• vom 07.11.2012, 17:46 Uhr

Politik

Update: 07.11.2012, 21:58 Uhr

Ökonomin Michalitsch über Aufgaben der Erwachsenenbildung

"Entmündigung durch Experten"




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Darin, dass es sehr wohl alternative wirtschaftliche Theorien gibt, Erwachsenenbildung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen sollte, sind sich Vater und Michalitsch einig. Die erste Gelegenheit dazu gibt es beim heute startenden Kongress (siehe Wissen). Als Ausgangspunkt der Tagung fungiert die Wirtschaftskrise: "Griechenland ist in dem Sinn das Beispiel, das uns alle bedroht, wenn wir unsere Politik nicht auf andere Grundlagen stellen", sagt Michalitsch. Ihrer Ansicht nach müsse man sich der Frage stellen, ob Wirtschaft dem Profit oder der Versorgung der Menschen dienen solle.

"Politische Strategie der Ausschließung"
Nicht zuletzt fällt der Sparzwang in der Erwachsenenbildung via höhere VHS-Kursgebühren auf die Teilnehmer zurück - dadurch werde der Zugang für sogenannte bildungsferne Schichten erhöht, kritisiert Michalitsch. Sie sieht darin eine "politische Strategie der Ausschließung" und "ein klares Produkt neoliberaler Politik." Die ursprüngliche Forderung der VHS der "Bildung für alle" ist damit ferner denn je: Der Großteil der Kursteilnehmer entstammt der Mittelschicht, Arbeiter und Menschen mit Migrationshintergrund sind stark unterrepräsentiert.

Wissen

Erwachsenenbildung in Österreich gibt es seit mehr als 150 Jahren, die Volkshochschulen (VHS ) als ihr wichtigster Bestandteil sind in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts basisdemokratisch entstanden. In den 1920er und 1930er Jahren befanden sie sich in ihrer Blütezeit, bis 1934 durch das austrofaschistische System Vortragende aus dem Programm entfernt wurden beziehungsweise bis knapp vor dem "Anschluss" 1938. Einer der prominentesten Vortragenden war Albert Einstein; 1921 kam der Physiker auf Einladung der Wiener Urania - neben Volksbildungsverein und VHS Ottakring eine der zentralsten VHS - nach Wien. Er dozierte im Wiener Konzerthaus vor über 3000 Zuhörern über die allgemeine und spezielle Relativitätstheorie.

Heute gibt es in Österreich 270 VHS, jährlich werden rund 47.000 Kurse angeboten, die von knapp einer halben Million Menschen besucht werden (ohne Vorträge). 75 Prozent der Teilnehmer sind Frauen. Fast 42 Prozent der Kurse entfallen auf den Bereich Sport und Bewegung, 25 Prozent auf Sprachen. Kurse im Bereich Politik, Gesellschaft und Kultur machen nur sechs Prozent des Angebots aus, je wirtschaftlich "verwertbarer" der Kurs, desto höher der Männer-Anteil unter den Besuchern. .

Die internationale Tagung "Mit Bildung ist zu rechnen" ist öffentlich zugänglich und findet am Donnerstag und Freitag bei freiem Eintritt in der Urania (Uraniastraße 1, 1010 Wien) statt. Gabriele Michalitsch, Politikwissenschafterin und Ökonomin an der Universität Wien, hält heute um 14.45 Uhr ihren Vortrag "Wissen ist Macht: Wirtschaftspolitik und Post-Demokratie". www.vhs.at

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Dokument erstellt am 2012-11-07 17:53:06
Letzte Änderung am 2012-11-07 21:58:18



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