Passau. (klh) Es war eine schwierige Ausgangslage für Horst Seehofer beim politischen Aschermittwoch der CSU: Denn der Partei-Vorsitzende ist nach dem Rücktritt Christian Wulffs deutscher Interims-Präsident - und zu dieser Rolle passt das alljährliche Poltern in Passau, das bei der CSU zur Folklore gehört, nicht so recht. Eine Breitseite konnte sich Seehofer bei seiner Rede aber nicht verkneifen, der Bayer bezeichnete den Finanzausgleich zwischen den Bundesländern als "bescheuertes System".
Wegen der Interimstätigkeit von Seehofer hatte die CSU aber ohnehin ihren Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber als Hauptredner engagiert - einen Routinier der deftigen Aschermittwochs-Sprüche. Doch was sich viele erwartet und wohl auch einige Zuhörer in bierseliger Stimmung erhofft hatten, blieb aus: Stoiber gab sich für seine Verhältnisse sehr zurückhaltend. Er verzichtete auf Angriffe auf den politischen Gegner und lobte stattdessen die wiederholte Kandidatur Gaucks für das Präsidentenamt, die von der CSU - im Gegensatz zu früher - diesmal unterstützt wird. "Man kann auch mit dem zweiten Aufschlag ein Ass verwandeln", meinte Stoiber, der auch gleich seine politische Verwandtschaft zu Gauck entdeckte: Dieser sei wie die CSU gegen einen EU-Beitritt der Türkei.
Das Thema Gauck und die Wulff-Affären beherrschten auch die Aschermittwochsreden der anderen Parteien. Kanzlerin Angela Merkel habe solche Leute in Amt und Würden gebracht wie Wulff, "der das Land sich selbst und der CDU zur Beute macht", polterte etwa SPD-Chef Sigmar Gabriel in Vilshofen.
Die Linke bestätigte unterdessen einen Bericht von "Spiegel Online", dass sie mit Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld über eine Präsidentschaftskandidatur verhandle. Die 73-Jährige hat sich jahrzehntelang für eine Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit eingesetzt. 1968 hatte sie Kanzler Kurt Georg Kiesinger geohrfeigt. Damit wollte sie auf dessen frühere NSDAP-Mitgliedschaft hinweisen.