Wien. Die Causa Grasser ist um neue Widersprüche reicher: Die Schwiegermutter des Ex-Finanzministers Karl-Heinz Grasser, Fionas Mutter Marina Giori-Lhota, hat laut einem "profil"-Bericht (Vorausmeldung) angegeben, sie sei gar nicht die wirtschaftlich Berechtigte für das Ferint-Konto gewesen, über das das lukrative Investment Grassers beim Verkauf der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank an die BayernLB abgewickelt wurde. Eine Treuhandvereinbarung, die Grasser der Justiz vorlegte, sei ohne ihr Wissen zustande gekommen. Hintergrund ist eine Steuersache: Das Tiroler Finanzamt habe sich bei Giori-Lhota erkundigt, ob sie die Einkünfte am Wertpapierkonto auch versteuert habe. In den Justizermittlungen gegen Grasser entschlägt sich die Schwiegermutter nämlich der Aussage.
Damit bringt die Schwiegermutter ihren Schwiegersohn in Erklärungsnot. Denn bei dem Hypo-Investment soll nicht er selber, sondern seine Schwiegermutter die wirtschaftliche Eigentümerin des Geldes gewesen sein, verteidigte sich Grasser, seitdem die lukrative Investition in den Medien bekannt wurde. Seine Schwiegermutter habe sein Veranlagungsgeschick testen wollen. Sie habe ihm in der Schweiz in drei Tranchen Bargeld übergeben, das er dann - als amtierender Finanzminister - in bar über die Grenze nach Österreich brachte, zu Hause im Safe verwahrte und schließlich bei der Meinl Bank in bar einzahlte - auf ein Konto der Schweizer Ferint AG bei der Meinl Bank, ohne Übernahmebestätigung. Mit dem Geld wurden zunächst Wertpapiere gekauft und im Dezember 2006 - da war Grasser noch Finanzminister - um 500.000 Euro ein Genussschein der Hypo Alpe Adria Bank erworben. Die Investition wurde eingefädelt von Tilo Berlin, übermittelt von seinem Büro via Mail an Grassers Freund Walter Meischberger, betitelt mit "Sehr geehrter Herr Minister Grasser".
Überraschende Antwort
Doch Grasser hat sich immer distanziert: Nicht sein eigenes, sondern das Geld seiner Schwiegermutter habe er in den Genussschein investiert. Seine Schwiegermutter soll aber laut "profil" nun im Rahmen einer Großbetriebsprüfung dem Finanzamt Innsbruck folgende Angaben gemacht haben: "Vorweg ist festzuhalten, dass ich zu keinem Zeitpunkt 'wirtschaftlich Berechtigte' des auf die Ferint AG lautenden Depots Nr. 49214-0 bei der Meinl Bank AG war". Das Finanzamt wollte prüfen, ob Giori-Lhota, die auch eine Adresse in Kitzbühel hat, die Einkünfte an ihrem Wohnort in der Schweiz versteuert habe. Laut "profil" antwortete die Schwiegermutter überraschend: "Ihrem Ersuchen um Vorlage geeigneter Unterlagen, die belegen, dass die Erträge aus dem Wertpapierdepot in der Schweiz der Besteuerung unterzogen worden sind, kann ich ..leider nicht nachkommen. Da ich nicht wirtschaftlich Berechtigte des Depots bin bzw. war, waren allfällige Erträge aus diesem Wertpapierdepot nicht in meine Schweizer Steuererklärung aufzunehmen."