• Artikel vom 09.07.2010, 09:19 Uhr

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Update: 09.07.2010, 12:17 Uhr
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Spionaustausch soll über Wien laufen


Von WZ Online
  • Schuldbekenntnisse und Begnadigungen.
  • Wien vermutlich Drehscheibe für Aktion.
  • Der Agentenaustausch zwischen Moskau und Washington ist angelaufen: Wenige Stunden nach ihrer Gerichtsverhandlung sind zehn in den USA enttarnten und Ende Juni festgenommenen russischen Spione in Richtung Heimat abgeflogen.

Der russische Spion soll via Wien nach Moskau geflogen werden.

Der russische Spion soll via Wien nach Moskau geflogen werden.Zak/AP Der russische Spion soll via Wien nach Moskau geflogen werden.Zak/AP

Noch am Donnerstagabend (Ortszeit) sei eine von der US-Regierung gecharterte Maschine mit den Männern und Frauen in New York gestartet, meldete der Fernsehsender ABC am Abend. Im Gegenzug begnadigte der russische Präsident Dmitri Medwedew vier Russen, die für den Westen spioniert haben sollen. Er habe den Deal auf höchster Ebene mit US-Präsident Barack Obama abgesprochen, hieß es in Moskau. Der Agentenaustausch wird angeblich in oder via Wien abgewickelt.

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Das Flugzeug mit den zehn russischen Agenten an Bord sollte laut Medienberichten zuerst nach Wien und dann weiter nach Moskau fliegen. An Bord waren auch US-Marshalls, weil die Spione bis zum ersten Agentenaustausch zwischen beiden Ländern seit 1986 offiziell noch in Haft sind. Die schnelle Rückkehr nach Russland werde "durch den neuen Geist der russisch-amerikanischen Beziehungen und das hohe Niveau des gegenseitigen Verständnisses der Präsidenten beider Länder" möglich, verlautete aus dem Kreml. Vertreter beider Staaten hatten wiederholt erklärt, die Affäre werde sich nicht negativ auf die Beziehungen zwischen Moskau und Washington auswirken.

Nur Stunden vor ihrem Abflug hatten die enttarnten russischen Spione vor einer New Yorker Richterin zugegeben, für die russische Regierung gearbeitet zu haben. Für jeden einzelnen stand ein Anwalt auf und antwortete auf die Frage, ob sie die Anklage akzeptieren, mit einem knappen "Ja". Die meisten hatten sich als Amerikaner getarnt. Ihre Häuser und Autos sowie Teile ihres Vermögens wurden eingezogen. Einige haben Kinder, die nun selbst entscheiden sollen, ob sie ihren Eltern nach Russland folgen.

Vor Gericht hießen "Richard" und "Cynthia Murphy" wieder Wladimir und Lydia Guryew, "Donald" und "Tracey" wurden wieder zu Andrej und Elena. Die als attraktive, rothaarige Spionin bekanntgewordene Anna Chapman heißt allerdings wirklich so. Auch zwei weitere der zehn spionierten unter ihren tatsächlichen Namen. Sie waren erst Ende Juni nach jahrelangen Ermittlungen von der US-Bundespolizei FBI festgenommen worden, nur kurz vor einem US-Besuch von Medwedew. Dies sei aber purer Zufall gewesen, hieß es.

Noch in der Nacht auf Freitag unterzeichnete Medwedew dann einen Ukas (Verordnung, Erlass; Anm.), mit dem der angebliche CIA-Agent und Nuklearexperte Igor Sutjagin, die mutmaßlichen Doppelagenten Alexander Saporoschski und Sergej Skripal sowie Gennadi Wasilenko begnadigt wurden. Zuvor hatten sie in einem Gnadengesuch an Medwedew ihre Schuld eingestanden. Sutjagin soll schon am Donnerstag nach Wien ausgeflogen worden sein. Von Wien sollte er angeblich von Österreich aus vom britischen Geheimdienst nach London gebracht werden.

Allerdings sollen sie stark unter Druck gesetzt worden sein. So hatte Sutjagin, der bereits seit fast elf Jahren in einem nordrussischen Straflager gefangen war, seine Schuld stets bestritten. Er soll Informationen über die russische Raketenabwehr sowie über Atom-U-Boote an eine britische Agentur mit Kontakten zum US-Geheimdienst übergeben haben. Die anderen drei Männer saßen ebenfalls bereits seit mehreren Jahren in Haft. Auch sie sollten über Wien ausgetauscht werden.

Das österreichische Innenministerium hat auch bezüglich der russischen Spione, die von New York über Wien nach Moskau unterwegs sein sollen, "keine Informationen". Sprecher Rudolf Gollia erklärte Freitag früh auf Anfrage der APA: "Das ist nicht unsere Geschichte. Daher kann ich weder bestätigen noch dementieren." Schon in Sachen Sutjagin hatte es am Donnerstag geheißen: "Wir können das weder bestätigen noch dementieren, weil wir es nicht wissen." Gollias Pendant vom Außenamt, Peter Launsky-Tieffenthal, stimmte darin ein - ohne den letzten Teil der Aussage, wie er sagte.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2010-07-09 09:19:00
Letzte Änderung am 2010-07-09 12:17:00

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