Astana.

Willi Ruttensteiner hat dennoch versucht, so etwas wie moderne Strategien und eine moderne Betreuung in der Nationalmannschaft zu etablieren, eine Woche hatte er dafür Zeit. Der deutliche Sieg in Baku (4:1) war ein kleiner Etappenerfolg, ein ebenso gelungener Abschluss in der EM-Qualifikation gegen Kasachstan sollte dann den Boden für Marcel Koller aufbereiten. So ganz klappte das nicht.
Der schwermütigen kasachischen Hymne zum Trotz, die minutenlang die neue Astana-Arena beschallte, zogen die Österreicher gleich zu Beginn ein fröhliches Offensivspiel auf. Das ÖFB-Team war sichtbar bestrebt, Kasachstan zu überfordern. Sie attackierten früh, hielten das Tempo hoch, was allerdings manchmal auch hektisch wirkte. Und nach rund zehn Minuten versuchten es die Gastgeber dann mit genau denselben Mitteln.
Die Partie wirkte dadurch zerfahren, beide Seiten agierten fehleranfällig, wobei die nur an einer Position veränderten Österreicher (Stefan Kulovits statt des gesperrten Julian Baumgartlinger) vor der Pause klar besser waren und durch dem sehr laufstarken Ekrem Dag (25.) die beste Chance hatten.
Man durfte schon glauben, dass da in der zweiten Hälfte noch etwas passiert. Doch als dann auch Marko Arnautovic völlig allein vor dem Tor (55.) knapp daneben schoss, brach zusehends Verunsicherung bei den Österreichern aus. Zunächst auf dem Feld, wo auf einmal wieder Fehler um sich griffen, dann auch beim Betreuerstab. Zunächst brachte Ruttensteiner aus verständlichen Gründen Zlatko Junuzovic für den diesmal eher schwachen Andreas Ivanschitz (65.), doch durch die Hereinnahme von Veli Kavlak und Stefan Maierhofer in der Schlussphase der Partie ging dann auch noch die letzte Ordnung im Offensivspiel verloren.
Und das führte eben auch immer wieder zu Gegenangriffen der gegen Ende immer mutigeren Gastgeber. Vor allem Sergei Grindin war ein ständiger Gefahrenherd. Zweimal scheiterte er mit dem Fuß, die beste Chance vergab er dann in der 73. Minute, als ein Kopfball von ihm an der Querlatte landete.
Auch Österreich vernebelte eine ganze Reihe von Halbchancen, doch zu wirklich großen Möglichkeiten reichten Form, Fähigkeiten und Glück nicht. Ein schönes Beispiel war das vermeintliche 1:0 durch Marc Janko (91.). Eine weite Flanke wurde irgendwie von Paul Scharner per Kopf verlängert, der kasachische Teamchef faustete den Ball dann auf Janko, von dessen Oberkörper der Ball ins Tor kullerte. Eine Reihe von Fehlleistungen, die dann aber doch keine Auswirkungen hatten. Denn der Schiedsrichter erkannte eine Abseitsposition.
"Wir haben uns extrem schwergetan. Die Kasachen sind sehr gut gestanden und haben viel Leidenschaft gezeigt. Das habe ich bei uns vermisst", sagte Sebastian Prödl. "Das Remis ist gerechtfertigt, und das ist bitter für uns", sagte der Verteidiger, der einmal in höchster Not rettete. Willi Ruttensteiner, der sich nun wieder auf den Posten des Sportdirektors zurückzieht, machte die Müdigkeit für das Remis verantwortlich. "Wir konnten von der Physis nichtwirklich entgegenhalten."
Man muss kein Austria-Fan sein, um die Austria 2012/13 (zumindest ein bisschen) zu bewundern. Sie hat sich endgültig von der Post-Stronach-Ära...
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