• vom 26.04.2012, 16:29 Uhr

Fußball

Update: 26.04.2012, 16:40 Uhr
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Alaba drückte Champions-League-Halbfinale auch unfreiwillig Stempel auf

Lob und Irritationen



  • Alaba findet Gelb-Sperre "ungerecht" - die Spielergewerkschaft unterstützt ihn.

München.

David Alaba dankt nach seinem Elfmeter für die Hilfe von oben, das Finale verpasst er trotzdem.

David Alaba dankt nach seinem Elfmeter für die Hilfe von oben, das Finale verpasst er trotzdem. David Alaba dankt nach seinem Elfmeter für die Hilfe von oben, das Finale verpasst er trotzdem.

(art/apa) David Alaba schaute kurz zu Iker Casillas, dann gab es nur noch Entschlossenheit. Drei kleine Schritte, ein Schuss, der Ball war im Tor, präzise im rechten unteren Eck, während der Real-Tormann, nach dessen Mutter sie in Spanien schon eine Straße benannt haben, nach links gesegelt war. Jetzt kann man meinen, es gibt Schwierigeres im Fußball, als einen Elfmeter zu schießen. Aber im Kampf um den emotional wie medial überladenen Einzug ins "Finale dahoam", unter dem in Bayern das Endspiel der Champions League am 19. Mai in der Allianz-Arena firmiert, mit 19 Jahren als Erster zum Penaltypunkt zu schreiten und derart souverän zu verwerten, ist schon etwas. Und dass Elfmeter durchaus auch für den Schützen knifflig sein können, haben schon andere Spieler bewiesen, unter anderem Lionel Messi tags davor und diesmal Cristiano Ronaldo, Kaká und Sergio Ramos sowie Toni Kroos und Philipp Lahm.

Nach einem 2:1 Reals in den ersten 90 Minuten gegen Bayern, einer torlosen Verlängerung und eben jenem Elfmeterschießen, in dem neben Alaba auch Mario Gómez und Bastian Schweinsteiger für die Bayern trafen, haben die Münchner nun ihre Endstation Sehnsucht erreicht. Für Alaba wird das Finale selbst dennoch eine unerfüllte Sehnsucht bleiben.

Denn er hatte schon in der fünften Minute wegen eines unabsichtlichen Hands, das auch einen Elfer zur Folge hatte, die gelbe Karte gesehen, es war die dritte im Bewerb und bedeutet somit eine Sperre fürs Finale. "Ich wollte mich gar nicht in den Ball werfen, ich bin ausgerutscht. Aber ich habe den Ball nicht mit Absicht berührt. Die Karte ist ungerechtfertigt", sagte er nachher über die Situation, bei der ihn ein Schuss von Ángel di María auf den Oberarm traf. Während des Spiels habe er die Gedanken daran ausblenden können ("Ich habe versucht, wieder schnell ins Spiel zu finden"), im Nachhinein aber "schmerzt es sehr".

Auch die Bayern sollte es schmerzen: Alaba hatte die gesamte Saison über auf der ungeliebten Position des Linksverteidigers gute Leistungen abgeliefert. Gegen die Real-Stars leistete er sich in der Defensivarbeit kaum Fehler und fand immer wieder Gelegenheit für schnelle und gefährliche Vorstöße. Die Vorstellung des Teenagers aus Wien wurde - das ist mittlerweile Usus - auch von Trainer Jupp Heynckes, Präsident Uli Hoeneß ("Man muss sich wundern, was der für eine Kaltschnäuzigkeit hat"), Österreichs Teamchef Marcel Koller und internationalen Medien bejubelt. Dass Bayern nun im Finale auf ihn verzichten muss, sei "ein Jammer", schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Immerhin ist Alaba in guter Gesellschaft: Im Finale fehlen abgesehen von Chelseas John Terry, die für seine klare Tätlichkeit zurecht mit Rot und der Sperre bestraft wurde, gleich sechs Spieler wegen drei gelber Karten. "Einfach blödsinnig" findet DFB-Teamchef Joachim Löw diese Regel, die auch von der internationalen Spielergewerkschaft Fifpro kritisiert wird. Sie fordert auch für die Champions League eine Anwendung der WM- und EM-Regel, wonach die gelben Karten vor dem Halbfinale gelöscht werden, "um die Spieler, die kleinere oder unabsichtliche Verstöße begangen haben, nicht der Chance auf das Spiel ihres Lebens zu berauben", wie es in einer Aussendung heißt. Simon Barker von der Fifpro nennt Alaba darin sogar explizit: "Es ist nicht richtig, dass ein Spieler wie er wegen so etwas das Champions-League-Finale verpasst."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-26 16:35:05
Letzte Änderung am 2012-04-26 16:40:35


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