Bern. Die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) hat bei der Parlamentswahl am Sonntag überraschend deutlich Federn lassen müssen. Sie stellt künftig 55 der 200 Abgeordneten im Schweizer Nationalrat, um sieben weniger als bisher, ergab eine Hochrechnung des Fernsehsenders SRG. Die Sozialdemokraten legten trotz leichten Stimmenverlusten auf 44 Sitze (+1) zu.
Verluste gab es auch für die rechtsgerichteten Regierungsparteien FDP und CVP und die Grünen, während die neuen bürgerlichen Parteien BDP und GLP deutlich zulegten. Der seit den 1990er Jahren andauernde Höhenflug der EU-kritischen und ausländerfeindlichen Partei scheint vorläufig beendet.
Die Sozialdemokraten (SP) legten um einen Sitz auf 44 zu, starke Zugewinne gab es für die beiden neuen bürgerlichen Parteien GLP und BDP.
Die SVP sank von 28,9 auf 26,8 Prozente. Vor der Wahl hatte die rechtskonservative Partei das Knacken der 30-Prozent-Marke als Ziel ausgegeben. "Das Wahlziel wurde nicht erreicht", gab SVP-Chef Toni Brunner unmittelbar nach Veröffentlichung der Hochrechnungsergebnisse unumwunden zu. Die erfolgsverwöhnte rechtsgerichtete Partei fiel damit auf ihr Ergebnis aus dem Jahr 2003 zurück, mit dem sie sich einen zweiten Sitz im Bundesrat (Regierung) erstritten hatte. Seit Anfang der 1990er Jahre hatte die SVP bei allen Schweizer Parlamentswahlen zulegen können.
Auch die beiden anderen bürgerlichen Regierungsparteien FDP (Freisinnige) und CVP (Christlich-demokratische Volkspartei) verloren, die FDP verlor vier Sitze und hat jetzt 31, die CVP büßte drei Mandate auf 28 ein. Nutznießer sind die beiden neuen bürgerlichen Parteien GLP (Grünliberale) und BDP (Bürgerlich-demokratische Partei). Die GLP legte von drei auf zwölf Mandate zu, während die bisher nicht im Parlament vertretene BDP auf Anhieb neun Mandate erhielt. Großer Wahlverlierer sind die Grünen, die laut der Hochrechnung im neuen Nationalrat nur noch 13 Mandate haben werden (minus sieben).
Die Parlamentswahl ist von großer Bedeutung für die künftige Zusammensetzung der Schweizer Kollegialregierung, an der die größten Parteien des Landes entsprechend ihrer Stärke beteiligt sind. Derzeit stellen SP und FDP zwei Bundesräte, CVP, SVP und die von SVP-Dissidenten gegründete BDP je einen. Da die SVP wieder den Anspruch auf zwei Bundesräte angemeldet hat, wackelt ein Bundesratsmandat der drei anderen bürgerlichen Parteien.