• vom 11.10.2012, 11:03 Uhr

Doping

Update: 11.10.2012, 12:31 Uhr
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Erdrückende Doping-Beweislast gegen siebenfachen Tour-de-France-Sieger

1000 Seiten und elf Zeugen gegen Lance Armstrong



  • Bericht der US-Anti-Dopingagentur veröffentlicht.

Lance Armstrong zeigt sich von der erdrückenden Doping-Beweislast gegen ihn weiter unbeeindruckt. - APAweb/dpa/Ed Oudenaarden

Lance Armstrong zeigt sich von der erdrückenden Doping-Beweislast gegen ihn weiter unbeeindruckt. APAweb/dpa/Ed Oudenaarden

Colorado Springs. Die Beweislast gegen Lance Armstrong scheint erdrückend, der Verlust seiner sieben Tour-de-France-Titel rückt näher. Garniert mit elf Zeugenaussagen von Ex-Teamkollegen hat die US-Anti-Dopingagentur (USADA) am Mittwoch ihre Urteilsbegründung im Dopingfall des Texaners an den Radsport-Weltverband (UCI) geschickt. Nach Erhalt des mehr als 1000-seitigen Berichtes mit deutlichen Anschuldigungen hat der Verband 21 Tage Zeit, sein Urteil über den gefallenen Weltstar zu sprechen.

US Postal, das langjährige Team Armstrongs, habe das "ausgeklügelste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm betrieben, das der Sport jemals gesehen hat", schrieb die USADA in einer Mitteilung auf ihrer Internetseite. Kurz nach Bekanntwerden ihrer belastenden Aussagen legten Armstrongs ehemalige Mannschaftskollegen George Hincapie und Michael Barry Dopinggeständnisse ab.

Laut USADA enthält die Beweisführung gegen Armstrong beeidete Zeugenaussagen von 26 Personen, davon 15 Radprofis. Unter den elf ehemaligen Teamgefährten Armstrongs befinden sich laut USADA die zurückgetretenen Tyler Hamilton, George Hincapie oder Floyd Landis. Auch sechs noch aktive Fahrer, wie Levi Leipheimer, Christian Vande Velde, Tom Danielson und David Zabriskie, packten über das Dopingsystem aus.

Das Quartett wurde von der USADA indes für jeweils ein halbes Jahr gesperrt. Ebenfalls suspendiert sind die geständigen Michael Barry und George Hincapie, die allerdings beide bereits kürzlich ihre Karriere beendet hatten.

Danielson, der ein umfassendes Doping-Geständnis ablegte, wurde indes unter anderen der Sieg bei Österreich-Radrunfahrt 2006 aberkannt.

Hincapie und Vande Velde gestehen Doping
Hincapie, Weggefährte Armstrongs bei allen sieben Toursiegen, hatte zuvor den Gebrauch von Dopingmitteln während seiner aktiven Zeit zugegeben. "Wegen der Liebe zu meinem Sport, den Beiträgen, die ich geleistet habe und dem was der Sport mir über die Jahre gegeben hat, ist es für mich sehr schwer, heute einzugestehen, dass ich während eines Teils meiner Karriere verbotene Substanzen genommen habe", schrieb er in einer Mitteilung auf seiner Internetseite für die Zeit bis 2006.

Auch Vande Velde gestand. "Meine Fehler in der Vergangenheit tun mir sehr leid und ich weiß, dass es viel verlangt ist, um Vergebung zu bitten", schrieb der 36-jährige Amerikaner auf seiner Internetseite. "Ich habe nachgegeben und eine Grenze überschritten, eine Entscheidung, die ich tief bereue." Er fahre schon seit lange vor seinem Wechsel zu Slipstream im Jahr 2008 wieder sauber Radrennen, betonte der Profi von Garmin-Sharp.

USADA veröffentlichte Bericht im Internet
Neben der Aussagen seien auch Dokumente als Beweismittel aufgeführt, darunter Aufzeichnungen von Zahlungen, E-Mails, wissenschaftliche Daten und Labortests. Diese sollen den "Gebrauch, Besitz und Verteilung von leistungssteigernden Mitteln durch Lance Armstrong beweisen", schrieb die USADA. "Die Dopingverschwörung war professionell entworfen, um die Athleten unter Druck zu setzen, gefährliche Dopingmittel zu nutzen, (...) und einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu gewinnen." Der Bericht ging auch an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und den Triathlon-Dachverband (WTC). Er ist mittlerweile auch öffentlich im Internet einsehbar.

Armstrongs Anwalt Tim Herman bezeichnete den Bericht indes als "einseitig" und "unbestätigt".

Der UCI-Verbandsvorsitzende Pat McQuaid hatte mehrmals angedeutet, die von der USADA ausgesprochenen Strafen zu akzeptieren. Die Anti-Doping-Agentur hatte Armstrong Ende August lebenslang gesperrt und seine Ergebnisse seit dem 1. August 1998 gestrichen. Sollte die UCI dem zustimmen, würde Armstrong seine Toursiege von 1999 bis 2005 verlieren.

Armstrong "ungerührt"
Armstrong hat sich nach der Veröffentlichung der erdrückend scheinenden Beweise gegen ihn indes unbeeindruckt gezeigt. "Was mache ich heute Abend? Ich verbringe Zeit mit meiner Familie, ungerührt", schrieb der einstige Radstar auf "Twitter". Kein Wort aber über das, was auf mehr als 1.000 Seiten ein erschreckendes Bild von Armstrong und seinem ehemaligen Rennstall zeichnet. (apa/red)




Schlagwörter

Lance Armstrong, Doping, Radsport

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-11 11:04:50
Letzte Änderung am 2012-10-11 12:31:05


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