• Artikel vom 09.02.2012, 17:12 Uhr

Fußball

Update: 09.02.2012, 17:24 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Die Bundesliga setzt sich neue Ziele


  • Pangl will Infrastruktur verbessern.

Wien. (sir) Georg Pangl, der Vorstand der Fußball-Bundesliga, war neulich auf Exkursion in Kansas City. Dort besuchte er das Fußballstadion des örtlichen MLS-Klubs, das sich Pangl als Hightech-Wonderland präsentierte: Am Eingang lässt es sich mit dem Smartphone bequem einchecken, das Telefon informiert den Besucher über Angebote aus der Essmeile, lässt via Web-Kameras Einblicke in die Kabine zu, "und wenn man das Stadion verlässt", erinnert sich der Vorstand, teilt einem das Telefon mit, dass man schon lange nicht mehr im Fanshop war.

Werbung

Es ist Pangl anzumerken, wie beeindruckt er von diesem Stadion war, als hätte er in der Gegenwart bereits die Zukunft gesehen. Man kann freilich eine derartige Vision auch als Horrorszenario empfinden. Wer wird schon gerne von seinem Telefon darauf hingewiesen, dass man schon ein Jahr lang nicht mehr im Fanshop war.

Doch bis die österreichische Bundesliga zu Kansas City wird, werden noch viele Jahre ins Land ziehen. In einigen Stadien gibt es nicht einmal überdachte Tribünen oder eine Rasenheizung. So musste etwa gleich zum Auftakt der Rückrundensaison die Partie Admira gegen Kapfenberg abgesagt werden. Das Spielfeld in der Südstadt ist vereist und verschneit. "Bei uns ist momentan nur ein Skating-Schritt zu machen", sagt Admira-Coach Didi Kühbauer.

Auch das Spiel Wacker Innsbruck gegen Red Bull Salzburg musste verschoben werden, und das trotz Rasenheizung. Doch bei zweistelligen Minusgraden nützt die dann auch nichts mehr.

Gludovatz für Reform
Sowohl Pangl als auch Liga-Präsident Hans Rinner erklärten im Rahmen der Pressekonferenz vor dem Ligastart am kommenden Wochenende die Verbesserung der Infrastruktur zur Zielsetzung für die kommenden Jahre. Sportlich hat sich die Liga einigermaßen etabliert und sich im Uefa-Ranking sukzessive nach vorne gearbeitet - sogar ein Fixplatz in der Champions League in einigen Jahren ist möglich. Zudem avanciert die Bundesliga zusehends zu einer Ausbildungsliga, die Vereine arbeiten relativ nachhaltig und kaufmännisch vernünftig.

Dass die Infrastruktur ein Problem darstellt, ist keine neue Erkenntnis. Die Notwendigkeit für Investitionen ist am Rückgang der Zuschauerzahlen auch abzulesen. Die Lösung für dieses Problem ist aber schwierig. Denn der Ausbau der Infrastruktur bedeutet hohe Ausgaben, die für die meisten Vereine kaum zu stemmen sind. Bis auf Salzburg, Rapid, Austria und Sturm müssen sich alle anderen Klubs in der engen Zehnerliga mit dem Thema Abstieg und dem damit verbundenen Umsatzeinbruch beschäftigen. Das Risiko, Kredite aufzunehmen, die über zehn, fünfzehn Jahren laufen, geht da kaum jemand ein. Und auch die Gemeinden, die ohnehin klamm sind, werden sich bei Investitionen in die Stadioninfrastruktur zurückhalten und nur das Nötigste, nicht aber das Sinnvolle tun.

Die Saison erst im März zu beginnen, ist keine Option, da der Rahmenterminplan von der Uefa vorgegeben ist. Es geht nicht anders, in Österreich muss bis weit in den Dezember und ab Februar gespielt werden. Es sei denn, man kürzt die Saison. "Ich glaube nicht, dass wir mit 30 oder 32 Runden schlechter dastehen würden", sagt Ried-Trainer Paul Gludovatz und verweist auf Konzepte einer Zehnerliga mit Play-off-Modus. "Wenn man sich jetzt darauf einigen würde, könnte man es schon ab der Saison 2013/14 umsetzen." Weniger Runden bedeuten für die Vereine aber auch weniger Einnahmen, für die Sponsoren weniger Werbefläche, weshalb die Umsetzung einer solchen Reform bezweifelt werden darf. Es wird wohl weiter provisorisch herumgedoktert werden. So wie an den Stadien.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-09 17:17:02
Letzte Änderung am 2012-02-09 17:24:39


Beliebte Inhalte



Didier Drogba war Chelseas Matchwinner im Finale der Champions League. Jetzt kehrt er der Stamford Bridge den Rücken. - APAweb/epa/Andy Rain
  • Ivorer "wollte den Spekulationen ein Ende setzen".
  • weiter

Das verwaiste Stadion in der kosovarischen Hauptstadt Prishtina könnte bald wieder mit Leben erfüllt werden. - Rosner
  • Überraschende Entscheidung des Welt-Fußballverbandes für Kosovo "ein großer Schritt".
  • weiter
  • 10
  • Update vor 46 Min.

Sommercamp Kroatiens Team (li. oben) schlägt die Zelte im Avita-Resort Bad Tatzmannsdorf auf - Spaniens Kicker Fernando Torres und David Silva machen im Schrunser Löwen-Hotel Station. - apa, epa, Löwenhotel, Avita
  • Mehrere Nationalmannschaften proben in den Alpen für die Kicker-EM.
  • weiter

Ivica Vastic' Zeit als Austria-Trainer ist vorbei. - APAweb/Helmut Fohringer
  • Franco Foda als Wunsch-Nachfolger.
  • Ex-Sturm-Trainer hat auch Angebot von Kaiserslautern.
  • weiter

Markus Rogan in seinem Element. - APAweb/Reuters/Laszlo Balogh
  • Vierschnellste Zeit im Semifinale.
  • weiter



Werbung



Abseits

Der Rechenfehler

Wie viel Potenzial in einer Fußballmannschaft steckt, wird oft mit der Addition der individuellen Qualitäten der Spieler ausgerechnet... weiter




Werbung