Wien. Am Verteilerkreis parken mal wieder die Autos. Unfreiwillig. Das Wiener Derby ist vorbei, enttäuscht von ihren Teams, dem Spiel, vielleicht überhaupt von der österreichischen Bundesliga ziehen die Fans ab. Fast alle gleichzeitig. Ein älteres Paar war zur falschen Zeit an diesem verwunschenen Ort und steckt nun im Stau. Wie das Derby ausgegangen sei, wollte eine pickfein angezogene Beifahrerin von einem Teenager wissen. Die Antwort kam schnell, präzise und aufs Wesentliche reduziert: "0:0. Eine Orschpartie." "Ah, danke".
Austria und Rapid haben es also wieder getan. Wie schon beim ersten Derby des Jahres neutralisierten einander die beiden Teams und sorgten damit für Langeweile auf den Rängen. "Wir sind halt beide auf einem sehr ähnlichen Leistungsniveau", sagt Manuel Ortlechner. Was er nicht sagt: Die Höhe des Niveaus war früher eine andere. Die vielen Abgänge in der Offensive haben Spuren hinterlassen. Und in ihrem Bestreben, die abgewandeten Spieler durch das Kollektiv zu ersetzen, haben es Peter Schöttel und Ivica Vastic geschafft, völlige Austauschbarkeit herzustellen. Es ist mittlerweile ziemlich egal, wer spielt, es sieht immer gleich aus.
Kein Spiel, nur Kampf
Defensiv ist das, was Austria und Rapid derzeit bieten, nicht schlecht. Beide Mannschaften verschieben gut und sind stabil. "Sturm und Salzburg lassen sicher mehr zu, spielen offener", sagt Rapid-Trainer Schöttel. "Wir versuchen beide mit ähnlichen Mitteln, zum Erfolg zu kommen."
Viel zu selten gelang es den Mannschaften, sich etwas Raum zu erspielen. Dazu wären Wechselpässe nötig, doch die kamen nicht. Oder drei, vier schnelle Pässe, um das Spiel dorthin zu verlagern, wo der Platz offen ist. Doch das gelang nicht, dazu reicht die Qualität nicht aus. Und so war das Spiel frei von Kombinationen und vielmehr ein einziger, 90-minütiger Zweikampf.
Dass aber auch Mut fehlt, bewies eine kurze Phase in der zweiten Hälfte, in der die Austria aktiver wurde und mehr riskierte. Es geht doch. Aber da war es schon wieder vorbei, da Rapid mit noch mehr Defensive reagierte. Dass die Gäste am Ende nur das Remis wollten, belegte auch die finale Szene der Partie. Rapid hatte zwei Einwürfe tief in der gegnerischen Hälfte, doch anstatt den Ball irgendwie in den Strafraum zu bringen, um auf einen Glücksmoment zu hoffen, versuchten die Rapidler nur, die Zeit verstreichen zu lassen. Es gelang. "Wenn wir am Samstag gegen Sturm gewinnen, war dieser Punkt sehr viel wert", sagt Schöttel. Vastic argumentierte ähnlich.
Dass die beiden jungen Trainer sehr vorsichtig agieren, ist nachvollziehbar. Ihre Vorgänger ließen weitaus offensiver spielen, doch hatten sie im Angriff auch bedeutend mehr Qualität zur Verfügung. Als etwa bei Rapid Peter Pacult ohne Hoffer, Jelavic, Boskovic, Kavlak und teilweise ohne Kapitän Hofman auskommen musste, passte die Balance nicht mehr. Rapid bekam zwar nicht mehr Tore, schoss aber weniger.
Schöttels und Vastics Ansätze sind zwar nicht gerade kreativ, aber doch etwas erfolgreicher. Der Nachteil: Die Spiele sind so attraktiv wie der Verteilerkreis.
Man muss kein Austria-Fan sein, um die Austria 2012/13 (zumindest ein bisschen) zu bewundern. Sie hat sich endgültig von der Post-Stronach-Ära...
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