Nairobi. Äthiopische Truppen sind nach Angaben von Augenzeugen in Somalia einmarschiert. Mehrere hundert Soldaten hätten mit Lastwagen und teilweise in gepanzerten Fahrzeugen am Samstag die Grenzen zum Süden und Zentrum des Nachbarlandes passiert, berichtete ein Augenzeuge am Telefon. Äthiopiens Außenministerium dementierte die Angaben.
Stammesälteste an verschiedenen Orten berichteten von Truppenbewegungen in Gebieten bis zu 50 Kilometer hinter der äthiopischen Grenze in der Region Galgudud. Dort sollen sich Anhänger der radikalislamischen Shabaab-Miliz und regierungstreue Kämpfer aufhalten. Berichte über Kämpfe gab es zunächst nicht. Die Region ist weitgehend unter der Kontrolle einer die Shabaab bekämpfenden Miliz.
Reine "Spekulation"
Ein Sprecher des äthiopischen Außenministeriums dementierte die Angaben und erklärte, ein solcher Einsatz der äthiopischen Streitkräfte sei "Spekulation". "Es sind absolut keine Soldaten in Somalia", sagte Dina Mufti. In den vergangenen Jahren waren äthiopische Truppen mehrfach in Somalia einmarschiert, um die somalische Übergangsregierung im Kampf gegen Aufständische der Shabaab-Miliz zu unterstützen. Diesmal soll es sich um die größte Intervention seit dem äthiopischen Einmarsch mit Billigung der USA 2006 handeln.
Die Shabaab-Miliz reagierte mit Drohungen. "Wir werden den Eindringlingen das Genick brechen", sagte Scheich Yousuf Ali Ugas, der Anführer der Aufständischen in der Region Hiran, am Sonntag einem Radiosender der Miliz. Die Kämpfer seien zu allem bereit, sollte "der äthiopische Feind" sie angreifen.
Schwache Übergangsregierung
Zuletzt griff auch die kenianische Armee auf somalischem Staatsgebiet ein, nachdem mutmaßliche Mitglieder der Shebab-Miliz mehrere Ausländer in Kenia entführt und nach Somalia verschleppt hatten. Die Shabaab-Miliz wies eine Verantwortung für die Entführungen zurück. Die Miliz kämpft seit 2007 gegen die schwache Übergangsregierung Somalias und kontrolliert weite Teile des Südens.
Ob sich Äthiopien an der Mission der Afrikanischen Union (AU) in Somalia beteiligt, sei noch nicht entschieden, sagte Außenamtssprecher Mufti. Im Zuge der AMISOM-Mission unterstützen 9000 Soldaten aus Uganda und Burundi seit Jahren die somalischen Regierungstruppen. In der Debatte über eine Verstärkung der AMISOM hat Kenia Truppen angeboten.
Aufgrund der jahrelangen Kämpfe und Dürreperioden sind derzeit nach UN-Angaben knapp 250.000 Menschen in Somalia akut vom Hungertod bedroht.
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