Madrid. (sir) Es waren gerade einmal fünf Minuten gespielt, da war das Finale der Champions League für David Alaba schon unerreichbar. Ángel Di María hatte ihm den Ball an die Hand geschossen, der Schiedsrichter sah darin ein vorsätzlich Hands und zeigte dem Wiener die gelbe Karte. Weil es seine dritte war, bedeutete das eine Sperre für das nächste Spiel. Wenn es sein müsste, würde er sich opfern, hatte Alaba vor dem Halbfinale gegen Real Madrid gesagt. Doch dabei dachte er wohl an ein taktisches Foul, um einen gefährlichen Angriff zu verhindern, nicht an ein Hands, das noch dazu schlimme Folgen hatte.
Denn es widerfuhr dem 19-Jährigen im Strafraum, es gab Elfer und das erste Tor vor Cristiano Ronaldo (6.). Der dünne Vorsprung aus dem Spiel in München war damit aufgeholt. Sollten sie also recht behalten, die Madrilenen, die den Bayern ankündigten: "Neunzig Minuten in Bernabéu sind lange"?
Ein Match so zu beginnen, wie es Alaba getan hatte, gehört zu den schlimmsten Momenten für Fußballer. Es gab Beispiele, bei denen große Stars auf dem Spielfeld kleine Nervenzusammenbrüche hatten, weil ihnen durch eine Gelb-Sperre ein Finale geraubt wurde. Zwei Minuten nach dieser Szene sprintete Alaba auf der linken Seite, ließ den ersten, den zweiten, den dritten Gegenspieler stehen, flankte auf Arjen Robben, der aus drei Metern vergab.

Neunzig Minuten können aber auch für die Madrilenen lange sein, wie ihnen in dieser Situation bewusst geworden sein muss. Für die Zuschauer hingegen entwickelte sich eine überaus kurzweilige Partie, da beide Seiten die Offensive suchten und auch fanden, hinten aber keine Sicherheit ausstrahlten.
Furioser Start
Doch nach einer Viertelstunde waren es wieder Real und Ronaldo, die von einem dieser Fehler profitierten, die in der ersten Hälfte so gar nicht zum Niveau dieser Mannschaften passten. Real agierte vor allem im zentralen Mittelfeld ungemein passiv. Offenbar wollte José Mourinho die Bayern nach dem frühen 2:0 im Konter erwischen, Ronaldo, Mesut Özil und Karim Benzema sind begnadete Spieler dafür. Doch es ist eben auch gefährlich, die Bayern in die eigene Hälfte einzuladen. Nach einer Flanke und (vermutlich) einem kleinen Stößerl von Pepe an Mario Gómez gab es erneut Elfer. Robben verwertete mit Bauchweh (26.).
Der Sicherheit der Madrilenen war dieses Tor nicht gerade zuträglich, dabei hatten sie sich im Vorfeld des Spiels so selbstbewusst gegeben, als hätten sie vor einer Woche im Hinspiel ein bisschen zu viel Bayern-Luft eingeatmet. "Egal, gegen wen wir spielen werden, wir werden beim Finale sein", hatte Ronaldo verkündet. Zumindest er hatte mit zwei Treffern seine Schuldigkeit getan.
Den zur Legende gewordenen Spruch von den langen neunzig Minuten im Bernabéu hatte einst der Stürmer Juanito gegenüber den Spielern von Inter Mailand getätigt, die ein Hinspiel 2:0 gewonnen hatten. Real ließ dem ein 3:0 daheim folgen und stieg auf. Seither ist Juanito Kult. Doch die Bayern hatten ohnehin nichts anderes erwartet.
Alaba trifft vom Elferpunkt
Und weil Gómez in der 86. Minute, und nach einer zweiten Hälfte, die puncto Unterhaltung nicht an die erste heranreichte, allein vor dem Tor zu zögerlich agierte und also die beste Chance auf das 2:2 vergab, dehnten sich die 90 Minuten auf 120 aus, die Verlängerung war unvermeidlich. Das hohe Tempo hatte beiden Seiten viel abverlangt. Ronaldo war sichtlich nicht mehr Herr seiner Konzentration. Ihm unterliefen Ballfehler, zunehmend tauchte der Portugiese ab. Nur Alaba, der lief und lief und lief, als hätten ihm die 90 Minuten im Bernabéu nicht lang genug sein können.
Der Gedanke, dieses Spiel zu gewinnen, der die Teams zu Beginn der Partie beseelt hatte, war längst der Furcht gewichen, verlieren zu können. Chancen gab es keine mehr. Doch deshalb wurde ja das Elferschießen erfunden.
David Alaba, 19, aus Wien, eröffente es mit einem scharfen Schuss ins rechte Eck, dann kam Ronaldo schweren Fußes angetrabt. Und er vergab seinen Elfer, den ersten nach 24 getroffenen hintereinander. Auch Kaká vergab, dann Toni Kroos, Philipp Lahm, Sergio Ramos, niemand konnte mehr, so schien es. Doch Bastian Schweinsteiger behielt die Nerven. Und das wars dann. Wie Chelsea am Dienstag überraschten auch die Bayern, die zwei dominierenden Teams dieser Saison sind draußen. Und wenn Ronaldo beim Finale dabei sein will, muss er sich nun Karten besorgen.
Der Fußball ist ungerecht. Ungerecht, weil Benfica als (zumindest über weite Phasen) spielstärkere Mannschaft das Finale der Europa League mit 1:2...
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