• Artikel vom 16.09.2011, 17:35 Uhr

Chronik

Update: 16.09.2011, 18:13 Uhr
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Das Geschäft mit dem Übersinnlichen


Von Christoph Rella
  • "Wunderheiler" faszinieren nach wie vor die Menschen.
  • Experte warnt vor Abhängigkeit.

Wien.

"Braco" schaut nur - und verdient gutes Geld.

"Braco" schaut nur - und verdient gutes Geld. "Braco" schaut nur - und verdient gutes Geld.

Er kam, sah und kassierte. Fünf Euro Eintritt mussten Gläubige am vergangenen Sonntag in Wien-Vösendorf zahlen, um den kroatischen "Wunderheiler" Braco hautnah erleben zu dürfen. Wer allerdings eine Predigt oder vielleicht ein Wunder erwartete, wurde enttäuscht: Der 43-Jährige, der in Deutschland lebt, redete während der zehn Minuten, in denen er sich den rund 2000 Fans zeigte, kein Wort. Vielmehr starrte Braco die Menge nur mit mildem Gesichtsausdruck an.

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Seinen Anhängern weitaus mehr Zeit widmet hingegen der australische Charismatiker Alan Ames. Bis zu eineinhalb Stunden können seine Vorträge, in denen er über sein Leben und seine Bekehrung durch Jesus Christus berichtet, dauern. Auch er ist derzeit in Österreich zu Gast und legt den Menschen die Hand auf - mit der Folge, dass dabei die Gläubigen das Bewusstsein verlieren. Anstatt eines Eintrittsentgelts bittet er lediglich um eine Spende. Um seine Missionsreisen zu finanzieren. Wie Braco plant auch Ames in den kommenden Monaten mehrere "Appearances" in den USA.

Seminare um 100 Euro
Lieber auf heimischem Boden aktiv bleiben die beiden "Heiler" Mario Mantese (Meister M.) und Samarpan Golden, die in der Schweiz und in Deutschland wirken. Im Gegensatz zu Braco und Ames verzichten die Männer aufs Herumreisen und laden stattdessen ihre Anhänger zu spirituellen Wochenenden nach München, Zürich oder sogar Korfu ein. Bezahlen müssen das freilich die Teilnehmer selbst.

Auch die dazugehörigen Darshan- oder Satsang-Seminare (ab 100 Euro), wo es vorrangig um die Suche nach der Wahrheit und das Erleben von Gemeinschaft geht. Die Rezepte, die dafür geboten werden, klingen in etwa so: "Schließe Frieden mit dem Menschsein." Und: "Du musst nichts rechtfertigen und nichts verstehen."

Kein Verständnis für die Praktiken der sogenannten "Wunderheiler" und Prediger hat der Wiener Theologe Josef Weismayer. "Ich bin äußerst skeptisch", sagt der auf spirituelle Theologie spezialisierte Universitätsprofessor der "Wiener Zeitung". Demnach sei gerade bei charismatischen Führungspersönlichkeiten, die für ihr Wirken Eintrittsgeld oder Seminargebühren verlangen, Vorsicht geboten. "Sonst besteht die Gefahr, dass diese Menschen in Abhängigkeit geraten und ihre Selbstbestimmung aufgeben", warnt er. Wie er sich die Begeisterung für Meister wie Braco oder Samarpan erklärt? "Die Menschen suchen letztendlich nach einem glücklichen Leben", sagt Weismayer. "Aber das geht nicht im Schnellverfahren, wie es diese Leute versprechen." Gott werde nicht durch aufwendige und teure Events, sondern nur durch das persönliche Gespräch und das Gebet erfahrbar, ist der Theologe sicher.




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Wunderheiler

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-09-16 17:42:24
Letzte Änderung am 2011-09-16 18:13:45


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