Aschchabad.

Immerhin, könnte man meinen: Unter Berdymuchamedows Vorgänger Saparmyrat Nijasow fanden Wahlen schließlich überhaupt ohne Gegenkandidaten statt. Doch die Potemkin’sche Demokratiefassade - die turkmenische Botschaft in Österreich spricht von den Wahlen als "Markstein auf dem Wege der Entwicklung demokratischer Umgestaltungen" im Land - sagt ohnedies nichts aus über die wirklichen Verhältnisse im Land. Nach dem Zerfall der UdSSR vor 20 Jahren fanden deren zentralasiatische Republiken rasch zu ererbten Herrschaftsformen zurück. Wie in Kasachstan oder Usbekistan regierte auch in Aschchabad ein - übrigens 1985 im Zuge der Perestroika von Michail Gorbatschow installierter - Ex-KP-Chef mit harter Hand als neuer "Khan": Nijasow, der sich "Turkmenbaschi", Vater der Turkmenen nennen ließ und einen bizarren Kult um seine Person aufbaute. Das ehemalige Waisenkind ließ Statuen von sich und seiner Mutter errichten, sein Hauptwerk "Ruchnama" - Buch der Seele - sollte alle anderen Bücher überflüssig machen. Bibliotheken wurden darum geschlossen.
Die Statuen wurden mittlerweile größtenteils abmontiert, die Bibliotheken wieder geöffnet - dafür bastelt der Nachfolger seinerseits an seinem eigenen Personenkult: Statt der "Ruchnama" müssen Schulkinder nun Zitate Berdymuchamedows rezitieren, kaum einer der vielen aus weißem Marmor errichteten Prunkbauten der Hauptstadt kommt ohne Konterfei des Präsidenten aus.
Flucht vor Arbeitslosigkeit
Turkmenistan kann sich seinen auch für zentralasiatische Verhältnisse repressiven Kurs leisten: Die riesigen Erdgasfelder des Landes spülen genug Geld in die Staatskasse, das Wirtschaftswachstum beträgt immerhin rund 10 Prozent. Wie viel davon zur Bevölkerung durchsickert, ist fraglich: Strom, Gas, Wasser und 120 Liter Treibstoff im Monat sind zwar kostenlos, dafür soll aber auch die Arbeitslosigkeit laut Schätzungen an die 60 Prozent betragen. Das Fehlen jeglicher Rechtssicherheit beim Aufbau einer Existenz lässt viele Turkmenen ihr Glück in Russland oder der Türkei versuchen.
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