beim Workshop sitzen die Teilnehmer nun vor dem Bildschirm in der Volksanwaltschaft, können aber - mit Simultanübersetzern - Fragen an die Kommissionsmitglieder in den Einrichtungen stellen.

Am Mittwoch geht das Treffen mit finalen Diskussionen zu Ende. Im nächsten Jahr ist ein Training in Skandinavien geplant.

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Dokument erstellt am 2017-09-27 16:30:07
Letzte nderung am 2017-09-28 11:00:09



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