• Artikel vom 12.01.2012, 19:10 Uhr

Welt

  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Die Schutzmacht USA verliert an Boden


  • Trotz stärkerer US-Präsenz: In Ostasien heißt die neue Großmacht China.

Wie lange werden US-Flugzeugträger - wie hier bei Hongkong - noch in Chinas Nähe kreuzen? - © REUTERS

Wie lange werden US-Flugzeugträger - wie hier bei Hongkong - noch in Chinas Nähe kreuzen? © REUTERS

Peking/Washington/Wien. (leg) Zur Kunst der Diplomatie gehört es, auch brisante Nachrichten so zu formulieren, dass sie gut verdaulich klingen - und dennoch verstanden werden. In diesem Sinne brauchte US-Verteidigungsminister Leon Panetta den Adressaten seiner Botschaft nicht zu nennen, als er kürzlich davon sprach, im Rahmen einer neuen Militärstrategie die US-Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum verstärken zu wollen. Die Region habe schließlich eine "wachsende Bedeutung" für Wirtschaft und Sicherheit der USA.

Werbung

Gemeint war selbstverständlich China - und in Peking hat man die Kampfansage auch als solche verstanden: Ein "festes strategisches Ziel der USA" sei China geworden, schrieb die internationale Ausgabe des KP-Parteiorgans "Volkszeitung". Man müsse sich der Eindämmungspolitik der USA widersetzen.

Den ältesten Zankapfel zwischen den beiden Mächten bildet Taiwan. Nach dem Sieg der Kommunisten im Bürgerkrieg 1949 hatte sich die nationalchinesische Regierung von Tschiang Kai-schek auf die Insel gerettet, die sie als Basis zur Rückeroberung ganz Chinas betrachtete. Nach einigem Zögern gaben die USA 1958 den Taiwanesen im Konflikt mit Festlandchina um ein paar kleine Inseln Flankenschutz - und traten damit als Garanten der taiwanesischen Eigenständigkeit auf. Washington war nicht daran interessiert, dass die Insel, an der die Handelsrouten von Japan nach Indochina vorbei laufen, an das kommunistische China fällt. Auch nach der Anerkennung der Volksrepublik und dem damit verbundenen Abbruch der offiziellen Beziehungen zu Taiwan 1971 fühlte sich die pazifische Supermacht für das nun international zunehmend isolierte Land zuständig: Im "Taiwan Relations Act" 1979 sicherten die USA der Insel Schutz vor militärischen Übergriffen zu, immer wieder schloss man Rüstungsgeschäfte mit Taiwan ab - zuletzt im September, als die USA Taipeh um viereinhalb Millionen Euro bei der Modernisierung seiner Kampfjet-Flotte halfen. Peking schäumte und drohte mit dem Aussetzen des militärischen Austauschs mit Washington.

Dabei war für Beobachter klar, dass die US-Hilfe bereits sehr schaumgebremst ausgefallen war: Die neuen F16-Kampfflugzeuge, die sich Taiwan gewünscht hatte, hat es nicht bekommen. Dennoch äußerten sich Taiwans Offizielle zufrieden - sie wissen, dass die USA in der Wirtschaftskrise stark auf die Kooperation Chinas angewiesen sind und so mehr und mehr unter Druck Pekings geraten. Auch militärisch ist ein Szenario, wie es noch 1996 vorgekommen ist, nur noch schwer vorstellbar: Damals hatte US-Präsident Bill Clinton einfach US-Flugzeugträger in die Straße von Formosa geschickt, als China demonstrativ vor Taiwan Raketen testete, um die Wahl eines ihm nicht genehmen Präsidenten in Taipeh zu verhindern.

Heute verfügt Chinas Marine, die im Rekordtempo modernisiert wird, bereits selbst über einen Flugzeugträger. Vor allem aber besitzt die Volksbefreiungsarmee neue, moderne U-Boote, Raketen und Torpedos, mit denen sie nach Meinung von Experten durchaus in der Lage wäre, US-Flugzeugträger im Ernstfall auf Grund zu schicken. Die Rakete "Ostwind DF-21D" etwa soll ein Marineschiff noch in 1700 Kilometern Entfernung treffen können.

Gegen US-Einmischung
Der Anspruch Chinas reicht aber weit über Taiwan hinaus: Vor allem im Südchinesischen Meer stellt Peking weitreichende Forderungen, die Anrainerstaaten wie Vietnam, die Philippinen oder Malaysia zunehmend in die Arme der USA treiben. Ein Motiv ist dabei die Notwendigkeit, sich neue Rohstoffquellen für die boomende Wirtschaft zu sichern - ein anderes liegt im Selbstverständnis Chinas als Führungsmacht Ostasiens begründet, das die "Einmischung" der USA in einer ihr fernen Weltgegend zunehmend als unerträglich empfindet.




Schlagwörter

China

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-12 18:20:21


Beliebte Inhalte



Hardliner in der Kosovo-Frage: Vojislav Kostunica. - © EPA
  • Nikolic holt sich "echten Radikalen" Ex-Premier Kostunica ins Boot.
  • weiter

Dieter Böhmdorfer: "Ich kann als Justizminister nicht die Gesetze aushebeln." - apa/Helmut Fohringer
  • Ex-Minister Böhmdorfer rechtfertigt Immobiliengeschäfte des Justizministeriums.
  • weiter

Nichts mehr zu sagen zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Ex-Minister Norbert Röttgen. - © EPA
  • SPD-Chef plädiert angesichts Querelen in der Union für Neuwahlen.
  • weiter

Unvollendeter Umsturz: Demonstranten fordern personelle Erneuerung an der Staatsspitze. - © EPA
  • Als Armeesoldat getarnter Selbstmordattentäter zündet Bombe.
  • weiter

Nach acht Jahren haben die Serben ihren pro-europäischen Präsidenten Boris Tadic überraschend abgewählt. Nachfolger wird der rechts-konservative Tomislav Nikolic, der zuletzt zur Zeit des Kosovo-Krieges und der Nato-Angriffe auf Belgrad 1999 an der Macht war. - APAweb/Reuters
  • Offizielles Ergebnis veröffentlicht.
  • Wahlsieger Nikolic: "Werden nicht von europäischem Weg abweichen".
  • weiter




Werbung




Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Schauspieler Antonio Banderas kommt in Vertretung seiner Frau, Melanie Griffith, zur Red Ribbon Celebration Concert am Vorabend des Life Balls im Burgtheater. 21.5.2012: Auch wenn das Wasser kühlt, der Wettkampf bleibt heiß: Der Franzose Hugues Duboscq bei den Schwimm-Europameisterschaften im ungarischen Debrecen.

Werbung