• vom 28.12.2016, 16:51 Uhr

Doping


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  • Aussagen der Leiterin der russischen Anti-Doping-Agentur sorgen für Verwirrung. Klar ist: Doping wird nicht mehr eindeutig dementiert, der Druck steigt.

Gefallener Olympiasieger? Alexander Legkow wurde suspendiert, beteuert aber seine Unschuld. - © Reuters/Stefan Wermuth

Gefallener Olympiasieger? Alexander Legkow wurde suspendiert, beteuert aber seine Unschuld. © Reuters/Stefan Wermuth

Moskau/New York. (art) "Es war eine institutionelle Verschwörung" - mit diesen Worten hatte Richard McLaren, von der Welt-Anti-Doping-Agentur mit der Untersuchung des russischen Doping-Skandals beauftragter Chefermittler, seinen Report vor wenigen Wochen zusammengefasst. Nun wiederholte sie Anna Anzeliowitsch, Leiterin der nationalen Anti-Doping-Agentur Rusada, angeblich gegenüber der "New York Times": "Es war eine institutionelle Verschwörung", so wurde sie von der Zeitung zitiert. Eine Wende in einem der größten Dopingskandale der jüngeren Vergangenheit also? Die Rusada wollte dies am Mittwoch nicht so stehen lassen. In einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Tass hieß es, die Aussagen seien "verfälscht und aus dem Zusammenhang gerissen" worden.

Die "New York Times" hatte davor weiter berichtet, Anzeliowitsch sei "schockiert über die Enthüllungen" gewesen. Denen zufolge seien zwischen 2011 und 2015 mehr als 1000 russische Sportler in ein staatlich gelenktes Doping- und Vertuschungssystem involviert gewesen, dutzende Proben von Olympia-Teilnehmern manipuliert, positive Tests vertuscht und zahlreiche Großereignisse auf diese Weise "in nie dagewesener Form in korrumpiert" worden, wie McLaren schlussfolgerte. Darüber wurden keine Aussagen Anzeliowitschs veröffentlicht, nur so viel steht in dem "New York Times"-Bericht: Ein Labor-Angestellter habe Proben manipuliert, Mitarbeiter des Geheimdiensts seien involviert gewesen - nicht aber die Regierung.


Nacht- und Nebelaktionen
Auch Staatspräsident Wladimir Putin hat erst vor wenigen Tagen in seiner Jahrespressekonferenz betont, es habe nie ein staatliches Dopingsystem gegeben - "das ist einfach unmöglich". Putin hatte im Juli auf Druck der Weltöffentlichkeit hin die Installierung einer neuen Anti-Doping-Kommission angeordnet, deren Chef Witali Smirnow sich nun laut "New York Times" höchst ambivalent zu den Vorgängen äußerte: Zwar räumte er ein, dass in der Vergangenheit "eine Menge Fehler passiert" seien, allerdings sieht auch er die Schuld bei den Sportlern: Man müsse die "Gründe finden, warum junge Athleten zu Dopingmitteln greifen", sagte er und verwies auf Missstände in anderen Ländern, die seiner Meinung nach zu wenig untersucht worden seien - etwa die Fancy-Bears-Enthüllungen über hinterfragenswerte medizinische Ausnahmegenehmigungen für westliche Athleten. Russland habe "nie die Möglichkeiten gehabt, die anderen Nationen eingeräumt wurden". Ähnlich äußerte sich auch Viktor Berezow, ein Anwalt des russischen olympischen Komitees, zu der Zeitung: "Die Wada hatte Glück, dass sie Rodschenko hatte." Grigori Rodschenko, der ehemalige Chef des russischen Doping-Kontrolllabors, hatte im Sommer präzise über die Usancen der Doping-Vertuschung gesprochen, etwa davon, wie während der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi in Nacht- und Nebelaktionen Urinproben durch den Geheimdienst ausgetauscht worden seien, und dadurch die Ermittlungen vorangetrieben. Das offizielle Russland hatte diese Aussagen stets ins Reich der Fantasie, des Verrats und der Rache verwiesen. Nun wurde Berezow mit den Worten zitiert: "In China, in London und wo auch immer könnten dieselben Dinge passiert sein - weil das System kaputt ist."

Kampf gegen Suspendierung
Dennoch ist der Druck auf Russland in den vergangenen Wochen nach erster Zurückhaltung der Sportverbände und des Internationalen Olympischen Komitees massiv gestiegen. Als Folge des McLaren-Reports hatten etliche Sportler einen Boykott von Veranstaltungen im Olympia-Gastgeberland von 2014 gefordert, was zum Entzug und zur Rückgabe geplanter Großereignisse geführt hatte. Aufgrund von Nachtests wurden Dutzende Sportler gesperrt, andere wegen der Eröffnung von Disziplinarverfahren vorläufig suspendiert, darunter Größen wie der Olympiasieger im 50-Kilometer-Langlauf, Alexander Legkow. Er hatte erst am Dienstag seine Suspendierung bestätigt, gleichzeitig aber seine Unschuld beteuert und den internationalen Skiverband FIS zu einer Aufhebung der Sperre veranlasst. An der Tour de Ski, die am Silvestertag als erster Saisonhöhepunkt der Langläufer beginnt, will Legkow genauso wie sein ebenfalls verdächtigter Kollege und Landsmann Jewgeni Below teilnehmen. "Es gibt von beiden Sportlern weder eine positive Probe noch einen anderen Hinweis darauf, dass sie verbotene Substanzen genommen haben könnten oder dass die Proben ohne eine Öffnung hätten positiv getestet werden können. Einen solchen Zusammenhang stellt auch der McLaren-Report nicht her", sagte Anwalt Christof Wieschemann.

Allerdings wird auch der Druck auf die Sportler größer - wenn Doping selbst aus Russland nicht mehr eindeutig geleugnet wird.




Schlagwörter

Doping, Russland, RUSADA

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Dokument erstellt am 2016-12-28 16:56:05



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