
Die Gemeinde Ahrntal ist das nördlichste Zipfelchen Südtirols. In einer anderen Lesart bildet sie die "Vetta dItalia", die Spitze Italiens. Knapp 6000 Menschen leben in diesem vom mehr als 80 Dreitausendern umgebenen Tal - und hier startet die "Süd-Tiroler Freiheit" ihr Selbstbestimmungsreferendum.
Bis November haben die "Tölderer", wie die Ahrntaler genannt werden, nun Zeit, zu erklären, ob sie dafür sind, "dass die Süd-Tiroler ihr Selbstbestimmungsrecht ausüben, um frei über die Zukunft des Landes zu entscheiden". Laut Initiatorin Eva Klotz geht es dabei um eine "Willensbekundung und einen Akt der Bewusstseinsbildung", denn rechtlich bindend ist die Volksbefragung nicht.
Eva Klotz ist ein Urgestein in der Südtiroler Politik. Die Tochter des Südtirolaktivisten Georg Klotz (einer der bekanntesten "Bumser", also Bombenleger der 60er Jahre) engagiert sich seit 1980 in der Politik. Anfangs noch für die SVP, später weiter rechts für den Heimatbund, die Union für Südtirol und seit 2007 eben für die "Süd-Tiroler Freiheit".
Dass sich Klotz ausgerechnet das Ahrntal für ihr Referendum ausgesucht hat, kommt nicht von ungefähr, stellt die "Süd-Tiroler Freiheit" hier doch sechs von 18 Gemeinderäten.
Wohin die Reise gehen soll, ist klar: Ziel ist die Angliederung Südtirols an Österreich. "Wir müssen weg aus diesem korrupten Staat (Italien, Anm.), als Tiroler haben wir hier keine Chance." Das ist deutlich, auch wenn Klotz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont, dass völlig egal sei, was sie persönlich wolle, schließlich entscheide die Mehrheit der Bevölkerung.
Unterschriftensammeln hüben wie drüben
Dieser stünden, sollte die Sache mit der Selbstbestimmung im Sinne der "Süd-Tiroler Freiheit" tatsächlich konkret werden, drei Möglichkeiten zur Auswahl: Verbleib bei Italien, Angliederung an Österreich oder Gründung eines unabhängigen Staates Südtirol.
Doch nicht nur jenseits des Brenners sammelt die "Süd-Tiroler Freiheit" Unterschriften, auch in Österreich ist man eifrig am Werk. Gemeinsam mit den Tiroler Schützenverbänden sammelt man hier Unterschriften für eine Bürgerinitiative zur Einführung der Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler. Gäbe es nämlich plötzlich 50.000 oder mehr österreichische Staatsbürger in Südtirol, würde sich Österreich intensiver mit der Thematik beschäftigen, glaubt Klotz.