• vom 13.10.2016, 16:11 Uhr

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  • Norwegens Langlauf-Ikone Therese Johaug positiv auf Steroid getestet - eine Creme soll schuld sein.

Zum Schreien: Therese Johaug will nur Opfer einer falsch verordneten Lippen-Creme und keinesfalls eine vorsätzliche Doping-Sünderin sein. Ob das geglaubt wird, ist völlig offen. - © ap/Matthias Schrader

Zum Schreien: Therese Johaug will nur Opfer einer falsch verordneten Lippen-Creme und keinesfalls eine vorsätzliche Doping-Sünderin sein. Ob das geglaubt wird, ist völlig offen. © ap/Matthias Schrader

Oslo. Ist es ein neuer, großer Dopingskandal, der die Langlauf-Szene erschüttert - oder war alles nur ein bedauerliches Missgeschick, ein Fehler, wie wir es auch schon so oft in solchen Fällen vernommen haben? Faktum ist, dass Norwegens Langlauf-Star Therese Johaug eine positive Doping-Probe abgegeben hat und dies am Donnerstag in Oslo öffentlich eingestanden hat. Der 28-jährigen Weltcup-Gesamtsiegerin, siebenfachen Weltmeisterin und Staffel-Olympiasiegerin von Vancouver wurde das anabole Steroid Clostebol nachgewiesen. Der positive Test wurde bei einer unangekündigten Überprüfung am 16. September genommen.

Diese Hiobbotschaft für die Athletin, die in der vergangenen Weltcup-Saison nach Belieben dominiert, mit 17 Saisonsiegen den Rekord ihrer Landsfrau Marit Björgen egalisiert und sich den Gesamtsieg der Tour de Ski geholt hatte, versetzte auch das langlaufverrückte Norwegen in eine Schockstarre. Schließlich stehen kommende Saison in Lahti wieder Titelkämpfe auf dem Programm, die schlimmstenfalls ohne die beste Langläuferin der Norsker stattfinden werden.


Teamarzt bekennt Schuld
Allerdings wurde Johaug umgehend Hilfe von fachkundiger Seite bereitgestellt - nämlich von ihrem Mannschaftsarzt. Denn die verbotene Substanz soll über die Creme Trofodermin in den Körper gelangt sein, die wiederum ihr norwegische Mannschaftsarzt Fredrik Bendiksen zur Wundversorgung verordnet hatte. Also keine Spur von Sportbetrug und Doping-Missbrauch, versicherte die Langlauf-Königin. "Ich bin am Boden zerstört. Es ist eine für mich schwierige und unwirkliche Situation. Ich finde das unfair und völlig unverdient, obwohl ich mir natürlich meiner Verantwortung als Sportler bewusst bin, welche Medizin ich benutze", erklärte Johaug der versammelten Presse. Bendiksen indes übernahm die volle Verantwortung für den Fall. "Ich bin zutiefst unglücklich über die Situation, in die ich Therese gebracht habe. Therese ist eine verantwortungsvolle Sportlerin, die sorgfältig und genau alles prüft, was sie tut", betonte der Mediziner. Er wolle nun alles dafür tun, dass sie nicht bestraft werde. "Sie hat die Creme nicht illegal verwendet, ich habe sie ihr gegeben", betonte Bendiksen. Die Creme hatte Johaug wegen einer von der Sonne verbrannten Lippe verwendet.

Diese Erklärung ist offenbar so plausibel, dass der norwegische Verband zunächst keinerlei Strafmaßnahmen ergreifen will. Man wolle Johaug und Bendiksen nach der Offenlegung schützen. "Das ist eine ernste Situation für Therese Johaug, Fredrik Bendiksen und den norwegischen Langlauf", sagte Thorbjörn Skogstad. Der Chef des norwegischen Langlauf-Komitees berief die Führung ein, um weitere Schritte zu beraten. Man werde sich auch mit der nationalen Anti-Doping-Agentur Nada unterhalten, die den Star beim Training im italienischen Livigno ertappt hat, was nun zu tun sei.

Schon wieder Norwegen
Beim Weltverband FIS nahm man die Nachricht mit gemischten Gefühlen entgegen. "Wir müssen abwarten, wie die norwegische Anti-Doping-Agentur und der norwegische Verband damit umgehen. Grundsätzlich ist es für Norwegen ein sehr unglücklicher Zeitpunkt, so kurz vor Beginn der Saison mit einer WM in Skandinavien. Die FIS legt größten Wert auf sauberen Sport. Deshalb werden wir die Entwicklung genau verfolgen", betonte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis am Donnerstag in Lahti vor nordischen Skisport-Journalisten. Allerdings ist der Fall Johaug bereits der zweite undurchsichtige mit einem norwegischen Spitzen-Langläufer innerhalb eines halben Jahres. Martin Johnsrud Sundby war in der Saison 2014/2015 zweimal positiv auf das Asthma-Medikament Salbutamol getestet worden. Dies ist mit Ausnahmegenehmigungen erlaubt. Ein ärztlicher Formfehler wegen einer erhöhten Dosierung hatte aber zu dem positiven Test und zu nur einer zweimonatigen Sperre ab dem 11. Juli 2016 geführt; zudem musste er einen seiner drei Tour-de-Ski-Siege abgeben. Letzteres dürfte bei Johaug nicht passieren, da der positive Test nicht bei einem Wettkampf genommen wurde - dass sie gänzlich ohne Sanktionen davonkommt, ist aber eher nicht zu erwarten.




Schlagwörter

Doping, Therese Johaug, Langlauf

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Dokument erstellt am 2016-10-13 16:14:05



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