München. (sir) Real Madrid erlebt gerade eine Phase des Erfolges, ja sogar des Rausches. Einerseits. Andererseits kann es im Fußball so schnell gehen, und auf einmal sind alle Chancen vergeben, die Chance in der Meisterschaft, die Chance in der Champions League. Selbst so erfolgreichen Mannschaften wie Real kann da schon einmal ein bisserl der Reis gehen. Denn so eine tolle Saison muss man krönen, nicht vergeigen. Da hilft auch eine Favoritenrolle wenig, die den Madrilenen im Halbfinale der Champions League zufiel.
Real Madrid mag auf bestem Weg sein, spanischer Meister zu werden, trotz Barcelona, dem weltbesten Team. Auf der anderen Seite sind die Bayern der erste Gegner Reals in der diesjährigen Champions League, der in einer der besten fünf Ligen Europas spielt. Real Madrid hat in der laufenden Saison 107 Tore in der Liga geschossen und damit den eigenen Torrekord aus dem Jahr 1990 eingestellt. Auf der anderen Seite sind die Bayern einer der wenigen Klubs, gegen die Real öfter verloren als gewonnen hat. Real Madrid hat Cristiano Ronaldo, der 41 dieser 107 Tore geschossen und 12 weitere aufgelegt hat. Auf der anderen Seite sind die Bayern halt immer noch die Bayern, die "Bestia negra" wie sie in Madrid ehrfurchtsvoll genannt werden. Die Bayern verkörpern das, wovor sich Real fürchtet.
Die andere Seite war wohl ausschlaggebend dafür, dass sich Reals Trainer José Mourinho dazu entschloss, ein wenig zurückhaltender zu agieren, als es Real in der Meisterschaft zeigt. Und nachdem Real das wertvolle Auswärtstor erzielt hatte, nahm Mourinho die Schlüssel aus der Hosentasche und schloss hinten ab.
Zuerst ging Torschütze Mesut Özil, dann Ángel Di María, für die beiden Offensivkräfte kamen die defensiveren Marcelo und Granero. Die Umstellungen bedingten den vorübergehenden Wechsel von Cristiano Ronaldo auf die rechte Seite, wo David Alaba sein Tagwerk verrichtet. Besondere Herausforderungen kamen deshalb aber nicht auf den 19-jährigen Wiener zu, denn Ronaldo blieb das ganze Spiel über blass.
Starker Ribéry
Der Mann der Partie war vielmehr Franck Ribéry, der vor Alaba spielte. Vor allem in der ersten Hälfte und zu Beginn der zweiten lieferte der Franzose eine Weltklasseleistung ab. So einen Gegenspieler hat Reals Álvaro Arbeloa eben schon lange nicht mehr gesehen. Es dürfte ihm schwindlig geworden sein.
Die Bayern waren das gesamte Spiel über mindestens auf Augenhöhe, vor allem waren die Angriffe strukturierter, und in der zweiten Hälfte riskierten die Gastgeber auch mehr. Die Führung durch Ribéry (17.) nach einer Ecke war jedenfalls durchaus verdient, auf der anderen Seite leistete sich Real nie einen derartigen kollektiven Lapsus wie die Bayern in der 53. Minute als zuerst Ronaldo allein vor Manuel Neuer auftauchte, noch kläglich vergab, doch er kam noch einmal an den Ball und schoss Özil auf den Fuß.
Die individuelle Qualität der Madrilenen ließ stets Real gefährlich sein, doch die bessere Mannschaft waren die Bayern, die so gerne das Finale im eigenen Stadion bestreiten würden.
Spät wurden sie für ihre Bemühungen belohnt, während Real für die fortschreitende Inaktivität bezahlen musste. Denn auch die Bayern haben viel individuelle Klasse. Philipp Lahm dribbelte Fabio Coentrão aus, in der Mitte setzte sich Mario Gómez durch und netzte ein. Die Bayern durften über den verdienten Sieg jubeln, doch Favorit bleibt dennoch Real Madrid. So eine Saison darf man einfach nicht so leichtfertig vergeigen.
Wer als Fußballtrainer Erfolg haben will, muss vor allem mit der Jugend können. Und das bedeutet vor allem, authentisch sein...
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