Barcelona.

In Barcelona ist die Sorge vor dem Scheitern in der Liga der Gewissheit gewichen, dass es in dieser Saison eben nicht reichen wird. "Jetzt wollen wir in Europa unseren Titel verteidigen", sagt Trainer Pep Guardiola. Das Cup-Finale haben die Katalanen bereits in der Tasche, und im Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League ist Barcelona am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) gegen Bayer Leverkusen natürlich auch Favorit.
Dennoch stellt sich die Frage, ob die Dominanz des FC Barcelona im Schwinden begriffen ist. In den vergangenen sechs Jahren hat Barcelona dreimal die Champions League und dreimal hintereinander die spanische Primera División gewonnen. Doch es waren nicht nur Siege und Titel, die diese Mannschaft zur führenden Kraft des Weltfußballs hat werden lassen, es war vor allem der Stil des FC Barcelona, dieses 90-minütige Passstakkato und die tänzerisch anmutende Ballführung von Xavi, Iniesta und Messi, die das Spiel der Katalanen gegenüber dem Rest hervorhob.
Die Art und Weise, wie Manchester im Finale im vergangenen Mai von Barcelona beherrscht und mit 3:1 bezwungen wurde, war aufsehenerregend. Denn Manchester hatte eine unglaubliche Saison gespielt, vor allem in der Champions League. Doch das Team von Alex Ferguson war im Endspiel vollkommen chancenlos.
Etwas mehr als ein halbes Jahr später wirkt es beinahe so, als habe Barcelona an jenem 28. Mai im Wembley-Stadion seinen Zenit erreicht. Mehr geht einfach nicht. Lionel Messi hatte seine Marke von 43 Toren noch einmal verbessern können und 50 Treffer für Barcelona erzielt. In einer einzigen Saison. Mit Ausnahme des Cup-Endspiels hat Barcelona auch alles gewonnen, die Liga, den europäischen Supercup, den spanischen Supercup und die Klub-Weltmeisterschaft.
Zu viele Unentschieden
Auch wenn Trainer Guardiola das System ein wenig modifiziert hat, um Neuzugang Cesc Fàbregas einbauen zu können, hat sich die Spielanlage nicht verändert. Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Barcelonaspiele sehen nach wie vor aus wie Barcelonaspiele. Die Katalanen dominieren, sind zwei Drittel der Spielzeit in Ballbesitz, und sie attackieren die Gegner genauso früh wie früher. Nur trifft Barcelona das Tor nicht mehr ganz so oft wie früher. Bisweilen wirkt es so, als genügte dieser Mannschaft die pure Dominanz. Das Ergebnis? Nebensache.
Niederlagen wie jenes 2:3 gegen Osasuna sind Barcelona auch früher passiert, das Problem sind die sechs Unentschieden gegen Real Sociedad, Valencia, Villarreal, Bilbao, Espanyol und Sevilla. Die sind Barcelona früher nicht passiert. "Der Erfolgshunger ist nach so vielen Titeln schon ein wenig gestillt", sagt Bernd Schuster, der bei beiden Vereinen spielte, dem "Kicker".
Gegen Real noch makellos
Die Clásicos gegen Real Madrid hat Barcelona im Cup und in der Liga gewonnen, es geht also. Der Alltag aber, der fällt den Katalanen das entscheidende Bisschen schwerer. Mag sein, dass die Schlüsselspieler ein wenig überspielt sind, dass Verletzungen von Iniesta, Villa, Puyol und Piqué das Team geschwächt haben und die Last auf Lionel Messi zunehmend schwerer wird. Doch auch die Gegner haben sich besser auf Barcelona eingestellt. Osasuna hat sein Heil nicht nur in bedingungsloser Defensive gesucht, sondern hat Barcelona attackiert. Das ist aufgegangen.
Bis auf den 32-jährigen Xavi, der Schaltzentrale im Mittelfeld, und Kapitän Carles Puyol (33) haben fast alle wesentlichen Barça-Akteure noch viele Jahre vor sich. Messi, Pedro und Fàbregas sind erst 24 Jahre alt, Sergio Busquets ist gar erst 23. Für die nachdrängende nächste Generation aus der Akademie ist das freilich keine gute Nachricht. Jeffren, Giovanni Dos Santos und Bojan Krkic wurden bereits abgegeben, auch Pedro ist seit der Rückkehr von Fàbregas meist nur Joker.
Um den Erfolgshunger wieder zu heben, wird es vielleicht notwendig sein, die Mannschaft in den kommenden zwei Saisonen umzubauen, zumindest wäre das eine Möglichkeit. Auch der Verbleib von Trainer Guardiola über den Sommer hinaus ist noch nicht sicher. Spätestens am Saisonende wird man also die Frage hören: Wars das? War das die letzte Saison dieser großen Mannschaft?
Man muss kein Austria-Fan sein, um die Austria 2012/13 (zumindest ein bisschen) zu bewundern. Sie hat sich endgültig von der Post-Stronach-Ära...
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