• vom 11.01.2018, 16:57 Uhr

Politik

Update: 11.01.2018, 17:13 Uhr

Grazer Flüchtlingsstudie

"Man muss ein Abgleiten an den Rand verhindern"




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  • Studie von Ednan Aslan über muslimische Flüchtlinge in Graz: Junge Männer dominieren, Mehrheit gehört dem schiitischen Islam an.

Flüchtlinge am Grazer Hauptbahnhof im Oktober 2015. - © APAweb, Erwin Scheriau

Flüchtlinge am Grazer Hauptbahnhof im Oktober 2015. © APAweb, Erwin Scheriau

Graz. Die Flüchtlingsankünfte in den vergangenen Jahren dürften sich nach Einschätzung des Islamforschers Ednan Aslan auf die Grazer islamische Gemeinde auswirken: Er hat in einer Studie im Auftrag der Stadt Graz erhoben, dass überwiegend Schiiten in die steirische Landeshauptstadt zugezogen sind. Früher war Graz mehrheitlich sunnitisch. Deshalb dürften in den kommenden Jahren auch mehr schiitische Moscheen entstehen. In Wien, wo mehr Menschen aus Syrien seien, überwiege der weniger religiös geprägte sunnitische Islam, in Graz seien sehr viele Menschen aus Afghanistan, die dem religiöseren schiitischen zugehören.

Die Studie wurde mittels Fragebögen und mündlicher Befragung von September 2016 bis Ende Juni 2017 mit 288 Menschen aus elf Flüchtlingsunterkünften und einer Sprachschule für Flüchtlinge durchgeführt. Repräsentativ ist die Studie nicht.


Laut dem Experten der Universität Wien, der mit seiner Studie über Wiener Islam-Kindergärten heftige Kritik ausgelöst hatte, dominieren unter den Grazer muslimischen Flüchtlingen junge Männer. 11,1 Prozent der Flüchtlinge haben keinen Schulabschluss, 35,8 Prozent dagegen verfügen zumindest über einen Volksschulabschluss. 25,6 Prozent können eine Matura oder noch höheres Bildungsniveau vorweisen. 30,1 Prozent der befragten Flüchtlinge waren in ihren Heimatländern berufstätig.

Junge Flüchtlinge finden
rasch den Weg in eine Moschee

Aslan betonte in einer Pressekonferenz am Donnerstag, dass es für die Stadt Graz nötig sein werde, die bestehenden und vor allem neu entstehenden religiös geprägten Organisationen in der Stadt zu begleiten, damit diese die Integrationsmaßnahmen nicht untergraben, sondern unterstützen. "Man muss ein Abgleiten an den Rand der Gesellschaft verhindern", denn die Gefahr bestehe, sagte er.

Interessant sei, dass viele der Flüchtlinge relativ rasch ihre Wege in Moscheen in Graz gefunden hätten: 69,4 Prozent gaben an, dass sie ihr Freitagsgebet in einer Moschee verrichten - besonders die jüngeren Flüchtlinge. Die religiösen Pflichten nehmen aber muslimische Frauen offenbar ernster, so Aslan, denn 62,6 Prozent schilderten bei den Befragungen, dass sie die Pflichtgebete regelmäßig fünf Mal am Tagen halten, während nur 39,7 Prozent der Männer dies tun würden.

66,3 Prozent der Frauen legen Wert auf das Tragen eines Kopftuches in der Öffentlichkeit und 44,3 Prozent der befragten Frauen waren dagegen, Männern zur Begrüßung die Hand zu geben. Auffallend sei dabei die Unsicherheit der Frauen gewesen, denn etwa die Hälfte von ihnen wollte dazu keine Antwort geben, schilderte Aslan. 76,0 Prozent fanden, dass Demokratie die ideale Regierungsform sei, wenngleich 44,5 Prozent den "Sitten- und Werteverfall in den westlichen Gesellschaften" beklagten.

Die Ergebnisse der Studie sollen Grundlage für die künftige Integrationsarbeit der Stadt sein.

Die komplette Studie ist auf der Website der Stadt Graz einsehbar. Laut dem Sozialreport der Landesregierung lebten zum Stichtag 30. Juni 2017 exakt 3927 Flüchtlinge in Graz und Umgebung.




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Dokument erstellt am 2018-01-11 17:03:06
Letzte nderung am 2018-01-11 17:13:19




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