• vom 03.05.2012, 22:21 Uhr

Fußball

Update: 03.05.2012, 23:40 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



WAC/St. Andrä will in die Bundesliga aufsteigen, hat mit dem Profifußball das Hauptziel aber schon erreicht

Neue Kärntner Bescheidenheit


Von Matthias Nagl

  • Klub ohne Größenwahn könnte Kärnten zurück in die Bundesliga bringen.

Jubelt der WAC auch nach dem Gipfeltreffen mit Austria Lustenau, ist der Aufstieg fast fix.

Jubelt der WAC auch nach dem Gipfeltreffen mit Austria Lustenau, ist der Aufstieg fast fix.© Agentur Diener Jubelt der WAC auch nach dem Gipfeltreffen mit Austria Lustenau, ist der Aufstieg fast fix.© Agentur Diener

Wolfsberg. Seit zwei Jahren ist Kärnten nun ein weißer Fleck auf der Bundesliga-Landkarte. Das könnte sich schneller als erwartet, nämlich schon nach dieser Saison ändern. Denn das Lavanttaler Kooperationsprodukt WAC/St. Andrä kann am Freitag (20.30 Uhr/live ORF Sport+) im Spitzenspiel der Ersten Liga bei Austria Lustenau drei Runden vor Schluss einen großen Schritt Richtung Bundesliga machen.

Vier Punkte liegt die Mannschaft von Trainer Nenad Bjelica vor der Lustenauer Austria, bei einem Sieg wäre dem WAC der Aufstieg nur mehr schwer zu nehmen. Dabei ist dieser Kooperationsverein, nimmt man die jüngere Vergangenheit als Maßstab, kein typischer Kärntner Fußballverein. Denn der WAC/St. Andrä ist weder eine Polit-Erfindung wie die beiden jüngsten mittlerweile im Konkurs verblichenen Kärntner Bundesligisten FC Kärnten und Austria Kärnten. Noch sind die Hoffnungen, wie bei den beiden Klagenfurter Erfindungen, dort angesiedelt, wo sie zum Scheitern verurteilt sind.

"Wir bekommen wenig Unterstützung von der öffentlichen Hand und müssen selbst schauen, wie wir unser Geld bekommen", sagt Präsident Dietmar Riegler. Nachsatz: "Aber wir sind froh, dass wir unabhängig sind." Diese Unabhängigkeit sorgt für relativ bescheidene Ziele. Auch wenn sich am Status quo wenig ändern sollte, gereicht das den Lavanttalern zur Zufriedenheit. "Unser primäres Ziel war der Profifußball. Da wollen wir so lange wie möglich bleiben, ob das jetzt in der ersten oder zweiten Liga ist, ist nicht so wichtig", erklärt Riegler, der als Miteigentümer und Geschäftsführer einer Holzpelletsfirma auch Hauptsponsor des Vereins ist.

"Geht um Perspektiven"

Information

Erste Liga, 33. Runde, Freitag

18.30 Uhr:
BW Linz-FC Lustenau
Vienna-Grödig
Altach-St. Pölten
Hartberg-Lask

20.30 Uhr:
Austria Lustenau-WAC/St. Andrä

Dabei ließe der rasante Aufstieg des WAC/St. Andrä anderes vermuten. Vor zwei Jahren spielte der Klub noch in der Regionalliga, im Premierenjahr in der Ersten Liga gab es Rang vier, nun steht das Team vor dem Aufstieg. "Unser Ziel war, dass wir uns gegenüber der letzten Saison verbessern. Dass es nun so gut gelaufen ist, ist für mich eine Überraschung", sagt Riegler. Erst 2007 gelang dem Wolfsberger AC mittels Kooperation mit St. Andrä die Rückkehr in die Regionalliga, ab kommender Saison wird die Spielgemeinschaft gelöst und der Klub spielt wieder als WAC.

Unter diesem Namen war der Verein auch schon in den Siebziger- und Achtzigerjahren einige Saisonen in der damaligen zweiten Division, ein Aufstieg in die Bundesliga wäre eine Premiere. Die Infrastruktur will Riegler unabhängig vom Ausgang der Saison verbessern. Das Stadion, die Lavanttal-Arena, ist nur für gut 4000 Zuschauer zugelassen. In der Bundesliga müssten die 1000 Sitzplätze um mindestens 2000 aufgestockt werden.

"Mir geht es nicht um Selbstbestätigung, sondern um Perspektiven für den Fußball-Nachwuchs", sagt Riegler, der früher selbst für den WAC gespielt hat. Deshalb gibt es auch eine Kooperation mit der Akademie des Kärntner Fußballverbandes, die seit dem Ende der Klagenfurter Klubs ohne Trägerverein dasteht. Schon jetzt bilden acht Kärntner den Stamm der Mannschaft. Daran soll sich auch bei einem Aufstieg in die Bundesliga nicht zu viel ändern. "Wir werden in jedem Mannschaftsteil Verstärkungen brauchen, doch dann werden wir sicherlich reif für die Bundesliga sein. Wir wollen die Basis erhalten, das Team funktioniert", sagt Trainer Bjelica.

Der Coach, glaubt Präsident Riegler, ist der Hauptgrund, warum WAC/St. Andrä mit einem Budget von etwa drei Millionen Euro deutlich vor den etwas besser ausgestatteten Klubs Altach oder Lask liegt. "Spieler, die vor zwei, drei Jahren noch in der Regionalliga gespielt haben, sind über sich hinausgewachsen. Es ist sensationell, wie sie sich spielerisch, taktisch und technisch gesteigert haben", sagt Riegler. In der Tat verfügt Bjelica über keinen außergewöhnlichen Kader. Neben zwei spanischen und einem deutschen Legionär stehen kaum Spieler mit nennenswerter Bundesliga-Erfahrung im Team.

Auch für Bjelica ist der Klub eine große Chance. Bei seinen ersten beiden Stationen FC Kärnten und FC Lustenau war er vorwiegend mit Nicht-Absteigen beschäftigt, mit dem WAC/St. Andrä könnte dem 40-Jährigen jetzt bereits der zweite Aufstieg und Kärnten die Rückkehr in die Bundesliga gelingen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-03 17:26:06
Letzte Änderung am 2012-05-03 23:40:43


Beliebte Inhalte



Austrias Meistermacher soll bei Werder Bremen Interesse ausgelöst haben, Peter Stöger dementiert. - APAweb/HERBERT NEUBAUER
  • Austrias Erfolgscoach dementiert, fühlt sich aber höchst geehrt.
  • weiter

Weltmeister Zhang Jike ist ein Produkt der Medaillenschmiede Shi-Cha-Hai. - epa
  • Selbst in China wünscht man sich, von der Konkurrenz mehr gefordert zu werden.
  • weiter

José Mourinho soll als Real-Trainer von Carlo Ancelotti beerbt werden. Für den dadurch frei werdenden Posten bei Paris Saint-Germain könnte sich Rafael Benítez bewerben. Austria-Coach Peter Stöger wiederum soll bei Werder Bremen im Gespräch sein (von links oben nach rechts unten). epa/reuters, ap, apa
  • Einigung mit Chelsea und Nachfolge durch Ancelotti erwartet; Stöger zu Werder?
  • weiter

 In Wien sind am Dienstag die Pläne für das angekündigte neue Trainings- und Wettkampfzentrum für Leichtathleten präsentiert worden. Dieses wird in der Sportanlage Meiereistraße gegenüber dem Ernst-Happel-Stadion entstehen. - APAweb/Hochmuth
  • Die bestehende Anlage beim Happel-Stadion wird um 800.000 Euro saniert.
  • weiter

Baumgartners Sprung war hoch angesetzt, aber kein Sport - zumindest nicht im steuerrechtlichen Sinn. - APAweb /  EPA / Red Bull Stratos
  • Lopatka dementiert Eingriff in Felix Baumgartners Steuerverfahren.
  • weiter

Baumgartners Sprung war hoch angesetzt, aber kein Sport - zumindest nicht im steuerrechtlichen Sinn. - APAweb /  EPA / Red Bull Stratos
  • Lopatka dementiert Eingriff in Felix Baumgartners Steuerverfahren.
  • weiter




Werbung



Abseits

Das Gesetz bin ich

Eines muss man Bernie Ecclestone lassen: Der Mann leidet nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein. Dass er trotz eines drohenden Prozesses wegen des... weiter



Werbung