• vom 29.04.2012, 18:30 Uhr

Fußball

  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Das Manchester-Derby entscheidet am Montag über den Titel in der Premier League

Versuch einer Zähmung


Von Simon Rosner

  • Mario Balotelli ist Manchester Citys Hoffnungsträger und Mühsal.

Manchester. Als die große Zeit von Manchester United unter Alex Ferguson gerade begann, ging es mit dem Lokalrivalen City gerade bergab. Doch seit City mit vielen Millionen aus Abu Dhabi gefüttert wird, ist dieses Derby wieder ein Duell auf Augenhöhe. Nun geht es am Montag zwischen diesen Teams um die Meisterschaft, United hat drei Punkte Vorsprung.

Mario Balotelli ist Manchester Citys Trumpf. Und Ärgernis.

Mario Balotelli ist Manchester Citys Trumpf. Und Ärgernis.afp Mario Balotelli ist Manchester Citys Trumpf. Und Ärgernis.afp

Schon im Hinspiel gab es ein wahres Feuerwerk in Old Trafford, als City den Rivalen mit 6:1 in dessen Stadion blamierte. Es war das zweite Feuerwerk in Manchester innerhalb weniger Stunden, denn am Abend zuvor hatten Freunde von Citys Stürmer Mario Balotelli in dessen Badezimmer Raketen angezündet, der Duschvorhang ging in Flammen auf, und die Feuerwehr musste anrücken.

Im Derby schoss Balotelli dann zwei Tore. Nach dem ersten, einem wunderbaren Weitschuss, zog er sich sein Trikot hoch und zeigte sein Unterleiberl: "Why always me?", stand darauf. Denn es war nicht die erste Eskapade des schillernden Italieners, der vor zwei Jahren für 30 Millionen zu City kam und seither einer der aufregendsten Spieler der Premier League ist. Und das nicht nur wegen seines enormen Talents.

Um den 21-Jährigen ranken sich mittlerweile viele Geschichten, manche sind wahr, manche gut erfunden. Wahr ist, dass Balotelli bei einem Länderspiel mit seinem iPad auf der Bank saß und darauf herumspielte, anstatt der Partie zu folgen. Auch, dass er einst in Mailand von seiner Mutter ausgeschickt wurde, um ein Bügelbrett zu kaufen. Er kehrte mit einem Trampolin, einem Quad-Bike und einer Carrera-Rennbahn zurück.

Dass er einem Bettler einmal 1000 Euro schenkte, dass er alle Autos an einer Tankstelle auf Benzin einlud, dass er als Weihnachtsmann verkleidet durch Manchester fuhr, stimmt nicht. Doch bei Balotelli scheinen keine Geschichten absurd genug, dass sie nicht auch stimmen könnten. Er hat Talent, einen genialen rechten Fuß, aber Baloteli ist eben auch für jeden Wahnsinn zu haben.

Mourinho gab ihn auf
José Mourinho ist an ihm bei Inter verzweifelt. Balotelli würde sein Hirn nicht benutzen, sagte der portugiesische Trainer. "Er versteht mich einfach nicht", antwortete Balotelli. Roberto Mancini versteht ihn. Zumindest manchmal. Bei Inter hatte Mancini den damals 17-Jährigen in die Kampfmannschaft geholt, er ist wohl eine Vaterfigur für Balotelli, doch auch Väter verzweifeln immer wieder einmal an ihrem Nachwuchs.

Wäre er nicht sein Trainer, sondern sein Mitspieler, er würde ihm "jeden Tag auf den Kopf schlagen", sagt Mancini. Als Trainer aber sei es sein Job, Balotelli zu helfen. "Mario kann einer der besten Spieler Europas sein, ich will nicht, dass er sein Talent vergeudet", sagt Mancini. Die schwierige Aufgabe für ihn besteht auch darin, dass Balotelli auch von den Teamkollegen akzeptiert wird. Für den flamboyanten Stürmer ist Mancini eine sehr wichtige Person.

Bei Gegner Manchester United ist Wayne Rooney so ein Spieler, dessen Karriere vielleicht ganz anderes verlaufen wäre, wenn er nicht schon als Teenager zu Ferguson gekommen wäre. Auch Rooney hatte immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt, doch bei United ist er zu einem der besten Spieler avanciert. Rooney ist für sein Team sicher wichtiger als Balotelli für City. Von ihm erhofft man sich Großartiges, Rooney aber liefert es wöchentlich. Doch Balotteli ist ein Spieler für die großen Momente, für die wichtigen Tore.

"Ich nehme die Dinge so, wie sie kommen", erklärt Balotteli. Wie beim Spiel gegen Tottenham, als es auch nach 94 Minuten 2:2 stand und die Meisterschaft verloren schien. Balotelli wurde im Strafraum gefoult, er stand auf, nahm sich den Ball und verwertete trocken zum 3:2. Noch nie hat er einen Elfer vergeben. Doch kaum glaubt man, er sei ein wenig reifer geworden, kommt die nächste Eskapade, der nächste Skandal.

Wie neulich, als er in einem Restaurant jenes ehemalige Call-Girl entdeckte, mit dem Rooney eine angebliche Affäre hatte. Balotelli rief belustigt "Rooney, Rooney" durchs Lokal. Ein paar Wochen später musste er dann öffentlich einräumen, dass er mit genau jener Dame auch ein Tête-à-tête hatte. Zwei Tage danach traf er wieder für City und lüftete sein Trikot. Auf seinem Unterleiberl hatte er diesmal eine Liebesbotschaft für seine Freundin geschrieben: "Raffaella Ti Amo."




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-27 17:41:04
Letzte Änderung am 2012-04-27 17:47:41


Beliebte Inhalte



Rapid-Präsident Rudolf Edlinger sieht sich mit pikanten Vorwürfen konfrontiert. - apa/Hochmuth
  • Ex-Ultras-Chef war bis zur rechtskräftigen Verurteilung in Rapids Reformkommission.
  • weiter

Indes gehen die Verhandlungen zwischen den Favoritnern und 1899 Hoffenheim um Torschützenkönig Philipp Hosiner laut dessen Berater Wolfgang Rebernig weiter. - APA/HELMUT FOHRINGER
  • Hosiner-Wechsel zu Deutschen nach wie vor nicht vom Tisch
  • weiter

Toni Polster kommt doch noch in die Bundesliga. - apa
  • Vier Bundesligisten gehen mit neuen Trainern in die Saison.
  • weiter

Teamspieler Robert Weber (r.) übte sich nicht nur bei der Siegesfeier in Luftsprüngen. - apa/Parigger
  • Herren-Handballer besiegen Russland und fahren zur EM nach Dänemark.
  • weiter

Austria Wiens neuer Trainer heißt Nenad Bjelica. - APAweb / Hans Punz Wien. Austria Wien ist am Montag auf der Suche nach einem Nachfolger für den zum 1. FC Köln abgewanderten Meistertrainer Peter Stöger fündig geworden...weiter

Marc Janko zeigte wieder altbekannte Torjägerqualitäten, Alaba traf zuvor zum 1:0. - apa/Neubauer
  • Ein Elfer drehte die Partie - Österreich hat nun realistische Chancen auf Platz 2.
  • weiter

An den Reifen kommt man in der Formel 1 derzeit nicht herum. - ap
  • Diskussion um weiche Bereifung und illegale Tests geht in die nächste Runde.
  • weiter



Werbung



Abseits

Der Fußballtrainer der Herzen

Wer als Fußballtrainer Erfolg haben will, muss vor allem mit der Jugend können. Und das bedeutet vor allem, authentisch sein... weiter



Werbung