• Artikel vom 05.02.2012, 09:39 Uhr

Chronik

Update: 05.02.2012, 09:43 Uhr
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Neues Israelitengesetz sichert Juden moderne Rechte zu

Muzicant kämpft gegen jüdische Abwanderung aus Österreich


  • Will mit Muslime-Präsident Sanac auch unangenehme Themen diskutieren.

Wien. Die Zahl der Juden in Österreich schrumpft. "Es gibt derzeit eine jüdische Abwanderung aus Österreich", so der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Ariel Muzicant, im Interview mit der APA. Er will dem Trend durch gezielte Einbürgerung umkehren. Die Erneuerung des Israelitengesetzes soll der jüdischen Bevölkerung zudem moderne Rechte zuerkennen. Mit dem neuen Muslime-Präsidenten Fuat Sanac will der IKG-Präsident auch unangenehme Themen diskutieren können.

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  80 bis 100 Juden wandern laut Muzicant jährlich aus. "Ein junger jüdischer Mensch, der einen jüdischen Partner sucht, findet ihn in der Regel nicht mehr in Österreich und sucht sich dann eben einen jüdischen Partner woanders." Jene, die blieben, würden sich allerdings vermehrt in der IKG registrieren, so Muzicant. Die Jüdische Gemeinde sei in den vergangenen 15 Jahren um 30 Prozent gewachsen. Muzicant hofft nun, den generellen Trend zur Abwanderung durch gezielte Zuwanderung mittels Rot-weiß-rot-Card umkehren zu können.

Novelle zum Israelitengesetz  
Eine Novelle zum 120 Jahre alten Israelitengesetz, die in den kommenden Wochen den Ministerrat passieren soll, soll zudem Rechtssicherheit für die jüdische Bevölkerung schaffen. "Es werden die Rechte der heute in Österreich lebenden Juden als Juden stärker verankert", so Muzicant, etwa Feiertage und koschere Lebensmittel. Das Gesetz sei zwar für niemanden zwingend, allerdings könne man sich bei der Durchsetzung von Rechten darauf berufen. "Wir können zum Beispiel an einem solchen Feiertag nicht vor ein Amt gezerrt werden."

  Bei den Mitte November anstehenden Wahlen in der IKG Wien kandidiert Muzicant, der seit 1998 Präsident ist, nicht mehr. Stattdessen hat seine Liste "Atid" Vizepräsident Oskar Deutsch als Nachfolger nominiert. Die Gegenkandidatur des Psychoanalytikers und Consulters Martin Engelberg, der mit der Wahlgruppe "Jüdisches Leben" antritt, sieht Muzicant gelassen: "Man kann immer behaupten, alles besser zu machen." Aber: "Ich sehe niemand anderen, als den Herrn Deutsch, der bereit ist, die Arbeitsbelastung auf sich zu nehmen." Bei der Wahl würden etliche Listen antreten und der Wahlkampf sollte nicht in österreichischen Medien geführt werden.

  
"Politik der kleinen Schritte"
Im Fall der jüdischen Friedhöfe spricht Muzicant von einer "Politik der kleinen Schritte". Drei große Dinge habe man erreicht: Die Zusage der Republik über eine Mio. Euro jährlich sowie die Verpflichtung mancher Bundesländer, Teile der Instandhaltung zu finanzieren. Für die ausgehandelte Pflegevereinbarung fehle lediglich die Unterschrift des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl (S) als Vorsitzender des Städtebundes. Sanierungsarbeiten seien bereits angegangen worden, im März werde die Fertigstellung der ersten Sanierung am ersten Tor in der Seegasse gefeiert. Muzicant: "Langsam aber sicher scheint es zu werden."

  Zuversichtlich ist Muzicant auch bei der neuen Führung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). "Es hat ein sehr gutes Gespräch gegeben, er hat uns besucht, wir haben uns gegenseitig versprochen, mehr miteinander zu kommunizieren. Es war einmal ein guter Anfang." Der Dialog mit den Muslimen müsste nun aber auch dazu führen, "dass man sich irgendwann traut, die heiklen Themen anzugreifen. Wir können nicht immer nur über die sogenannten Gemeinsamkeiten reden".

  Die Einrichtung des lange geforderten Integrationsstaatssekretariates freut den IKG-Präsidenten. Ebenso dessen Besetzung mit Sebastian Kurz (V): "Ich glaube, dass dieser Staatssekretär alle überrascht hat." Dessen "unkonventionelle Methoden" lobt Muzicant. "Ich finde alles gut, was in eine solche Richtung geht, dass man ein solches Thema nicht den Rechtsextremen überlässt."




Schlagwörter

Judentum, Ariel Muzicant

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-05 09:41:49
Letzte Änderung am 2012-02-05 09:43:42


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