• Artikel vom 29.07.2011, 17:12 Uhr

Österreich

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Paudorf hat das Land Niederösterreich eingeschaltet, Langenzersdorfer ziehen vor Gericht

Rebellion gegen Stiftsherren


Von Christoph Rella
  • Stifte Göttweig und Klosterneuburg mit Schäfchen im Clinch.
  • Bürger protestieren gegen Steinbruch und ungerechte Pacht.

St. Pölten.

Der Streit um einen Steinbruch wirft dunkle Schatten auf Stift Göttweig.

Der Streit um einen Steinbruch wirft dunkle Schatten auf Stift Göttweig.© Gregor Semrad Der Streit um einen Steinbruch wirft dunkle Schatten auf Stift Göttweig.© Gregor Semrad

Fürs Beten und Arbeiten, wie es Ordensregel geböte, hatten die Benediktiner im Stift Göttweig in Niederösterreich in den vergangenen Jahren immer weniger Zeit. Nicht anders erging es zuletzt den Augustiner Chorherren in Klosterneuburg: Auch sie mussten Kontemplation und Bibelstudium zurückschrauben - und stattdessen Gerichtsakten wälzen. Grund: Beide Stifte liegen seit Jahren mit Bürgerinitiativen im Clinch. Sogar die Landesregierung wurde eingeschaltet.

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Im ersten Fall - Göttweig - sorgt das Kirchenvolk der benachbarten Pfarrgemeinde Paudorf für Unmut. Seit Jahren wird hier gegen die geplante Errichtung eines Steinbruchs im Bereich des Hörfarthgrabens, der im Besitz des Stiftes steht, protestiert. „Wir befürchten, dass dann täglich rund 100 Lkw mit bis zu 500.000 Tonnen Gestein durch unseren Ort rumpeln werden”, klagt der Obmann der Bürgerinitiative „Lebenswertes Paudorf”, Wolfgang Janisch, im Gespräch mit der „Wiener Zeitung”. „Stift Göttweig hat doch genug Geld, die brauchen das doch eh nicht. Abgesehen vom vielen Staub und Lärm wären auch noch die Tiere in Gefahr.”

Geht es nach Janisch, so sollten die Benediktiner von der Verpachtung des Geländes an die baustoffverarbeitende Firma Asamer, die bereits einen Steinbruch samt Fabrik in der Gemeinde betreibt, absehen. Auch solle das Land Niederösterreich in der Causa ein Machtwort sprechen, fordert Janisch.

Benediktiner stellt sich gegen Ordensbrüder
In ihrem Kampf gegen Göttweig unterstützt wird die Bürgerinitiative unter anderem vom Paudorfer Pfarrer Udo Fischer. Zwar will sich der Benediktiner „politisch sicher nicht einspannen lassen”, wie er sagt. Allerdings liege in der Frage des Steinbruchprojekts „noch vieles im Dunklen. Ich frage mich, wie das Material verfrachtet wird”, sagt Fischer. Um seine Solidarität zu zeigen, hat er der Protestbewegung sogar einen Platz auf seiner Pfarrhomepage eingeräumt. Viel mehr einmischen wolle er sich aber nicht. Auch auf Rücksicht auf die Pfarrgemeinde: Sie hat wegen des Streites in den vergangenen Jahren Mitglieder verloren.

Im Stift selbst sieht man die Proteste gelassen. „Die Paudorfer Bevölkerung sollte froh sein, wenn es einen neuen Steinbruch gibt”, erläutert Stiftssprecher Pater Maurus auf Anfrage. Denn sonst müsste Asamer nach Schließung der alten Abbruchstätte das für die Produktion nötige Material von auswärts importieren. „Das würde den aktuellen Lkw-Verkehr sogar verdoppeln”, sagt der Pater - und ist guter Dinge, dass die erforderliche Widmung des Areals rund um den Hörfarthgraben vom Land Niederösterreich genehmigt wird.




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Dokument erstellt am 2011-07-29 17:17:10



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