Vatikan. Berichte der italienischen Tageszeitung "Il Fatto Quotidiano" über ein angebliches Mordkomplott gegen Papst Benedikt XVI. wurden vom Vatikan am Freitag als "pure Fantasie" ohne jegliche Grundlage zurückgewiesen. Man wolle sich damit nicht einmal beschäftigen, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.
Die Zeitung, die schon wiederholt über heftige Intrigen im Vatikan berichtet hat, zitiert ein streng vertrauliches Dokument, das der emeritierte Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos zum Jahreswechsel dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und dem Privatsekretär des Papstes, Georg Gänswein, übergeben hat. Inhalt des brisanten Dokuments sind Gespräche, die der Erzbischof von Palermo, Kardinal Paolo Romeo, bei einem Besuch in Peking im November 2011 geführt hat.
Kardinal Romeo, der sich seinen Gesprächspartnern als der Mann vorgestellt hatte, der vom Papst mit den künftigen Kontakten zwischen China und dem Vatikan beauftragt worden sei - bisher war Kardinal Castrillon Hoyos mit diesem Bereich betraut -, habe davon gesprochen, dass der Papst binnen zwölf Monaten sterben werde. Das habe bei seinen Gesprächspartnern den Eindruck erweckt, dass ein Mordkomplott gegen den Papst im Gange sei. Kardinal Romeo habe seine Gesprächspartner auch mit der Mitteilung überrascht, dass er gemeinsam mit dem Erzbischof von Mailand, Kardinal Angelo Scola, und dem Papst eine Troika bilde und Papst Benedikt XVI. sich in wichtigen Fragen mit ihm und Scola berate. Kardinal Scola sei auch der Wunschnachfolger des derzeitigen Papstes.
Der Palermitaner Kardinal habe bei seinen Gesprächen in China auch Kritik am Papst geübt, der sich in erster Linie um die Liturgie kümmere und die täglichen Geschäfte vernachlässige, die dem Kardinalstaatssekretär Bertone anvertraut seien. Bertone und den Papst schilderte Romeo als streitsüchtiges Paar. Der Papst hasse Bertone und würde ihn gerne durch einen anderen Kardinal ersetzen. Es gebe aber keinen geeigneten Kandidaten.
"Kardinal Romeo habe sich sehr sicher gefühlt und konnte sich nicht vorstellen, dass seine Ausführungen während seiner China-Reise von Dritten dem Vatikan übermittelt werden könnten", heißt es in dem Dokument, das die Intrigen in höchsten Vatikankreisen widerspiegelt.
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