• vom 22.11.2017, 18:32 Uhr

Politik

Update: 23.11.2017, 12:30 Uhr

Hitlergruß bei Siegerehrung

Der Rechtsradler




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Von Werner Reisinger

  • Ein Senior-Radrennfahrer hebt bei einer Siegerehrung die Hand zum Hitlergruß.

"Unmissverständlich": links die Siegerehrung in Mondsee, rechts der selbe Radler 2012. - © WZ-screenshot Union UGB Woergl

"Unmissverständlich": links die Siegerehrung in Mondsee, rechts der selbe Radler 2012. © WZ-screenshot Union UGB Woergl

Wien/Wels. Der Vorfall schaffte es binnen kurzer Zeit auch in die internationalen Medien: Am vergangenen Nationalfeiertag fand im oberösterreichischen Mondsee die Siegerehrung der diesjährigen "Austria Top Tour" statt, ein Radrenn-Sammelbewerb, bei dem einzelne Radwettbewerbe in ganz Österreich gewertet werden. In der Gruppe der Männer über 75 gewann ein begeisterter Senior, der Tiroler Johann U. Dessen Siegerehrung aber sorgte beim Publikum für Fassungslosigkeit: Nachdem er den Preis entgegengenommen hatte, soll U. ungeniert und "unmissverständlich" die Hand zum Hitlergruß erhoben haben. Damit nicht genug, denn der anwesende Moderator soll die Geste des Radlers Zeugen zufolge sogar in Schutz genommen haben, anstatt sich vom Vorfall zu distanzieren.

Die einschlägige Geste des Seniorsportlers und das kolportierte Verhalten des Moderators ist für den Wiener Anwalt Bernhard Kopeinig nicht hinnehmbar. Zusammen mit dem als Ehrengast geladenen Mondseer Bürgermeister Karl Feurhuber war Kopeinig Zeuge des Vorfalls. Er hat nun bei der Welser Staatsanwaltschaft Anzeige gegen beide Beschuldigten eingebracht - wegen mutmaßlicher NS-Wiederbetätigung. Der "Wiener Zeitung" liegen die entsprechenden Schreiben vor, ebenso wie ein Video, das Kopeinig gegen Ende der Siegerehrung aufgenommen hat. Was darin zu lesen und zu sehen ist, belastet sowohl den Senior-Champignon als auch den Moderator schwer.

In einer Aussendung stellt Letzterer sein Verhalten nämlich ganz anders dar, als dies besagte Zeugen schildern. Er habe den Vorfall gar nicht "live gesehen", ist darin zu lesen. Erst durch die Unruhe im Saal und Zwischenrufe sei er aufmerksam geworden, dass etwas vorgefallen war, was genau, sei ihm aber erst nach dem Ende der Moderation geschildert worden. Er habe versucht, die "brodelnde Stimmung im Saal zu beruhigen" und habe dem Publikum erklärt, dass der Vorfall im Anschluss aufgeklärt werde. Der Moderator sieht sich als "Sündenbock" für den Eklat. Das sehen die Zeugen anders.

"Legitime Meinungsäußerung"

Gemeinsam mit dem Veranstalter habe er sich am Ende der Veranstaltung auf der Bühne deutlich vom Vorfall distanziert, behauptet der Moderator weiter. Just diesen Zeitraum aber hat Anwalt Kopeinig mit dem Handy dokumentiert. Zu sehen ist jedoch nur der Veranstalter, der sich deutlich hörbar vom Vorfall distanziert. Der Moderator räumt indes im Hintergrund auf und rollt Kabel zusammen. Von seiner behaupteten Distanzierung ist nichts zu sehen oder zu hören. Der Moderator habe "in einer ausführlichen Rede" die Geste des Siegers U. "nicht nur gerechtfertigt, sondern auch gutgeheißen", ist in der vorliegenden Anzeige zu lesen. Auch habe es keine "brodelnde Stimmung" oder "Zwischenrufe" gegeben. Im Gegenteil, die Anwesenden seien vom Hitlergruß des Siegers so schockiert gewesen, dass Stille im Saal geherrscht habe. Der einzige Zwischenruf sei von Kopeinig selbst gekommen, "abgesehen davon gab es keinen einzigen Zwischen- oder Buh-Ruf".




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Dokument erstellt am 2017-11-22 18:35:06
Letzte nderung am 2017-11-23 12:30:08



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