• Artikel vom 21.02.2012, 18:02 Uhr

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Update: 21.02.2012, 21:05 Uhr
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Die USA stellen Israels Fähigkeit, den Iran anzugreifen, in Frage - Netanyahu sieht seine Strategie torpediert

Querschläger aus Washington


Von Michael Schmölzer
  • Obama will unbedingt vermeiden, in einen neuen Krieg verstrickt zu werden.

"Nicht weise": US-Generalstabschef Dempsey rät Israel von Angriff auf Iran ab. - © REUTERS

"Nicht weise": US-Generalstabschef Dempsey rät Israel von Angriff auf Iran ab. © REUTERS

Tel Aviv/Teheran. Immer öfter ist von Krieg zwischen Israel und dem Iran die Rede. Doch während der Konflikt schrittweise eskaliert, fühlt man sich in Tel Aviv gerade in der Stunde der Not vom wichtigsten militärischen Verbündetem, den USA, verraten.

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Die Israelis spielen mit dem Gedanken, die Atomanlangen des Iran zu bombardieren - was Washington ganz offensichtlich verhindern will. US-Generalstabschef Martin Dempsey warnt die Führung in Israel vor einem Angriff. Dieser, so der ranghöchste US-Offizier, hätte "destabilisierende Wirkung" und wäre schlichtweg "nicht weise". Zahlreiche US-Militärexperten bezweifeln auch laut der renommierten "New York Times", dass Israel technisch überhaupt in der Lage wäre, die Atomanlagen wirksam zu treffen. Ein Luftangriff würde Israels Luftwaffe auf eine "sehr harte Probe" stellen, ein Erfolg wäre alles andere als garantiert. Die rund 100 israelischen Kampfjets, die nötig wären, müssten im Flug über feindlichem Territorium betankt werden, dann wäre die iranische Luftabwehr zu überwinden, und es ist auch gar nicht sicher, ob die Spezialbomben die meterdicken Stahlbetonmauern überhaupt durchschlangen könnten.

Sollte der Angriff misslingen, müssten die USA militärisch an Israels Seite eingreifen. Nur die US-Armee hat genügend Bomber, Marschflugkörper und Spezialmunition, um die iranischen Anlagen zu knacken. Doch ein derartiger Militärschlag könnte sich über Wochen hinziehen und einen unkalkulierbaren Flächenbrand im Nahen Osten auslösen.

Ein Gegenschlag des Iran wäre wahrscheinlich, die kriegserprobte Hisbollah im Libanon könnte Israel angreifen. Und geriete der US-Verbündete in Nahost in Bedrängnis, müssten die USA erst recht eingreifen. Das will Präsident Barack Obama unter allen Umständen verhindern, denn die Nation ist nach dem Irak- und Afghanistan-Feldzug kriegsmüde. Großbritannien ist ähnlicher Ansicht: Ein Angriff auf den Iran wäre "keine weise Sache", warnt Außenminister William Hague.

Iran zu Erstschlag bereit
Innerhalb der israelischen Führung ist man wütend über diese Querschläger. Die Zeitung "Haaretz" berichtet, Premier Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Ehud Barak hätten sich bei Tom Donilon, dem Nationalem Sicherheitsberater des US-Präsidenten, bitter beschwert: Wer Israels Angriffsfähigkeit in Frage stelle, verringere den Druck auf den Iran und erhöhe damit die Gefahr, dass es tatsächlich zum Krieg komme, so die beiden Israelis.

Die iranische Führung verkündet unterdessen, dass sie genauso wie Israel bereit sei, einen Krieg zu beginnen. "Wenn wir das Gefühl haben, unsere Feinde gefährden die nationalen Interessen des Iran, werden wir handeln, ohne auf ihr Vorgehen zu warten", so Vize-Armeechef Mohammad Hejazi. Die Streitkräfte haben ein viertägiges Manöver zur Verteidigung der Atomanlagen begonnen.

Die martialischen Töne aus Teheran sind im Licht der Parlamentswahlen am 2. März zu betrachten. Hier muss Hardliner-Präsident Mahmoud Ahmadinejad empfindlichen Verluste befürchten. Er ist deshalb bemüht, in der Atomfrage Härte zu demonstrieren. Das dürfte im Volk tatsächlich gut ankommen. Der Westen könne lange nach dem Atombombenprogramm suchen, denn das gebe es ganz einfach nicht, heißt es aus Teheran. Und wenn der Westen deshalb einen Krieg anzetteln wolle, könne er den haben.

Die Atomenergiebehörde IAEO sucht immer noch fieberhaft nach einer friedlichen Lösung. Die Experten unter Leitung von Chefinspektor Herman Nackaerts führen Gespräche mit der iranischen Führung in der Hoffnung auf Zusagen für künftige Kontrollen.

Ölpreis mildert Sanktionen
Die Sorge vor einer Eskalation des Atomstreits sorgt für eine paradoxe Situation. Der Iran als Exporteur profitiere nämlich vom Öl-Embargo der EU, meint der weltgrößte Öl-Händler Vitol. Der Grund dafür: Weil die Unsicherheit den Preis für Erdöl in die Höhe treibe, würden diese Mehreinnahmen derzeit die Ausfälle des Iran durch das Wegbrechen des EU-Marktes aufwiegen.



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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-21 18:08:09
Letzte Änderung am 2012-02-21 21:05:07


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