Peking. (is) Auch verschärfte Repressions- und Sicherheitsmaßnahmen konnten die jüngste Protestwelle der Tibeter gegen die chinesische Unterdrückung nicht eindämmen. Nun versucht Chinas KP, mit einer zusätzlichen Säuberungswelle innerhalb des regionalen Parteiapparats die Lage unter Kontrolle zu bringen. Tibets Parteichef Chen Quanguo, ein Han-Chinese, veranlasste am Donnerstag die Absetzung von drei hohen Funktionären, denen vorgeworfen wird, bei der Verhinderung von Unruhen versagt zu haben. Unklar war zunächst, ob es sich bei den Entlassenen um Chinesen oder um von der Regionalverwaltung rekrutierte Tibeter handelt.
Erst am Mittwoch haben in der Provinz Qinghai erneut hunderte Tibeter gegen die Unterdrückung durch Peking demonstriert und dabei "Freiheit für Tibet" und "Es lebe der Dalai Lama" skandiert. Auch die Selbstverbrennungen von Tibetern gehen unvermindert weiter. In der von China annektierten Präfektur Ngaba in der Provinz Sichuan zündete sich ein Mann selbst an, um auf das Schicksal seines Volkes aufmerksam zu machen, berichtete die in London ansässige Organisation Free Tibet. Es war die 20. Selbstverbrennung seit März vorigen Jahres.
Dass Peking den tibetischen Autonomiebestrebungen auch in Zukunft mit aller Härte begegnen will, daran ließ KP-Chef Chen keinen Zweifel. Er rief zur konsequenten Fortsetzung des Kampfes gegen die separatistische "Dalai-Lama-Clique" auf, wie die regionale KP-Zeitung "Xizang Ribao" berichtete. Dieser Kampf sei "lang und schwierig" und müsse mit großem Einsatz geführt werden, sagte er in Lhasa. Gerichtet ist er vor allem gegen die tibetischen Klöster, wo der gewaltlose Widerstand gegen die Besatzer seinen Ausgang nahm. Hunderte Mönche wurden in den vergangenen Monaten von chinesischen Sicherheitskräften verschleppt und gefoltert. In Wien demonstrierten am Mittwoch rund 60 Aktivisten gegen die systematischen Menschenrechtsverletzungen.
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