Wien. In seltener Geschlossenheit lehnt die Opposition den Ausbau der Überwachung zum Schutz vor Terroranschlägen ab. Das geplante Anti-Terror-Paket dürfe kein "Anti-Bürger-Paket" werden, meinte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky am Dienstag in einer Aussendung. Wenn die Polizei jedes politisch auffällige Verhalten verfolgen müsste, wäre sie völlig überfordert, glaubt der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz. BZÖ-Generalsekretär Christian Ebner will die norwegischen Anschläge nicht dazu missbrauchen lassen, unbescholtene Bürger noch mehr bespitzeln zu können.
Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) möchte zur Terror-Prävention die Polizeibefugnisse ausbauen und die "erweiterte Gefahrenabwehr" breiter anwenden: Nicht mehr nur bei Gruppen (ab drei Personen), sondern auch bei Einzelpersonen sollten Informationen von heimischen und ausländischen Sicherheitsbehörden sowie aus dem Internet verknüpft werden können, lautete ihr - schon vor den Anschlägen in Norwegen vorgelegter - Vorschlag. Diesem steht auch der Regierungspartner SPÖ sehr skeptisch gegenüber.
Vilimsky attestierte der Innenministerin "Regulierungs- und Überwachungswut". Er lehnte eine "Anlassgesetzgebung unter dem Mäntelchen der Terrorismusbekämpfung" ab, mit der "zum Schaden der österreichischen Bürger deren Rechte beschnitten" würden. Nicht der restriktive US-amerikanische Weg nach 9/11 sei der richtige, sondern der norwegische: "Gerade wenn die Demokratie mit ihren freiheitlichen Werten angegriffen wird, müssen eben diese Werte und die Rechte der Bürger hochgehalten werden."
Auch Pilz bedauerte, dass sich die Regierung kein Beispiel an der norwegischen Regierung nehme. Denn angesichts terroristischer Bedrohung von Islamisten und Rechtsextremisten wäre es "das Wichtigste, die Freiheit und Offenheit unserer Gesellschaft zu sichern und zu stärken". Außerdem sei "nicht jeder, der sich seltsam äußert, schon ein Fall für die Staatspolizei", wandte sich Pilz gegen einen Ausbau der Internet-Überwachung. Die heimischen Nachrichtendienste sind seiner Meinung nach ohnehin "unfähig" - weshalb er für eine Reform samt Zusammenlegung eintrat.
Die von der rot-schwarzen Regierung umgesetzte Vorratsdatenspeicherung stelle bereits einen illegitimen Eingriff in die Freiheitsrechte dar. Schon jetzt könne bei jeglichem Verdacht sofort ohne richterliche Genehmigung auf Kommunikationsdaten aller Bürger zugegriffen werden, merkte Ebner an. Er verlangte eine bessere Bekämpfung der Cyberkriminalität. Der Exekutive müssten alle Möglichkeiten gegeben werden, um den neuen Kriminalitätsformen im Internet zu begegnen. Die Freiheitsrechte der Bürger müssten aber gewahrt bleiben.