• Artikel vom 16.12.2011, 11:58 Uhr

Chronik

Update: 16.12.2011, 12:10 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Schlepperring ausgehoben

Pro Schleusung bis zu 9000 Euro kassiert


  • "Familienbetrieb" in Salzburg.
  • Österreich-Chef in Haag am Hausruck.
  • Akt bei Landesgericht Eisenstadt.

Salzburg. Insgesamt wurden in Deutschland, Rumänien, Spanien und Österreich 16 Bandenmitglieder festgenommen und weitere 35 Beteiligte wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Schlepperei und Beteiligung an einer kriminellen Organisation ("Mafia-Paragraf") angezeigt. Kopf der Bande war der 48-jährige Mehmet D., der bis in die 1990er Jahren im Raum Salzburg lebte, sich zuletzt illegal in Spanien aufhielt und von dort die Fäden zog.

Werbung

In der Türkei war eine fünfköpfige Gruppe zuständig für die Anwerbung von Menschen, die nach Europa gelangen wollten. Das waren hauptsächlich Kurden. Pro Schleusung wurden zwischen 5000 und 9000 Euro kassiert. "Am teuersten waren die Sicherheitsschleusungen, bei denen die Menschen mit gefälschten rumänischen Visa nach Rumänien geflogen wurden", so Voggenberger. In Bukarest oder Temesvar wurden sie von den Mitgliedern der rumänischen Zelle übernommen und kurzzeitig in "Bunkerwohnungen" oder billigen Hotels untergebracht, bis die Weiterreise organisiert wurde.

Bei günstiger Gelegenheit wurden die Schleusungswilligen dann von den örtlichen Schleppern in das rumänisch/ungarische Grenzgebiet gebracht, wo sie von den darauf spezialisierten Fußschleppern übernommen und über die "grüne Grenze" nach Ungarn geschleppt wurden. In Ungarn standen Abholfahrzeuge für die Weiterschleppung in die bevorzugten Zielländer bereit. Die meisten wurden laut Voggenberger nach Deutschland gebracht, etliche aber auch nach Österreich und Italien.

In Österreich war ein Mann in Haag am Hausruck (Bezirk Grieskichen) federführend tätig, so der Kriminalist. Er war die Verbindungsstelle zwischen den Straßenschleppern und dem Boss in Spanien. Für Organisation und finanzielle Abwicklung in Österreich waren - gleichsam einem Familienbetrieb - die Angehörigen des Banden-Chefs in Salzburg zuständig: Vater und Mutter, ein Schwager, vier Schwestern und ein Sohn.

Mehmet D. ist schon lange im Schlepperwesen tätig. Er wurde 1994 aus Österreich abgeschoben, seit 1995 besteht gegen ihn ein von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt ausgestellter Haftbefehl wegen Schlepperei. 1997 wurde er wegen Menschenhandels in Rumänien zu zwei Jahren Haft verurteilt, 2001 in Frankreich zu sechs Jahren, von denen er vier absaß.

Laut Voggenberger wechselte er im Lauf der Zeit immer wieder die Gruppierungen, derer er sich bediente. Seit 2008 dürfte er mit den nun ausgeforschten Zellen zusammengearbeitet haben. Pro Schleppung landeten zwischen 250 und 400 Euro beim Capo in Spanien.

Mit Sicherheit nachweisen konnten die Ermittler letztlich 300 Schleppung im Zeitraum August bis November 2010. Für den Zeitraum 2008 bis 2010 konnte der Organisation ein "Umsatz" von einer halben Million Euro nachgewiesen werden, "der tatsächliche Reingewinn dürfte den nachgewiesenen Betrag um ein Vielfaches übersteigen", heißt es in einer Aussendung der Polizei. Zur Verschleierung der Geldflüsse bediente sich die Organisation einer großen Anzahl von scheinbar unbedenklichen Strohleuten. Damit sollte etwaigen Geldwäsche-Verdachtsmeldungen vorgebeugt werden.

In die Ermittlungen waren hauptsächlich das Bundeskriminalamt Wien, die Bundespolizeidirektion München, das rumänische Innenministerium sowie die Staatsanwaltschaften Passau, Bukarest und Eisenstadt eingebunden. Das abschließende Ermittlungsergebnis - über 12.000 Seiten - wurde vom LKA Salzburg nun der zuständigen Staatsanwaltschaft Eisenstadt übermittelt.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-12-16 11:59:13
Letzte Änderung am 2011-12-16 12:10:03


Beliebte Inhalte



Erzbischof Alois Kothgasser (l.) traf den Dalai Lama (r.) beim interreligiösen Dialog "Harmonie in der Vielfalt". - © APA/BARBARA GINDL
  • China warnt Kanzler Werner Faymann vor einem Treffen mit dem Dalai Lama.
  • weiter

Epizentrum der Beben: Die Ortschaft Finale Emilia zwischen den Provinzen Modena und Ferrara. - Baracchi/EPA
  • Premier Monti besucht betroffenes Gebiet.
  • Schwerer Erdstoß am Sonntag machte Tausende obdachlos.
  • weiter

  • Erdstoß der Stärke 5,8 riss Menschen aus dem Schlaf.
  • weiter
  • Update vor 42 Min.

  • Hundebesitzer aus Belgien wegen Tierquälerei angezeigt.
  • Fiona Swarovski warb für "Ersten Wiener Tierball".
  • weiter

Der österreichische Pfarrerinitiativen-Sprecher Helmut Schüller steht am 98. Katholikentag im Mittelpunkt des Interesses. - APAweb / dpa / Uli Deck
  • "Und wann schließen sich die deutschen Priester der Pfarrerinitiative an?"
  • weiter




Werbung




Harmoniegesänge zum Disco-Tanzen

Bee-Gees-Sänger Robin Gibb gestorben

20120521gibbbbbb - APAweb/AP London. Das Leben von Robin Gibb war ein Leben mit und für die Bee Gees. Gemeinsam mit seinem Bruder Barry als kreativer Motor und Leadsänger aktiv... weiter




Brachte Millionen zum Lachen

Schweizer Fernsehmoderator Kurt Felix ist tot

20120519KurtFelix - APAweb / AP St. Gallen. Der TV-Altmeister Kurt Felix hat Filme mit der versteckten Kamera in Deutschland populär gemacht. Er brachte die Unterhaltungsshow... weiter




1925 - 2012

Dietrich Fischer-Dieskau gestorben

Der Sänger Dietrich Fischer-Dieskau ist tot. Er starb am Freitag im bayerischen Berg bei Starnberg kurz vor seinem 87... weiter



Der 20. Life Ball in Bildern




Jubiläums-Ball

Life Ball: Die ersten Gäste sind gelandet

20120518Banderas - APAweb / Reuters / Leonhard Foeger Wien. Die ersten prominenten und teilweise äußerst schrillen Gäste des 20. Life Balls sind am Freitag, 18. Mai 2012, in Wien-Schwechat gelandet. weiter




Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Schauspieler Antonio Banderas kommt in Vertretung seiner Frau, Melanie Griffith, zur Red Ribbon Celebration Concert am Vorabend des Life Balls im Burgtheater. 21.5.2012: Auch wenn das Wasser kühlt, der Wettkampf bleibt heiß: Der Franzose Hugues Duboscq bei den Schwimm-Europameisterschaften im ungarischen Debrecen.

Werbung