Lausanne. (sir) Am 6. Februar 2012 hat Andy Schleck die Tour de France 2010 gewonnen. Er wird wohl gerade trainiert haben, als ihn die Kunde über den wohl größten Triumph in der Sportgeschichte Luxemburgs erreicht hat, denn Schleck befindet sich gerade auf Trainingslager im verschneiten Palma de Mallorca. Auch Alberto Contador ist dort. Er beendete die Tour 2010 als Erster, eineinhalb Jahre später entschied nun aber der internationale Sportgerichtshof (CAS), dem Spanier wegen Dopings den Sieg abzuerkennen. Contador wird rückwirkend für zwei Jahre gesperrt, am 7. August 2012 kann er wieder fahren.

Der Fall Contador war das Strudelteigthema der vergangenen Jahre. Er wurde gesperrt, weil bei einer Probe die verbotene Substanz Clenbuterol gefunden wurde, der spanische Verband aber glaubte der Argumentation seines prominentesten Fahrers, dass ein kontaminiertes Steak schuld an dem positiven Befund war und hob die Sperre wieder auf. Gegen dieses Urteil klagten der internationale Verband UCI sowie die Anti-Doping-Behörde Wada vor dem CAS, wobei sich das Verfahren zu einem Monsterprozess entwickelte.
Immer wieder verschob der Sportgerichtshof das Urteil im Fall Contador, der unterdessen weiter Rennen bestritt und unter anderem den Giro 2011 gewann. Bei der folgenden Tour wurde er Fünfter. Auch diese Ergebnisse wurden nun gestrichen.
Wer das nun veröffentlichte 98-seitige Konvolut durchblättert, in dem der Sportgerichtshof seine Entscheidung begründet, kann nachvollziehen, weshalb sich das Verfahren so lange dahinzog. Beide Seiten nominierten zahlreiche Zeugen, außerdem hörten die Richter 15 verschiedene Experten an, die einander mitunter auch widersprachen.
Unstrittig war der Clenbuterol-Fund an sich, die Frage, die den CAS beschäftigte, war, wie die Substanz in Contadors Körper gelangt war. Die Wada versuchte durch eine ganze Reihe von Indizien zu belegen, dass die positive Probe auf Blutdoping hinweist. Ihre Theorie: Der Radprofi habe eine (mit Clenbuterol verunreinigte) Plasmainfusion erhalten, um Blutdoping zu maskieren. Der CAS folgte dieser Argumentation aber ebensowenig wie jener des angeklagten Radfahrers, der auf der Theorie des kontaminierten Rindfleischs beharrte.
Folgen für Team Saxo?
Da Clenbuterol als Mastmittel seit Jahren in der EU verboten ist und das Filetstück aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht importiert wurde, entschieden die CAS-Richter, der ebenfalls von der Wada vorgebrachten Theorie Glauben zu schenken, dass Contador während der Tour ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen hat.
Vor zwei Jahren hatte es einen derartigen Fall im Schwimmen gegeben, als die US-Athletin Jessica Hardy nachweisen konnte, ein mit Clenbuterol kontaminiertes Präparat genommen zu haben. Um eine Sperre kam Hardy nicht herum, sie erhielt eine Zwangspause von einem Jahr, kann aber bei Olympia 2012 starten. Contador hingegen wird sowohl die Tour als auch die Sommerspiele in London verpassen.
Weit schwererwiegende Folgen könnte das Urteil aber für das Team Saxo Bank von Bjarne Riis haben, das komplett auf Contador ausgerichtet ist. Dänische Medien bangen bereits um die Existenz das stärkste Radteam des Landes, das eben finanziell schon bessere Zeiten gesehen hat. Nun fällt Contador für fast die gesamte Saison aus.
Verwunderlich ist, dass der Spanier alles auf die Rindfleisch-Theorie setzte. Seine Verteidiger forschten sogar in der Familiengeschichte des Mastbetriebes herum, um Indizien zu finden, dass der Betrieb verbotenerweise Clenbuterol einsetzt. Hätte Contador es wirklich nachweisen können, wäre er freigesprochen worden. Doch offenbar haben sich der Radler und seine Berater mit dieser Strategie verspekuliert. Contador erhielt das Strafmaximum.