
"Anstatt den Iran an den (Verhandlungs-)Tisch zu rufen, haben sie nach meiner persönlichen Meinung aus Halsstarrigkeit beschlossen, die Sanktionierung aufrechtzuerhalten. Ich glaube, es war ein Irrtum, diese Entscheidung zu treffen", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur "Agência Brasil" Lula am Mittwoch nach einer Veranstaltung in Natal (Bundesstaat Rio Grande do Norte).
Historische Chance weggeworfen
Lula zog einen Vergleich aus dem Familienleben: "Manchmal stellt sich mir der Eindruck von einem strengen Vater, der seinem Sohn eine Tracht Prügel geben muss, obwohl er diese nicht verdient hat. Ich glaube, der Sicherheitsrat hat eine historische Chance weggeworfen, in Ruhe über das iranische Nuklearprogramm zu verhandeln." Brasilien ist derzeit nicht-ständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat und stimmte am Mittwoch neben der Türkei gegen die Sanktionsresolution. Beide Länder hatten in Teheran eine Vereinbarung erzielt, wonach der Iran sich grundsätzlich bereiterklärte, einen Teil seines Urans im Ausland höher anreichern zu lassen.
UNO reformierbar
Lula bekräftigte die Notwendigkeit einer Reform des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, der nicht mehr die politische Realität in der Welt spiegle. Die Entscheidung, Sanktionen gegen den Iran zu verhängen, schwäche das Gremium, sagte der Staatschef, der sich am Mittwoch in dieser Sanktionsfrage mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan telefonisch abgestimmt hatte. "Ich hoffe, dass Kamerad Ahmadinejad (Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad) Ruhe bewahrt." (APA)