Wien/Innsbruck. Maßnahmen zur Frauenförderung sind nicht unumstritten und werden oft als wirkungslos und leistungshemmend kritisiert. Doch Frauenförderung wirkt, sagen nun Innsbrucker Wirtschaftswissenschafter in einer im Fachblatt "Science" veröffentlichten Arbeit. Zumindest kam es in Experimenten zu einer deutlichen Erhöhung der Wettbewerbsbereitschaft von Frauen, wenn Maßnahmen gesetzt wurden, die mit Frauenquoten oder Bevorzugung bei gleicher Qualifikation vergleichbar sind.
Laut Studienautor Matthias Sutter vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck ist man sich in der Volkswirtschaft weitgehend einig: Frauen meiden eher als Männer den Wettbewerb um Führungspositionen, selbst bei gleicher oder besserer Qualifikation. Das ist mit ein Grund für verschiedene Frauenfördermaßnahmen. Wie sich diese tatsächlich auswirken, ist aber weitgehend ungeklärt.
Der Wissenschafter hat deshalb mit seinem Kollegen Loukas Balafoutas ein Experiment ersonnen. Mit 360 Studenten haben sie getestet, wie Frauen und Männer auf verschiedene Maßnahmen reagieren. Dazu wurden Gruppen aus je drei Frauen und Männern gebildet. Sie mussten möglichst viele Additionen von fünf zweistelligen Zahlen durchführen. Die Probanden konnten dabei wählen, ob sie pro richtig gelöster Aufgabe 50 Cent erhalten oder sich in einen Wettbewerb begeben: Dann bekamen sie 1,50 Euro pro gelöster Aufgabe, aber nur dann, wenn sie zu den zwei Besten im Wettbewerb zählten.
Dieses Experiment wurde in fünf Varianten durchgeführt: Einmal gab es keinerlei Fördermaßnahmen für Frauen. Variante zwei sah vor, dass mindestens eine Frau unter den zwei Gewinnern sein musste. Das entspricht in der Realität einer Quotenregelung. In der dritten Variante erhielten Frauen automatisch einen zusätzlichen Punkt, was in der Realität der Bevorzugung von Frauen bei gleicher Qualifikation entspricht. In Variante vier erhielten die Frauen im Spiel zwei Punkte dazu. Für eine solche starke Bevorzugung müsste eine Berufungskommission einer Bewerberin mit schlechterem Leistungsprofil als dem ihres Mitbewerbers den Job geben. In der fünften Spielvariante wurde der Wettbewerb wiederholt, wenn keine Frau unter den Gewinnern war.
Leistung wurde durch Förderung nicht beeinflusst
Es zeigte sich, dass ohne Fördermaßnahmen "die Wettbewerbsbereitschaft der Frauen nur halb so hoch war wie die der männlichen Teilnehmer". Bei den Varianten zwei, drei und vier (Quote, Bevorzugung und starke Bevorzugung) wählten die Frauen deutlich öfter die Wettbewerbs-Variante.
Die Leistung sei durch die Förderungen nicht beeinflusst worden. Auch wenn man die Zusatzpunkte herausrechnet: Die Gewinnerinnen schnitten besser beziehungsweise gleich gut wie ihre männlichen Kollegen ab.
Eine Nachtestung hat ergeben, dass sich Förderungen nicht auf die spätere Arbeit im Team auswirken. Es seien keine Diskriminierungen aufgetreten, erklärte Sutter.