
Eigentlich ist die Sache ein Riesen-Skandal. 109 von 208 Athleten lieferten bei einer einzigen Sportveranstaltung positive Dopingtests ab. So geschehen bei der Fußball-Weltmeisterschaft der U17-Nachwuchskicker im Juli in Mexiko. Aber weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ging der Internationale Fußball-Verband FIFA diesem vermeintlichen Massen-Doping auf den Grund. Und siehe da: Es war das Fleisch, nicht der Wille. Alle positiv getesteten Spieler haben Fleisch gegessen, das mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol belastet war, klärte die FIFA auf. "Es ist ein Problem der öffentlichen Gesundheit, kein Doping-Problem", hielt FIFA-Chefmediziner Jiri Dvorak fest.
Im Teilnehmerfeld der 24 Mannschaften habe es nur fünf Teams gegeben, in denen keine Spieler positiv getestet wurden. Dazu zählte Gastgeber Mexiko, das die Lehre aus dem Gold-Cup gezogen hatte: Nachdem fünf mexikanische Spieler einen Monat zuvor in den USA positiv auf Clenbuterol getestet worden waren, gab es bei der U 17-WM im eigenen Land die Order, auf Fleischkonsum zu verzichten.
Neben Mexiko hat der Fall des deutschen Tischtennis-Nationalspielers Dimitrij Ovtcharov aus dem vergangenen Jahr auch China in ein schlechtes Licht in Sachen Clenbuterol gerückt. Er war nach einem Aufenthalt im "Reich der Mitte" positiv auf das Kälbermastmittel kontrolliert worden. Es konnte nachgewiesen werden, dass auch bei Ovtcharov Fleischverzehr der Grund war.
Contador verwendete die Fleisch-Ausrede
Spaniens Rad-Superstar Alberto Contador, der den Verzehr eines Steaks als Grund für seine positive Dopingprobe bei der Tour de France im Vorjahr angegeben hat, ist ein derartiger Nachweis dagegen nicht gelungen. Der dreifache Tour-Sieger muss sich deshalb von 21. bis 24. November vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne verantworten.
Contador hofft aber, dass ihm Berichte über Clenbuterol in Lebensmitteln in Europa helfen können: So wurde 2008 über belastete Milch in der Türkei berichtet und 2009 über Clenbuterol-Kontaminationen in der portugiesischen Rinderzucht. "Wir können bei der Doping-Analyse nicht differenzieren, ob kontaminierte Lebensmittel zu einem positiven Befund geführt haben oder ein bewusstes Vorgehen eines Athleten", weiß Thevis um die Problematik.
In der Regel können nur im Einzelfall (unberechtigt) in Verdacht geratenen Sportler durch Haaranalyse und anderen Indizien entlastet werden. Die Athleten, die vor Jahren bereits durch kontaminierte Nahrungsergänzungsmittel gewarnt wurden, müssen zukünftig noch umsichtiger auf ihre Ernährung achten.