Durban. Sie kommen von überall her. Kleinbauern und Umweltschützer aus Ost- und Zentralafrika, Greenpeace-Mitarbeiter aus Deutschland, Klimaforscher aus den USA, NGO-Aktivisten aus Großbritannien. Sie wollen aufrütteln, Druck machen und die Welt vor dem befürchteten Kollaps bewahren. Doch Illusionen machen sich wenige Tage vor dem Beginn der Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban nur die unverbesserlichsten Optimisten in der Protest- und Mobilisierungskarawane.
Zwei Jahre nachdem der als entscheidender Wegpunkt gewertete Kopenhagener Gipfel ohne substanzielle Ergebnisse zu Ende gegangen ist, steht es um die internationale Klimapolitik so schlecht wie selten zuvor. Von der Hoffnung, das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll fortzuführen oder sogar ein noch weitreichenderes Abkommen unter Einbindung aller großen Treibhausgas-Sünder zu schließen, ist man heute weit entfernt. China, der mittlerweile größte CO2-Emittent der Welt, beharrt auf seinem Recht auf Entwicklung und sieht die Emissionsreduktion trotz gewissen eigenen Zugeständnissen primär als eine Sache der westliche Industrieländer an. Die USA sind durch den massiven Widerstand der Republikaner in der Klimadebatte gelähmt, und die einst durchaus hochtrabenden Pläne von Präsident Barack Obama stehen heute auf dem politischen Abstellgleis. Und selbst ehemalige Kyoto-Signatarstaaten wie Japan, Kanada oder Russland stehen einer Fortführung des Klimaschutzabkommens mittlerweile ablehnend gegenüber. Fans hatte der damit auf Europa zusammengeschrumpfte Kyoto-Klub allenfalls noch in den Entwicklungsländern. Diese sind unter dem aktuellen völkerrechtlich verbindlichen Regime nicht zur CO2-Reduktion verpflichtet, profitieren aber über den Emissionshandel, wenn sie grüne Projekte umsetzen, die Treibhausgase einsparen.
G20-Runde als Alternative

Besorgt sind Umweltaktivisten und Klimaforscher aber nicht nur über die grundsätzliche Ablehnung von verbindlichen Emissionszielen, sondern auch darüber, wie wenig sich bei den Verhandlungen in den zwei Jahren seit Kopenhagen getan hat. "So leid es mir tut, da passiert gar nichts", sagt der österreichische Klima-Experte Stefan Schleicher. Ebenso wie sein deutscher Kollege Ottmar Edenhofer hat er daher auch kaum positive Erwartungen für die knapp zwei Wochen dauernde Konferenz in Durban. "Die Hoffnung ist sehr, sehr gering", sagt Schleicher.
Doch wie lässt sich der feststeckende Klimapolitik-Karren wieder aus dem Dreck ziehen? Die in Kopenhagen entwickelte Architektur, wonach jedes Land für sich selbst Emissionsziele festlegt und diese in ein internationales Register eintragen lässt, scheint für eine substanzielle globale Reduktion als wenig geeignete Alternative zu einem multilateralen Vertrag. Um den zähen Verhandlungen im UNO-Rahmen zu entkommen, bei denen 194 Staaten unerbittlich um Buchstaben und Beistriche in den Abschlusstexten feilschen, plädieren Experten wie Schleicher und Edenhofer für die Entwicklung eines neuen Forums.
"Man muss den Teilnehmerkreis der Verhandlungen verkleinern und die Verhandlungsgegenstände ausweiten", sagt Edenhofer, der die Gespräche unter dem Schirm der UN-Klimarahmenkonvention für einen "Konstruktionsfehler hält". Als Alternative kann sich der Vize-Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PKI) etwa das noch vom früheren US-Präsidenten George W. Bush initiierte Major Economies Forum (MEF) vorstellen. Schleicher sieht in den Treffen der G20-Gruppe, die neben den Industrieländern auch die größten Emittenten aus den Schwellen- und Entwicklungsländern umfasst, eine weitere Alternative. Ein wesentliches Problem bliebe allerdings auch bei einer Verkleinerung des Teilnehmerkreises bestehen. Sowohl in der G20-Runde wie auch im Rahmen des MEF müsste man den größten Blockierern des Klimaschutzprozesses Zugeständnisse abringen, zu denen sie bisher nicht bereit waren.
Leichter umsetzbar könnte da der ebenfalls diskutierte sektorale Ansatz sein. Ein Beispiel für dessen Funktionieren gibt es bereits: Das Montreal-Protokoll von 1987, mit dem FCKW und andere Ozonkiller wirksam aus der Kühlmittelproduktion verbannt wurden, gilt bis heute als einer der größten Erfolge des Umweltschutzes. Im Fall des Klimaschutzes müssten dann Branchen oder Produktionsverfahren, die besonders hohe Treibhausgasemissionen verursachen, global reglementiert werden. Auch dies würde allerdings eine internationale Verständigung voraussetzen.
Ebenso wäre natürlich der Umkehrschluss zu Verboten möglich. Auch wenn in Staaten wie den USA oder Kanada verpflichtende Treibhausgrenzen derzeit unbeliebt sind, gibt es dort durchaus die Bereitschaft zum Einsatz moderner energieeffizienter Techniken oder zum Ausbau erneuerbarer Energien. Je teurer Öl, Gas und Kohle werden, um so größer wird hier der Anreiz. IPK-Vizechef Edenhofer etwa ist überzeugt davon, dass sich in diesen Bereichen durch gezielte, weltweite Technologieförderung erhebliche Fortschritte erreichen ließen.
Noch zusätzlich steigern ließe sich die Effektivität dieser Maßnahme, wenn gleichzeitig die Fördergelder für Öl und Kohle abgebaut würden. Allein im Jahr 2010 wurden laut Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) weltweit 409 Milliarden Euro investiert, um fossile Brennstoffe zu subventionieren. Der Bogen spannt sicht dabei weit und reicht von der Unterstützung des Transportsektors bis hin zu aus sozialen Gründen verbilligten Brennstoffen.
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