Ried. Austria-Trainer Ivica Vastic wird sein Abschlusstraining für den Frühlingsauftakt am Samstag (16 Uhr) gegen Ried unter Ausschluss der Öffentlichkeit abhalten. Paul Gludovatz, Trainer in Ried, hat so etwas nicht nötig. Bei ihm ist der Ausschluss der Öffentlichkeit quasi Naturgesetz. Er habe das auch noch nie angedacht, sagt Gludovatz. "Ich bin öffentlich. Unsere Arbeit ist frei zugänglich." Wo es keine Öffentlichkeit gibt, braucht man aber auch keine auszuschließen. Beim Lokalaugenschein in Ried sind bei zugegebenermaßen unwirtlichen Bedingungen genauso viele Zuschauer beim Training wie Medienvertreter: null.
Wenn er von Zaungästen bei Trainings erzählt, spricht Gludovatz von "meinen fünf Altspatzen", die zuschauen. Nur ab und zu kommen Journalisten vorbei. "Das ist der große Unterschied zu Salzburg, Rapid, Austria und Sturm: Wir können in Ruhe arbeiten", sagt Gludovatz. Auch wenn sich der Burgenländer vehement gegen die Existenz eines Erfolgsgeheimnisses wehrt: Die Abgeschiedenheit in der oberösterreichischen Provinz ist zumindest ein Mitgrund, dass die Sportvereinigung Ried trotz finanzieller Mittel, die oft nicht einmal an die Hälfte der vier Großklubs heranreichen, derart konstant an der Spitze mitspielt, dass der zweite Herbstmeistertitel in Folge nicht einmal mehr als große Sensation vermeldet wurde. Vor dem Start der Frühjahrssaison am Samstag liegt Ried punktgleich mit Tabellenführer Rapid an zweiter Stelle.

Das Ziel ist laut Gludovatz wieder einmal, so lange wie möglich oben mitzuspielen. "Bisher haben wir nur eine Saisonhälfte lang mithalten können, das wollen wir verlängern. Wenn wir einen guten sechsten Platz erreichen, sage ich okay, aber ich habe immer Etappenziele. Nach vier beziehungsweise acht Spielen schauen wir weiter."
Voraussetzung: Begeisterung
Auch wenn sich die Erwartungshaltung rund um den Verein verändert hat, ist der Druck nicht sonderlich groß. Zwar spielt die SV mit drei Standorten - Stadion, Trainingszentrum und Akademie - in der 11.000-Einwohner-Stadt eine wichtige Rolle, omnipräsent ist der Verein aber nicht. Auf ihre Lieblingsvereine angesprochen nennen ein paar Jugendliche auf dem Hauptplatz übliche Verdächtige - Manchester City oder AC Milan. Von der SV Ried sind sie wenig begeistert. Bei den Vereinsangestellten ist Begeisterungsfähigkeit dagegen Voraussetzung. Co-Trainer Gerhard Schweitzer hat zusätzlich zu seiner fußballerischen Tätigkeit in Ried einen Vollzeitjob bei der Lenzing AG. Und der Akademieleiter Robert Ibertsberger erzählt, dass eine neu eingestellte Masseurin begeistert gefragt habe, ob sie nun auch das offizielle Vereinsgewand bekomme. Ibertsberger ist seit eineinhalb Jahren in Ried, seit Sommer leitet er die Akademie, zuvor war er Trainer in Salzburgs Ausbildungsstätte. Für ihn ist die große Durchlässigkeit zur Profimannschaft der große Trumpf.
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