• Artikel vom 20.01.2012, 17:16 Uhr

Fußball

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Libyen eröffnet die Fußball-Afrikameisterschaft, für die sich das Land während des Bürgerkriegs qualifizierte

Der Auftritt der Befreiten


Von Simon Rosner
  • Einige Nationalspieler kämpften gegen Gaddafi, nun spielen sie wieder Fußball.

Bata.

In Libyen war Krieg, doch der Fußball war selbst den Rebellen wichtig. Das Land hatte die große Chance auf den Afrika-Cup.

In Libyen war Krieg, doch der Fußball war selbst den Rebellen wichtig. Das Land hatte die große Chance auf den Afrika-Cup.© EPA In Libyen war Krieg, doch der Fußball war selbst den Rebellen wichtig. Das Land hatte die große Chance auf den Afrika-Cup.© EPA

Am 7. Oktober 2011 vermeldete der libysche Übergangsrat, dass die Rebellen Sirte, die Heimatstadt Muammar Gaddafis, weitgehend eingenommen hätten. Es sollte noch knapp zwei Wochen dauern, bis der selbsternannte Revolutionsführer gefangen, umgebracht und der Bürgerkrieg beendet sein sollte. Doch der Vorstoß an jenem 7. Oktober sollte ein vorentscheidender im Kampf gegen Gaddafi sein.

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Tags darauf trat die libysche Fußballnationalmannschaft in Sambia zum entscheidenden Qualifikationsspiel für die Endrunde der Afrikameisterschaft an. Einige Spieler fehlten, sie kämpften an der Seite der Rebellen. Auch Walid Khatrouchi, ein Mittelfeldspieler, war an der Front. Doch seine Freunde beknieten ihn, zum Fußball zurückzukehren. "Sie sagten, es sei meine Pflicht zu spielen. Wenn es nach mir gegangen wäre, ich wäre nie zurückgekommen", sagte Walid Khatrouchi dem britischen Fußballmagazin "Four-Four-Two".

Libyen erreichte gegen Sambia ein torloses Remis, das gleichbedeutend mit der Qualifikation für den Nations Cup war. Nur zweimal hatte das Land davor an einer Afrikameisterschaft teilgenommen, 2006 und 1982, als Libyen selbst Ausrichter war und sogar das Finale erreichte.

Obwohl sein Sohn Saadi Gaddafi ein passionierter Fußballer war und sich eine kurze, erfolglose Profikarriere bei finanziell bedürftigen italienischen Teams erkaufte, war Muammar Gaddafi der Fußball nie geheuer. Die Eröffnungsrede 1982 soll er gar mit den Worten beendet haben: "Ihr dummen Zuschauer, da habt ihr euer dummes Spiel."

Diktatur im Gastgeberland
Als vor zwölf Jahren das Team seines Sohnes in Bengasi, der späteren Hochburg der Rebellen, antrat, hatten die Gastgeber einen Esel in ein Trikot von Saadi Gaddafi gesteckt. Der Klub Al-Ahly Bengasi wurde daraufhin für sechs Jahre gesperrt, das Stadion und das Klubgebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Diese Zeit ist vorbei. Mit der neuen Flagge des Landes, die die Spieler bereits während der Qualifikation geschwungen hatten, und mit neuen Dressen betreten die libyschen Kicker am Samstag (19.15 Uhr/Eurosport) wieder die Bühne des Fußballs. Sie bestreiten das Eröffnungsspiel der Afrikameisterschaft gegen Äquatorialguinea, das gemeinsam mit Gabun das Turnier veranstaltet.

Sportlich gesehen hat die Afrikameisterschaft spektakulärere Partien anzubieten, auch wenn sich diesmal Seriensieger Ägypten, Nigeria, Kamerun und Südafrika nicht qualifizieren konnten. Doch das Auftaktmatch ist aus einem anderen Gesichtspunkt hoch brisant. Denn die einstige spanische Kolonie Äquatorialguinea gilt dank ihres Öls als eines der reichsten Länder Afrikas. Von diesen Einnahmen aber sieht die Bevölkerung so gut wie nichts, es ist der Clan um den seit 1979 diktatorisch herrschenden Präsidenten Teodoro Obiang, der von dem Ressourcenreichtum profitiert.

War das Land vor Erschließung der Ölfelder aufgrund von Menschenrechtsverletzungen international geächtet, wandte sich das Bild danach. Heute begrüßen Europas Regierungschefs Obiang als Staatsgast, schließlich hat er ja etwas anzubieten. Auch Gaddafi war mitunter ein gern gesehener Gast im Westen.

Im Männerfußball hat das auch für den Export von Tropenhölzern bekannte Land bisher noch keine Bäume ausgerissen, allerdings konnten die Frauen die kontinentale Meisterschaft gewinnen und sich auch für die WM in Deutschland im vergangenen Sommer qualifizieren. Als ein Team des ZDF dann eine Reportage über das Land drehte, fielen die Bänder der Zensur zum Opfer. Der Geheimdienst hatte die Journalisten erwischt, als sie mit einem Menschenrechtler sprachen.

Die in den USA ansässige Organisation EG Justice hat die Vergabe des Turniers an Äquatorialguinea deshalb auch scharf kritisiert. Den Herrschern gehe es nur darum, das Image des Landes aufzupolieren. Immerhin hat die Regierung deshalb auch einiges an Geld investiert, Flughäfen, Straßen und Stadien gebaut. Doch Freiheit haben die Einwohner des kleinen Landes nicht, jene Freiheit, die sich die Libyer erkämpft haben. Auch einige Fußballer.




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Dokument erstellt am 2012-01-20 17:23:06


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