Madrid.

Aber sind es überhaupt noch Kollegen? Özil, Benzema, Kaká, Ramos und Casillas? Oder sind es Dienstleister, die ihm, Cristiano Ronaldo, zuarbeiten, damit er der beste, reichste und größte Fußballer der Welt und aller Zeiten werden kann? "Ich möchte eine Legende der Fußballgeschichte werden", sagt Cristiano Ronaldo. Am Samstag (20 Uhr/Laola1.tv) beim Clásico gegen den FC Barcelona kann er daran weiterarbeiten. Mit einem Sieg hätte Real Madrid die Meisterschaft zwar noch nicht rechnerisch, aber praktisch gewonnen. Schießt Cristiano Ronaldo die Tore, wäre es sein Sieg.
Noch nie kam der Fußball einem Einzelsport so nahe wie bei diesem Clásico. Ronaldo und Lionel Messi halten nach 33 Runden bei jeweils 41 Toren, rechnet man die Vorlagen dazu, sind die beiden an mehr als jedem zweiten Treffer beteiligt, wobei Messis Bilanz noch ein bisschen eindrucksvoller ist. Er hatte bei 59 von 96 Toren mitgewirkt.
Allein nach Lissabon
Und doch ist Messi viel mehr Teil seiner Mannschaft, als es Ronaldo ist. So lange Éric Abidal gespielt hat, lief dieser als Letzter aufs Feld, Messi unmittelbar vor ihm. Er ist einer von elf Akteuren, die das Gesamtkunstwerk Barcelona formen, der wichtigste zwar, aber mit einem gänzlich anderen Selbstverständnis als Ronaldo.
Als Messi im Alter von zwölf Jahren nach Barcelona übersiedelte, kam die gesamte Familie mit. Auch Ronaldo war zwölf, als er von der Insel Madeira zu Sporting Lissabon kam. Doch er war allein. Messi wurde von Barcelona langsam aufgebaut, um Ronaldo dagegen rissen sich die Klubs schon in Teenagertagen. Zuerst in Funchal, dann in Lissabon, dann matchten sich Arsenal und Manchester United um das Talent. Und wo immer er hinkam, waren die hohen Erwartungen schon vor ihm da.
Real zahlte vor drei Jahren 94 Millionen Euro für ihn. Bei seiner Präsentation wurde ein Laufsteg ins Estadio Bernabéu gelegt, die Ränge waren voll. Ronaldo gaberlte, 80.000 jubelten. Wie aber soll sich ein derart Ausgestellter in ein Kollektiv einordnen?
Das Clásico am Samstag wird sein 139. Spiel für Real Madrid sein, und mit bisher 139 Toren hat er die hohen Erwartungen übererfüllt. Und es ist nicht nur die Anzahl, die beeindruckt, es ist auch die Art seiner Treffer. Wenn der Ball bei einem Weitschuss seinen Fuß verlässt, passiert Merkwürdiges. Zuerst steigt der Ball, wie bei jedem anderen auch, doch dann bricht er plötzlich nach unten weg, und es scheint, als würde der Ball in der Luft noch einmal beschleunigen.
Der Fußball ist ungerecht. Ungerecht, weil Benfica als (zumindest über weite Phasen) spielstärkere Mannschaft das Finale der Europa League mit 1:2...
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