• Artikel vom 31.01.2012, 17:23 Uhr

Chronik

Update: 14.02.2012, 15:50 Uhr
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Gegenkandidat für Muzicant-Liste


Von Petra Tempfer
  • Martin Engelberg will Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde werden.

Wien.

Der Brückenbauer Martin Engelberg

Der Brückenbauer Martin Engelberg Der Brückenbauer Martin Engelberg

Die für November angesetzten Wahlen in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) werfen ihre Schatten voraus. Der Psychoanalytiker und Consulter Martin Engelberg kündigte an, neuer Präsident werden zu wollen. Er werde mit der Wahlgruppe "Chaj" (Jüdisches Leben) gegen Muzicants Liste "Atid" (Zukunft) antreten. Engelbergs Gruppierung positioniert sich bewusst als Gegenpol und steht dafür, die Gemeinde mit Leben zu erfüllen, wie es in einer Aussendung hieß.

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Der seit 1998 amtierende Muzicant wird im November gar nicht mehr antreten. Legt er doch am 21. Februar das Amt des Präsidenten nieder, wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" bestätigt. Seine Begründung: "Ich habe immer gesagt, dass ich mit 60 als Präsident zurücktrete. Und nun ist es soweit." Zeitgleich mit Muzicants Rücktritt werde Oskar Deutsch, seit 15 Jahren Vizepräsident der IKG, im Februar zum Präsidenten gewählt. Als Kultusvorsteher werde Muzicant der Gemeinde erhalten bleiben.

Deutsch wird bereits im November um sein Präsidentenamt bangen müssen: Wenn die rund 7000 Gemeindemitglieder ihren Kultusvorstand wählen, der wiederum den Präsidenten für eine Legislaturperiode von fünf Jahren ernennen wird. Laut Muzicant treten zu jeder Wahl zwischen sieben und 14 Listen an - Engelbergs Liste "Chaj" wird erstmals darunter zu finden sein.

Auf die nichtjüdische Öffentlichkeit zugehen
Sie möchte "allen Juden eine Heimat bieten und aktiv für eine lebendige Gemeinde eintreten", wie sich die Liste selbst beschreibt. Habe sich doch laut Engelberg die IKG in den vergangenen Jahrzehnten vor allem damit befasst, die Infrastruktur für die jüdische Gemeinde wieder aufzubauen. Jetzt müsse man in die nächste Phase eintreten und diese Einrichtungen mit wirklichem Leben erfüllen. "Wir brauchen eine moderne jüdische Identität, bei der der Schrecken der Shoa nicht mehr vorrangig ist." Heraus aus der Opferrolle also, um neue Schwerpunkte zu setzen. "Wobei wir unsere Werte und Traditionen freilich nicht vergessen dürfen", sagt Engelberg.

Zudem wolle er als Präsident "auch sehr bewusst auf die nichtjüdische Öffentlichkeit zugehen". Es gebe in Österreich viele am Judentum interessierte Menschen, die nur wenig über jüdische Religion und Kultur wüssten. Hier gelte es, Vertrauen in beide Richtungen aufzubauen und Brücken zu schlagen.

"Engelberg hat kaum eine Chance", meint Muzicant dazu. Seine Fraktion habe fast die absolute Mehrheit - Engelbergs hingegen keinen einzigen Sitz. "Er müsste von null auf hundert durchstarten." Im Hintergrund der IKG-Wahlen dürften zudem politische Differenzen schwelen. "Engelberg steht der ÖVP nahe, ich bin Mitte-Links", so Muzicant.

"Er hat ein SPÖ-Parteibuch, mir kann man bestimmt keine Parteinähe zusagen. Da sieht man wieder, dass es zu den österreichischen Spielereien gehört, jedem seine Punze aufdrücken zu wollen", kontert Engelberg. Freilich rechne er sich Chancen aus. Weil er unter den Gemeindemitgliedern bereits ein Umdenken spüre.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-31 17:29:03
Letzte Änderung am 2012-02-14 15:50:06


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