• Artikel vom 29.08.2011, 11:30 Uhr

Österreich

Update: 29.08.2011, 11:56 Uhr
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Schulbeginn

Tests und mehr Neue Mittelschulen im neuen Schuljahr


  • Ausbau der Ganztagesbetreuung, österreichweite Leseförderung, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch als Maturafach an zwei Wiener Schulen.

Wien. Veränderungen bringt das neue Schuljahr sowohl in der Unterrichts- als auch in der Freizeit der heimischen Schüler.

Information

Freizeitpädagoge

Die Freizeitgestaltung im Rahmen der Ganztagsbetreuung soll von akademischen Freizeitpädagogen übernommen werden, für die an Pädagogischen Hochschulen ein zweisemestriger, berufsbegleitender Lehrgang vorgesehen ist. Die neu ausgebildeten Pädagogen sollen dezidiert in der Freizeit, "nicht aber in der individuellen Lernzeit (Erledigung von Hausaufgaben unter fachlicher Hilfestellung) eingesetzt werden". Damit wolle man sich speziell an Mitarbeiter Sport-, Musik- oder Kulturvereine richten, die mit Schulen bei der Freizeitbetreuung kooperieren. Ein Leichtathlet könne beispielsweise als Halbtagsjob die Betreuung von Schülern am Nachmittag übernehmen. Die Schulen haben dabei die Möglichkeit, selbst einen sportlichen, musikalischen, künstlerischen oder anderen Schwerpunkt zu setzen.

Die Grünen lehnten das als absolute Fehlentwicklung ab. Man schaffe so Lehrkräfte, die den Kindern nicht einmal bei der Hausübung helfen dürften. Alle anderen Fraktionen gaben dem Gesetz ihre Zustimmung.

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Ausbau der Neuen Mittelschule (NMS)

Vor drei Jahren startete der Modellversuch zur NMS, ab Herbst werden an einzelnen Schulen bereits alle vier Unterstufenklassen als NMS geführt. Die flächendeckende Umstellung aller Hauptschulen bis 2018/19 wird auch im kommenden Schuljahr vorangetrieben, wenn 114 neue NMS-Standorte zu den bisher 320 existenten hinzukommen. Laut Unterrichtsministerium wird es im kommenden Semester einen Begutachtungsentwurf geben, um die NMS zur Regelschule zu machen. Laut derzeitiger Gesetzeslage dürfen maximal zehn Prozent aller Pflichtschulen bundesweit an einem Schulversuch teilnehmen, die Regierung hatte zuletzt jedoch eine Aufhebung dieser Grenze vereinbart.

Ganztagesbetreuung mit neuem Berufsbild

Ein weiteres Großprojekt ist der Ausbau der Ganztagesbetreuung: Bis 2015 soll die derzeitige Anzahl von 105.000 Betreuungsplätzen auf 210.000 inklusive Hortplätze gesteigert werden. Im kommenden Schuljahr stehen bereits 15.000 zusätzliche Plätze zur Verfügung. Dabei wird mit dem akademischen Freizeitpädagogen, der ausschließlich für die Freizeitgestaltung der Kinder verantwortlich sein soll, auch eine neues Berufsbild geschaffen; der erste Jahrgang startet im Herbst sein Ausbildung. Angesprochen werden damit vor allem Sportler, Trainer, Künstler, Musiker o.Ä., die im Rahmen eines kostenlosen Lehrgangs an einer Pädagogischen Hochschule Zusatzqualifikationen erlangen und einen Teilzeitjob als Freizeitpädagoge ausüben können.

Österreichweite Tests des Bildungsstandards

Ab kommendem Schuljahr werden außerdem erstmals österreichweit die Bildungsstandards abgeprüft. Diese legen fest, was die Schüler in einzelnen Unterrichtsfächern in der vierten (Deutsch, Mathematik) bzw. achten Schulstufe (Deutsch, Mathematik, Englisch) können sollen. Den Anfang machen die rund 80.000 Schüler der achten Schulstufe (vierte Klasse AHS Unterstufe, Hauptschule und NMS), die am 23. Mai ihre Kompetenzen im Fach Mathematik unter Beweis stellen müssen. Die Ergebnisse, die im Dezember 2012 vorliegen, haben keinen Einfluss auf die Noten der Schüler, sollen aber für die Verbesserung des Unterrichts und des Schulsystems genutzt werden. Der nächste Durchgang erfolgt im Frühjahr 2013, wenn in der achten Schulstufe Englisch abgeprüft wird und die etwa 83.000 Schüler der vierten Schulstufe (vierte Klasse Volksschule) im Fach Mathematik zum Zug kommen.

Ebenfalls auf den Prüfstand kommen die Lesefähigkeiten der Wiener Schüler der vierten Volksschulklasse sowie der vierten Klasse Hauptschule und AHS beim zum zweiten Mal durchgeführten Wiener Lesetest. In Folge des ersten Durchgangs vom April starten im Herbst zudem intensive Förderprogramme in Wien, u.a. mit Crash- und Intensivkursen. Auch in allen anderen Bundesländern werden Initiativen und Maßnahmen forciert. In Vorarlberg startet beispielsweise im Herbst ein Programm zur frühkindlichen Leseförderung, im Rahmen dessen ab 1. Oktober geborene Babys Bücherpakete erhalten.

Bosnisch-Kroatisch-Serbisch als Maturafach

In Wien wird Bosnisch-Kroatisch-Serbisch (BKS) als Maturafach an zwei höheren Schulen, der AHS Henriettenplatz und der Handelsakademie des bfi Wien, Realität. Bisher konnte eine Matura in BKS nur extern absolviert werden, etwa wenn ein Schüler einen Muttersprachenunterricht oder ein Freifach besucht hat - durch Nicht-Zustandekommens von Sprachgruppen im Regelschulwesen wurde dies jedoch selten bis nie praktiziert. Sollte sich der Schulversuch an der AHS Henriettenplatz, die BKS sowohl als zweite lebende Fremdsprache als auch als Muttersprache anbietet, bewähren, denkt das Unterrichtsministerium eine Ausweitung auf andere Sprachen bzw. Standorte an.

Ausgebaut wird indes auch das 2010/11 eingeführte Modulsystem an den Abendschulen. Nach der Umstellung der ersten Standorte werden ab Herbst auch die restlichen Schulen umgestellt. Dann werden alle 18.000 Abendschüler an 80 Standorten (darunter acht AHS, 33 berufsbildende höhere Schulen und 39 berufsbildende mittlere Schulen) nicht mehr in Klassen unterrichtet, sondern wie an einer Hochschule in einem Kurssystem einzelne Module absolvieren, wodurch auch die Klassenwiederholungen wegfallen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-08-29 11:38:52
Letzte Änderung am 2011-08-29 11:56:16



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