
Wolfsberg. Seit zwei Jahren ist Kärnten nun ein weißer Fleck auf der Bundesliga-Landkarte. Das könnte sich schneller als erwartet, nämlich schon nach dieser Saison ändern. Denn das Lavanttaler Kooperationsprodukt WAC/St. Andrä kann am Freitag (20.30 Uhr/live ORF Sport+) im Spitzenspiel der Ersten Liga bei Austria Lustenau drei Runden vor Schluss einen großen Schritt Richtung Bundesliga machen.
Vier Punkte liegt die Mannschaft von Trainer Nenad Bjelica vor der Lustenauer Austria, bei einem Sieg wäre dem WAC der Aufstieg nur mehr schwer zu nehmen. Dabei ist dieser Kooperationsverein, nimmt man die jüngere Vergangenheit als Maßstab, kein typischer Kärntner Fußballverein. Denn der WAC/St. Andrä ist weder eine Polit-Erfindung wie die beiden jüngsten mittlerweile im Konkurs verblichenen Kärntner Bundesligisten FC Kärnten und Austria Kärnten. Noch sind die Hoffnungen, wie bei den beiden Klagenfurter Erfindungen, dort angesiedelt, wo sie zum Scheitern verurteilt sind.
"Wir bekommen wenig Unterstützung von der öffentlichen Hand und müssen selbst schauen, wie wir unser Geld bekommen", sagt Präsident Dietmar Riegler. Nachsatz: "Aber wir sind froh, dass wir unabhängig sind." Diese Unabhängigkeit sorgt für relativ bescheidene Ziele. Auch wenn sich am Status quo wenig ändern sollte, gereicht das den Lavanttalern zur Zufriedenheit. "Unser primäres Ziel war der Profifußball. Da wollen wir so lange wie möglich bleiben, ob das jetzt in der ersten oder zweiten Liga ist, ist nicht so wichtig", erklärt Riegler, der als Miteigentümer und Geschäftsführer einer Holzpelletsfirma auch Hauptsponsor des Vereins ist.
"Geht um Perspektiven"
Dabei ließe der rasante Aufstieg des WAC/St. Andrä anderes vermuten. Vor zwei Jahren spielte der Klub noch in der Regionalliga, im Premierenjahr in der Ersten Liga gab es Rang vier, nun steht das Team vor dem Aufstieg. "Unser Ziel war, dass wir uns gegenüber der letzten Saison verbessern. Dass es nun so gut gelaufen ist, ist für mich eine Überraschung", sagt Riegler. Erst 2007 gelang dem Wolfsberger AC mittels Kooperation mit St. Andrä die Rückkehr in die Regionalliga, ab kommender Saison wird die Spielgemeinschaft gelöst und der Klub spielt wieder als WAC.
Unter diesem Namen war der Verein auch schon in den Siebziger- und Achtzigerjahren einige Saisonen in der damaligen zweiten Division, ein Aufstieg in die Bundesliga wäre eine Premiere. Die Infrastruktur will Riegler unabhängig vom Ausgang der Saison verbessern. Das Stadion, die Lavanttal-Arena, ist nur für gut 4000 Zuschauer zugelassen. In der Bundesliga müssten die 1000 Sitzplätze um mindestens 2000 aufgestockt werden.
"Mir geht es nicht um Selbstbestätigung, sondern um Perspektiven für den Fußball-Nachwuchs", sagt Riegler, der früher selbst für den WAC gespielt hat. Deshalb gibt es auch eine Kooperation mit der Akademie des Kärntner Fußballverbandes, die seit dem Ende der Klagenfurter Klubs ohne Trägerverein dasteht. Schon jetzt bilden acht Kärntner den Stamm der Mannschaft. Daran soll sich auch bei einem Aufstieg in die Bundesliga nicht zu viel ändern. "Wir werden in jedem Mannschaftsteil Verstärkungen brauchen, doch dann werden wir sicherlich reif für die Bundesliga sein. Wir wollen die Basis erhalten, das Team funktioniert", sagt Trainer Bjelica.
Der Coach, glaubt Präsident Riegler, ist der Hauptgrund, warum WAC/St. Andrä mit einem Budget von etwa drei Millionen Euro deutlich vor den etwas besser ausgestatteten Klubs Altach oder Lask liegt. "Spieler, die vor zwei, drei Jahren noch in der Regionalliga gespielt haben, sind über sich hinausgewachsen. Es ist sensationell, wie sie sich spielerisch, taktisch und technisch gesteigert haben", sagt Riegler. In der Tat verfügt Bjelica über keinen außergewöhnlichen Kader. Neben zwei spanischen und einem deutschen Legionär stehen kaum Spieler mit nennenswerter Bundesliga-Erfahrung im Team.
Auch für Bjelica ist der Klub eine große Chance. Bei seinen ersten beiden Stationen FC Kärnten und FC Lustenau war er vorwiegend mit Nicht-Absteigen beschäftigt, mit dem WAC/St. Andrä könnte dem 40-Jährigen jetzt bereits der zweite Aufstieg und Kärnten die Rückkehr in die Bundesliga gelingen.
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